Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat einen Bericht von Spiegel Online über angebliche Anschlagspläne von Islamisten auf Fanmeilen dementiert. Es gebe dazu keine konkreten Erkenntnisse: "Deutschland steht seit Längerem im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus. Es gibt derzeit keine Hinweise auf Anschlagspläne oder Anschlagziele in Deutschland", sagte Friedrich am Samstag nach Angaben seines Ministeriums. 

Spiegel Online hatte behauptet, das Bundeskriminalamt (BKA) habe Hinweise auf Anschlagspläne gegen Fußball-Fans in Deutschland. Islamisten könnten die Fanmeilen zur heutigen TV-Übertragung des Endspiels der Champions League für Anschläge nutzen. Das habe BKA-Chef Jörg Ziercke den Innenministern von Bund und Ländern in einer vertraulichen Sitzung am Freitag berichtet.

Ziercke habe von einem "ernstzunehmenden Hinweis" gesprochen. Gefährdet seien öffentliche Veranstaltungen in Deutschland rund um das Fußballspiel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund in London. Mehrere Verdächtige planten demnach einen Bombenanschlag.

Information kam vom russischen Geheimdienst

Der Radiosender SWR Info berichtet, bei der BKA-Information habe es sich um eine allgemeine Warnung aus Russland gehandelt. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB nenne weder einen konkreten Ort noch einen möglichen Zeitpunkt für einen Anschlag.

Es gebe keinen Hinweis darauf, dass irgendein Zusammenhang mit dem Champions-League-Finale bestehen könnte, berichtete der Sender unter Berufung auf Sicherheitskreise. Allerdings nenne der FSB eine konkrete Person in Deutschland als möglichen Terroristen. Diese Person habe das Bundeskriminalamt inzwischen identifiziert.

Die Warnung des FSB werde auch deshalb sehr ernst genommen, weil russische Sicherheitsbehörden die USA auf die tschetschenischen Islamisten hingewiesen hatten, die dann Mitte April den Anschlag auf den Marathon in Boston verübten. Das BKA habe den Vorgang als so brisant eingeschätzt, dass Ziercke die Innenminister von Bund und Ländern über den Vorgang informierte.

Auffällige Taschen werden kontrolliert

Besucher öffentlicher Veranstaltungen müssen sich heute ohnehin auf verschärfte Sicherheitsmaßnahmen einstellen. Die Berliner Polizei will den Zustrom zur Fanmeile genau beobachten und auffällige Taschen kontrollieren. Damit solle verhindert werden, dass Extremisten einen Sprengsatz in die Menschenmenge schmuggeln und zünden könnten. Taschenkontrollen gehörten bei Großveranstaltungen zur Routine, sagte ein Sprecher: "Wir bewegen uns in Berlin bei der Sicherheit grundsätzlich auf einem hohen Niveau."

In London herrscht seit Tagen Alarmbereitschaft, nachdem zwei mutmaßliche Islamisten einen britischen Soldaten auf offener Straße ermordet hatten. In Boston waren Mitte April bei einem Bombenanschlag auf den Boston-Marathon drei Menschen getötet worden

Hunderttausende beim Public Viewing

Dortmund erwartet 50.000 Menschen zum Public Viewing. In den ausverkauften Westfalenhallen werden 18.000 das Spiel verfolgen. Die mit 40 Quadratmetern größte Leinwand wird auf dem Friedensplatz stehen, kleinere Leinwände gibt es an der Reinoldikirche und auf dem Hansaplatz.

In München werden 45.000 Fans das Finale in der Allianz-Arena erleben. Der FC Bayern hat die Eintrittskarten verschenkt, das Spiel wird auf zwei 100 Quadratmeter großen Monitoren übertragen. Weitere 30.000 Karten hat die Stadt für die Übertragung auf der Theresienwiese verkauft.

In Berlin stehen fünf Videoleinwände auf der Straße des 17. Juni bereit: Neben der Übertragung aus dem Londoner Wembley-Stadion ist auch ein Musikprogramm geplant.