FrankreichLe Pen würdigt Suizid von Homo-Ehe-Gegner

Ein rechtsextremer Essayist hat sich in Notre-Dame in Paris erschossen, vermutlich aus Protest gegen die Homo-Ehe. Die Chefin der Front National bekundete ihm "Respekt".

Der öffentliche Suizid eines rechtsnationalen Publizisten heizt die Debatte um die gleichgeschlechtliche Ehe in Frankreich erneut an: Der Essayist Dominique Venner erschoss sich am Dienstagnachmittag in der Pariser Kathedrale Notre-Dame vor dem Altar.  Die Kirche wurde geräumt – zum Zeitpunkt der Tat befanden sich etwa 1.500 Menschen in der Notre-Dame.

In einem Blog hatte Venner das Gesetz zur Homo-Ehe kurz vor seinem Tod als "infam" bezeichnet und "Verluste der Werte der Familie" beklagt. Er fürchte, dass Frankreich in die Hände von Islamisten fallen werde. Im Kampf dagegen seien "neue, spektakuläre und symbolische Gesten" notwendig.

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Die Chefin der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, sprach Venner über Twitter ihren "Respekt" aus. Seine Geste sei "zutiefst politisch", und ein Versuch, "das Volk Frankreichs wachzurütteln". Venner war in Frankreich in rechtsextremen Kreisen bekannt. Er war früher in der Geheimorganisation OAS aktiv, die Algerien als französische Kolonie beibehalten wollte. 

Frankreichs Präsident François Hollande hatte das Gesetz zur Homo-Ehe, das gleichgeschlechtlichen Partnern auch die Adoption von Kindern ermöglicht, am Samstag unterzeichnet. Das Gesetz spaltet die Gesellschaft, es gab zum Teil gewaltsame Proteste. Für Sonntag haben Gesetzesgegner eine weitere Demonstration angekündigt.

Befürworter der Homo-Ehe feierten das Gesetz in der Nacht zum Mittwoch in Paris. Tausende versammelten sich an der Place de la Bastille zu einem Gratiskonzert, auch der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë und Frankreichs Familienministerin Dominique Bertinotti nahmen an der Feier teil.

"Wir haben neun Monate außergewöhnlich schwieriger Debatten hinter uns, mit einer enthemmten Homophobie. Da ist es wichtig, einen freundlichen Moment zu verbringen", sagte Nicolas Gougain, Sprecher der Organisation Inter-LGBT, die sich für die Rechte der Homosexuellen einsetzt. "Lasst uns die starke Botschaft senden, dass wir jede Form der Diskriminierung stoppen müssen."

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Leserkommentare
    • fennek
    • 22. Mai 2013 8:39 Uhr

    für den Darwin Award. Abstrus und grotesk die "zutiefst politische" Geste.

    Erinnert irgendwie an die Volksfront von Judäa aus "Das Leben des Brian" . [...]

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    25 Leserempfehlungen
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    Danke, denselben Gedanken hatte ich auch und wollte ihn bei der SZ posten. Aber dort hat man die Diskussion lieber gesperrt.
    Nur eins noch: Bei der SZ stand zu lesen, dass die Chef-Homophobikerin in Frankreich den schönen Vornamen Frigide trägt. Hat sich das der Weltgeist nicht hübsch ausgedacht?

    • 可为
    • 22. Mai 2013 8:45 Uhr
    5. […]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich sachlich und konstruktiv. Danke, die Redaktion/ls

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    Leider hat Frau Le Pen dieses kleine Problem erkannt, und ein zweites tweet folgen lassen, in dem sie von Leben & Hoffnung schwafelt:

    "Il n'en demeure pas moins que c'est dans la vie et l'espérance que la France se redressera et se sauvera."

    https://twitter.com/MLP_officiel/status/336882717616652288

    Es ist Teil des Spagats von Frau Le Pen, um sowohl die Ewiggestrigen als auch die modernen frustrierten Kleinbürger in der FN zu halten.

  1. Da passt ja überhaupt nichts zusammen.

    Lauter wirre Mutmaßungen ohne den Ansatz von einem Beweis oder gar Logik. Solche Meldungen muss man nicht bringen.

