IntegrationWas haben Steuern und Integrationskurse gemeinsam?

Der Sohn hat viele Fragen. Doch wie erklärt ein Vater, wann ein Migrant ein Staatsbürger ist? Und wie das mit der Integration läuft? Eine Kurzgeschichte von Cenk Bekdemir von Cenk Bekdemir

Luka kneift die Augen zusammen. Sein Vater zeigt aus der fahrenden U-Bahn auf die Elbphilharmonie. "Siehst Du? Millionen haben die da versenkt, Millionen an Steuern!" Der Junge wechselt den Blick zwischen Vater und Elbe. Ob die Millionen direkt vor dem Gebäude auf Grund liegen? Tief im brakigen Wasser des Flusses?

Die U-Bahn-Linie drei ruckelt weiter zum Baumwall. Die Sonne scheint, hüllt den Hamburger Hafen in glänzendes Licht, ein paar Möwen stehen im Wind.

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Was Steuern wären? Er hätte davon letztens auch in der Sportschau gehört. Der eine Präsident von München hätte wohl nicht . . . nicht richtig gelenkt! 

Ob Steuern was mit Lenken zu tun hätte? Reiner Bloos ist sehr müde, schaut seinen Fragen plappernden Sohn an. Die Augenbrauen hochgezogen, das Kinn fast auf der Brust. Lenken? Steuern? Ja, äh nein, würde er gerne sagen, sein Sohn aber sprudelt weiter.

Cenk Bekdemir
Cenk Bekdemir

Cenk Bekdemir ist Schriftsteller (Ziemlich weit hergeholt, abera Verlag), Weinberater und Musiker. In unregelmäßigen Abständen veranstaltet der Hamburger die Lesereihe "Autoren abseits der Clubs".

Bayrams Opa, bei dem er Samstag die Sportschau gesehen hatte, hatte während des Beitrags wie ein Rohrspatz angefangen zu schimpfen: "Steuern! Steuern, so eine Schweinerei!", sagte er immer wieder. Er habe so viele Steuern in seinem Leben gezahlt und dürfte nach knapp vierzig Jahren immer noch nicht darüber mitbestimmen, was mit seinen Steuern geschehe.

Steuern sind wie ein Bumerang

Immerhin würden, sagte er mit so einem komischen Unterton, von seinen Steuergeldern ja Integrationskurse angeboten und bezahlt. Da lachte er dann irgendwie halb verrückt auf: "Wenn ich da jetzt dran teilnehmen würde, käme ja immerhin auch ein Teil wieder zurück." Was das mit den Steuern auf sich hätte? Was das wäre? Ob jeder welche hätte und wie die aussähen? Ob Steuern so was wie ein Bumerang wären, die gegeben werden – wem und wohin überhaupt? – und ob die dann zurückkämen?

Irgendwie schon . . .  er hätte wieder etwas sagen wollen. Alleine das Staunen über seinen Sohn und die Müdigkeit lassen ihn stumm.

Und das mit dem . . . Inte . . .  mit dem . . . Integrationsdingsbums, das würde er ja schon von der Schule kennen. Ob die Älteren dann auch mit den Kindern zusammen Mittag essen würden? Mit den Kindern? Zusammen in der Schule? Nein, nein, das wäre ganz etwas anderes, auch jetzt hätte er gerne etwas gesagt: Integrationsklassen und -kurse sind etwas ganz anderes.

Die U-Bahn fährt mittlerweile auf die Landungsbrücken zu. An der alten Überseebrücke liegen zwei große, bauchige Museumsschiffe, die wie aus einer anderen, vergessenen Zeit vor sich hindämmern. Davor und dahinter drängeln sich die Barkassen an den Pontons, spucken Leute aus und saugen andere wieder in sich hinein, bringen sie flussauf- oder abwärts. Auch hier stehen Möwen im Wind.

Bayrams Opa scheint seinen Sohn sehr beeindruckt zu haben.

Diese Kurse sollen irgendwie zum Ziel haben, die Menschen, die hierher kommen oder schon lange hier leben, aber auch von woanders kommen und die, die schon lange oder schon immer hier leben, näher zusammenzubringen. Und vor allen Dingen die Regeln, die hier gelten, und sowieso für alle gelten, weil das hier ja so… Der Junge kam da ein wenig ins Schleudern, weil das hier ja so ein Recht . . . ein Rechts . . .  Ja, so sagte Bayrams Opa, weil das hier ja ein Rechtsstaat wäre.

Aber, auch das warf mehrere Fragen auf! Wie war das denn dann da, wo die anderen herkommen oder hergekommen sind? Herr Börner, der Schulpolizist, von dem Luka sehr angetan war, sagte immer "für jeden seien die Regeln die gleichen"! Im Straßenverkehr wären nämlich alle gleich. Da müsse immer vorausschauend gehandelt werden. Immer erst gucken, erst links, dann rechts, nie vergessen nach rechts zu schauen, und dann noch mal gucken und dann rüber. Die anderen müssten doch auch lernen, sich im Straßenverkehr zu bewegen, oder?

Leserkommentare
  1. aber Gehalt..eher mau

    schön war der Hinweis zum Kirchentag, bei dem ja auch die GenderGerechtikgietsÖkologie als demonstrativer Wertekanon propagiert wird.
    Schön flankiert durch die ÖffentlichREchtlichen und den Volksbelehrer CLaus Kleber..nimmt alles diktatorische Züge an, könnte man überspitzt sagen..
    nun ja..Steuern werden meistens versenkt..zum Beispiel in Verwaltungsapparaten.
    Das sollte man beim derzeitigen Armutssong des unterfinanzierten STaates vllt in die 2.Strophe schreiben

    5 Leserempfehlungen
  2. "Der hatte Paula mal von der Schule abgeholt und so Sachen wie "die Scheiß-Ausländer sollen dahin gehen wo sie herkommen!" oder "mit denen würde er kurzen Prozess machen!"gesagt."

    Pauschaler und undifferenzierter geht es nicht!
    Es gibt Hunderttausende "beliebte "Ausländer aus Europa.Kanada.Asien,etc die überall beliebt sind und gerne in einem demokratischen westlichen Land leben und völlig integiert sind.Das sollten Sie den Sohn wissen lassen!
    und wenn es Ausländer gibt,die in Europa nicht beliebt sind (übrigens auch nicht bei anderen Ausländern aus guten Gründen) wegen ihrer antiwestlichen und antidemokratischen Lebensweise/Kultur dann hat das seine ernsten Gründe,denn in Europa hat man sich Demokratie und Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit schwer erkämpft über die Jahrhunderte und möchte nicht zurück ins Mittelalter und tut sich nun zu Recht schwer mit mittelalterlichen Ideologien und deren Folgen.

    10 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Integration | Alte | Elbphilharmonie | Glaube | Kirchentag | Steuer
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