FabrikeinsturzZahl der Toten in Bangladesch steigt auf über 1.000

Noch immer werden nach dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch Tote aus den Trümmern geborgen. Mehr als Tausend starben, die meisten von ihnen Frauen.

Trümmer der eingestürzten Fabrik nahe der Stadt Dhaka in Bangladesch

Trümmer der eingestürzten Fabrik nahe der Stadt Dhaka in Bangladesch  |  © Munir uz Zaman/AFP/GettyImages

Gut zwei Wochen nach dem Einsturz eines Fabrik-Hochhauses in Bangladesch ist die Zahl der Todesopfer auf über 1.000 gestiegen. Wie ein Sprecher des Zentrums für Katastrophenmanagement mitteilte, wurden bis zum Freitag 1.032 Tote aus den Trümmern des Gebäudes geborgen. Die meisten Toten seien Frauen. Mindestens 150 Menschen, deren Identität nicht geklärt werden konnte, wurden nach Angaben eines Armeesprechers in anonymen Gräbern auf einem staatlichen Friedhof bestattet.

2.400 Menschen waren beim Einsturz des achtstöckigen Hauses verletzt worden, Bergungskräfte setzten die Suche nach weiteren Opfern fort. Die Helfer arbeiteten mit Kränen, Bulldozern und Baggern. Das Unglück gilt als das schlimmste seiner Art in der Geschichte Bangladeschs.

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Das Hochhaus im Industriegebiet Savar nahe der Hauptstadt Dhaka, das mehrere Textilfabriken beherbergte, war am 24. April eingestürzt. Zum Zeitpunkt des Unglücks sollen sich etwa 3.000 Menschen darin aufgehalten haben. 2.437 Menschen wurden nach offiziellen Angaben lebend geborgen.

Zwölf mutmaßliche Verantwortliche wurden festgenommen, darunter der Besitzer des Gebäudes und leitende Mitarbeiter mehrerer Textilfirmen. Diese produzierten in dem Hochhaus für Mode- und Bekleidungshändler. Auch Zulieferer des deutschen Textildiscounters Kik und des italienischen Modeunternehmens Benetton ließen Kleidung in der Fabrik herstellen.

18 Textilfabriken aus Sicherheitsgründen geschlossen

Das Unglück hat eine neue Debatte über die Arbeitsbedingungen in den Fabriken von Bangladesch angestoßen. Viele von ihnen produzieren billig für den westlichen Markt. Die EU hat mit Strafmaßnahmen gedroht, sollte Bangladesch nicht für bessere Arbeitsbedingungen in der Textilbranche sorgen. Am Mittwoch ließ die Regierung in Dhaka nach eigenen Angaben 18 Textilfabriken aus Sicherheitsgründen schließen.

In der Nacht auf Donnerstag kam es in Dhaka zu einem weiteren Unglück in einer Textilfabrik: Bei einem Brand starben mindestens acht Menschen. Das Feuer sei ausgebrochen, nachdem der Großteil der Belegschaft bereits nach Hause gegangen sei, teilte die Polizei mit. In der betroffenen Fabrik wird ebenfalls hauptsächlich Kleidung für den Export gefertigt.

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Leserkommentare
  1. Benetton setzte sich lange mit schockierenden oder bewegenden Bildern von Hunger, Kriegen & Katastrophen als coole und verantwortliche Marke in Szene. Nun können sie es "live" tun, mit Bildern ihrer Kleidung in der eingestürzten Fabrik...

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    • xila
    • 10. Mai 2013 10:24 Uhr

    Und es sind noch nicht alle Leichen geborgen worden. In dem Gebäude hielten sich also deutlich mehr als "etwa 3000" Menschen auf.

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  2. Ich habe selber in der Konfektionsbranche gearbeitet und mir wurde während einer Preisverhandlung von einem deutschen Handelsvertreter erklärt, das In Pakistan die Leute für eine Handvoll Reis arbeiten und unter den Nähmaschinen schlafen. Ich habe mich damals gefragt, wie der Handelsvertreter, der aus einem Land kommt, indem man sich für Menschenrechte, Arbeitsschutz und Arbeitszeitregelungen einsetzt, mit diesem Wissen lebt und handelt und wie er dies seinen Kindern erklärt.

    Außerdem: Von Sozialempfängern in Deutschland erwartet das Sozialamt, dass sie mit Ihrem Geld auskommen, d. h. preisgünstig einkaufen. Ein T-Shirt, dass in Deutschland produziert wird, wäre für sie viel zu teuer,d. h. sie müssen auf Billligware zurück greifen, die in Ländern produziert werden, in denen die Arbeitenden keine Ahnung von Menschenrechten, Arbeitsschutz und Arbeitszeitregelungen haben und den Forderungen der Arbeitgeber ausgeliefert sind.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, ff
  • Schlagworte Bangladesch | Brand | Fabrik | Kik | Opfer | Dhaka
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