    6 Leserempfehlungen
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    Haben Sie schon jemals etwas von "Argumentieren" vernommen?
    Was unterstehen Sie sich, Worte wie 'Beweise' oder 'Logik' zu verwenden, ohne deren Sinn zu beachten?
    Was genau hat Sie zu Ihrer inneren Empörung veranlasst?

    ... konnte man es im frz. Radio nachhören. Venner hat einem Sender die Motivation für seine Tat in einem Interview erklärt:

    <em>«Je me donne la mort afin de réveiller les consciences assoupies. Je m'insurge contre la fatalité [...] contre les poisons de l'âme [...] les désirs individuels envahissants qui détruisent nos ancrages identitaires et notamment la famille, socle intime de notre civilisation multimillénaire. [...] Alors que je défends l'identité de tous les peuples chez eux, je m'insurge aussi contre le crime visant au remplacement de nos populations»</em>

    http://www.lefigaro.fr/actualite-france/2013/05/21/01016-20130521ARTFIG0...

    Übersetzung: "Ich nehme mir das Leben, um die betäubten Geister zu erwecken. Ich lehne mich gegen das Schicksal auf, gegen die Gifte der Seele, die aufdringlichen Begierden des Einzelnen, die unsere identitären Bindungen zerstören und vor allem die Familie, den intimen Sockel unserer jahrtausendealten Zivilisation. Während ich die Identität aller Völker in ihrer Heimat verteidige, kämpfe ich gleichzeitig gegen jenes Verbrechen, das darauf hinwirkt, sie auszutauschen."

    Viel zu pathetisch wenn Sie mich fragen, aber was wäre ein geschmackloser Abgang ohne die passende melodramatische Rede?

    • FLH80
    • 22. Mai 2013 8:50 Uhr

    "würdigt die Tat".
    Unglaublich!!
    Wie kann man einen Suizid würdigen und damit gut heißen?
    Die Partei von Le Pen sollte vielleicht besser gleich politischen Selbstmord begehen, falls sie solche Schritte für geeignet hält...

    14 Leserempfehlungen
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    Wenn Frau Le Pen Suizid als Protest gegen "Islamisierung" und Homo-Ehe so respektabel findet, was hindert sie daran, dem Beispiel zu folgen? Das wäre doch auch eine respektable Entscheidung! Und ob die Argumentation nun schlüssig ist oder nicht... mit solchen Kinkerlitzchen hat sich der Affront National noch nie aufgehalten. Ein empörter, landesweiter Sterbeprotest aller neofaschistischen, xenophoben und homophoben Wutbürger wäre doch mal beeindruckend.

  2. Haben Sie schon jemals etwas von "Argumentieren" vernommen?
    Was unterstehen Sie sich, Worte wie 'Beweise' oder 'Logik' zu verwenden, ohne deren Sinn zu beachten?
    Was genau hat Sie zu Ihrer inneren Empörung veranlasst?

    Antwort auf "Ganz schwacher Artikel"
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    zwischen dem Selbstmord und der Homoehe?

    Wie konstruiert bitteschön muss es denn noch sein, bevor sie bemerken das hier nur Mist steht. Und der wirre Bezug Richtung Islam fällt ihnen auch nicht auf??

    Meine Güte, wenn der Mann damit wirklich gegen die Homoehe hätte protestieren wollen, dann hätte er es ja wohl bekannt gegeben oder einen Abschiedsbrief hinterlassen, der seine Tat relativiert. Davon steht da aber nichts.

    Und dann gibt man der Le Pen auch noch eine Plattform damit sie diese krude These auch noch verbreiten kann. Hallo, wie unnötig muss es denn noch werden?

    Im übrigen, es gibt kein Argument ohne Beweis, das was sie meinen sind Behauptungen und die haben wir in der Medienlandschaft schon viel zu oft. Der Leser verdient Artikel mit Substanz und Hintergründe. Das hier ist ja noch nicht einmal Bildzeitungsniveau.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, ff
  • Schlagworte Frankreich | Front National | Ehe | Notre Dame | Kirche | Verlust
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