Daten-Diebstahl : Cyber-Bankräuber erbeuten 45 Millionen Dollar

Eine internationale Bande hat Kreditkarten und Konten manipuliert – und an Bankautomaten Millionen Dollar abgehoben. Sieben Verdächtige wurden in New York festgenommen.
Die New Yorker Staatsanwältin Loretta Lynch bei einer Pressekonferenz zur Festnahme der Cyber-Bankräuber © Lucas Jackson/Reuters

In einer großangelegten Aktion hat eine Gruppe von Cyber-Dieben weltweit insgesamt 45 Millionen Dollar (etwa 34 Millionen Euro) gestohlen. Betroffen waren insgesamt 26 Länder, wie die New Yorker Staatsanwaltschaft mitteilte. Sieben mutmaßliche Mitglieder des New Yorker Teils der Organisation wurden gefasst und angeklagt. Ein achter Verdächtiger, der mutmaßliche Anführer der Gruppe, soll Ende April in der Dominikanischen Republik ermordet worden sein.

Allein in New York erbeuteten die Diebe den Angaben zufolge 2,8 Millionen Dollar, indem sie mit manipulierten Karten an Hunderten Automaten Geld abhoben. Die Justizbehörden sprachen von einem "massiven Raubzug im Stile des 21. Jahrhunderts", der sich über das Internet und um die ganze Welt gezogen habe. "Statt Pistolen und Masken haben sie Laptops und das Internet verwendet", hieß es von der Staatsanwaltschaft.

Mehrere Monate lang hackte die Gruppe die Daten von Prepaid-Kreditkarten, wie sie etwa von Hilfsorganisationen eingesetzt werden. Dann hob sie die Grenze für Barabhebungen auf. Die gestohlenen Daten wurden auf Magnetkarten geladen, mit denen die Diebe innerhalb kurzer Zeit Millionen von Dollar abhoben. Die Gruppe schlug im Dezember 2012 und im Februar 2013 in mehreren Ländern gleichzeitig zu.

Betroffen waren demnach die Rakabank aus den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Bank of Muscat in Oman. Die Diebe machten sich nach ihrem Beutezug schnell ans Geldwaschen: Laut Anklageschrift eröffneten sie ein Konto bei einer Bank in Miami und kauften Luxuslimousinen und Rolex-Uhren.

Welche anderen Staaten von dem Diebstahl betroffen waren, sagten die New Yorker Behörden nicht. Die Staatsanwaltschaft dankte aber den Ermittlungsbehörden in zahlreichen Ländern, darunter auch Deutschland, für ihre Zusammenarbeit.

Verlagsangebot

Die Macht der Vorurteile

Vorurteile prägen unseren Alltag. Woher sie kommen. Wem sie nützen. Und warum man sie so schwer loswird. Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

21 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Im digitalen Zeitalter

verlieren juristische Begrifflichkeiten manchmal ihre ursprünglichen Definitionen.

Beim Diebstahl werden bewegliche körperliche Sachen widerrechtlich in den Besitz von Jemand anderen gebracht, beim Raub wird dazu Gewalt angewendet.

Beim Identitätsdiebstahl oder Identitätsklau (identity theft, usurpation d'identité) behält der Bestohlene zwar seine Identität, aber er kann auf vielfältige Art geschädigt werden , indem der "Dieb" in seinem Namen z.B. ein Konto eröffnet für Betrugszwecke oder Geldwäsche, andere accounts anlegt, etc..

Und die Cyberkriminalität wird immer ausgefuchster.

Im letzten Jahr wurde meinem Schwiegersohn, meiner Tochter und vielen anderen Kunden eines Gartencenters durch ein manipuliertes Kartenlesegerät einige Tausend Euro in Südamerika und Asien vom Konto abgehoben. Die Manipulation muss während der Geschäftszeiten vorgenommen worden sein, denn einen Einbruch gab es nicht.

Der Schaden ist allerdings von der Bank übernommen worden.

@hühnergott

grundsätzlich haben Sie absolut recht. Zwar ist der Journalist zunächst idR. kein Fachmann, aber seine Aufgabe ist es natürlich, wenn er entsprechend tätig ist, Fachtermini korrekt zu verwenden und in den normalsprachlichen Gebrauch so zu transferieren, dass es inhaltlich korrekt zugeht. Wenn aber Fachbegriffe umgangsprachlich von wem auch immer nicht korrekt verwendet werden, zeigt es doch nur, dass der Verwender halt kein Fachmann ist. Wie viele Menschen klagen über ihre Grippe, haben aber einen grippalen Infekt, auch ein Riesenunterschied, wen störts ? Es ist vielleicht vor dem Bundesverfassungsgericht nicht zitierfähig, na und?
Im Konkreten Fall kommt hinzu, dass zunächst einmal gar nicht klar ist, wer denn was gesagt hat. Der Artikel ist ja in ähnlicher Form in verschiedenen Portalen erschienen, scheint also eine Meldung eines Dienstes zu sein. Was wurde im englischen original gesagt? was bedeutet es juristisch ? ist es mit dem Deutschen Raub bedeutungsgleich?....
Wozu also die Aufregung? Ich weiss, nicht bei Ihnen, aber....

Verzweiflung?

Ich lese gerne die Leserkommentare auf ZO. Insbesondere, wenn ich mal nichts zu tun habe und mich erheitern möchte den Austausch rechthaberischer Wortgefechte. Ich kommentiere selten, weil ich da eher nichts mit zu tun haben möchte. Und nun bin ich mitten drin. Ich höre aus Ihrem Kommentar, dass Sie meinen, ich halte Gewaltdelikte für Kleinkram. Ein wenig bösartig ist das schon, oder ? Ich bin kein Jurist, die Definition von Raub oder Diebstahl ist mir egal, der Bedeutungsunterschied aber sicher nicht. Ich habe mich heute morgen gut gefühlt, ich habe nett gefrühstückt, bisher gab es keinen Anlass zur Verzweiflung. Viel fehlt aber nicht mehr.

@saminegm

Von Gewaltanwendung ist ja lediglich im Juristischen und bei wikipedia die Rede - hingegen im Duden nicht: "Raub drückt [...] aus, dass etwas auf widerrechtlichem Wege hergestellt, gemacht wird, um Gewinn daraus zu erzielen", was hier voll uns ganz zutrifft.

Sie haben außerdem die gesamte deutsche Presse gegen sich:

SZ: Cyber-Bankräuber stehlen 45 Millionen Dollar
SPON: So lief der Millionen-Cyber-Raub ab
BILD: Es ist einer der größten Raubzüge in der Geschichte
...

Hier soll natürlich auch boulevardmäßig dramatisiert werden. Falsch ist die Andersauslegung des Begriffs dennoch nicht, denn der Journalist ist kein Jurist.