Die Wortführerin der französischen Bewegung gegen die Homo-Ehe distanzierte sich sofort. Als eine "gewaltsame und schlimme Geste eines Gestörten" bezeichnete Frigide Barjot den öffentlichen Selbstmord des rechtsnationalen Publizisten Dominique Venner in der Pariser Kathedrale von Notre-Dame. Die Komikerin, die mit bürgerlichem Namen Virginie Tellenne heißt und in den vergangenen Monaten mit ihrem Protest internationale Berühmtheit erlangte, wollte sofort raus aus der Ecke der Rechtsextremen, zu der Venner mit seiner Tat eine direkte Linie gezogen hatte. Seinen Suizid wollte er nämlich unter anderem als Aktion gegen die in Frankreich legalisierte Ehe unter Gleichgeschlechtlichen verstanden wissen.

Für die Gegner der Homo-Ehe könnte eine Nähe zur Rechtsextremen gefährlich werden. Am Sonntag werden bei einer Kundgebung in Paris wieder einige Zehntausend streng konservative Menschen auf die Straße gehen, die ihren Widerstand gegen die Gleichstellung auch als Verbundenheit zur katholischen Kirche manifestieren wollen. Eine geistige Verbundenheit mit einem rechtsnationalen Autor, dessen Suizid der französische Front National (FN) auch noch würdigt, könnte den Kreis der Unterstützer stark einengen.

Zudem standen die Proteste gegen die Homo-Ehe in den vergangenen Wochen auch für eine allgemeine Unzufriedenheit mit dem ersten Amtsjahr von Präsident François Hollande. Auch auf diese Demonstranten, die mit der extremen Rechten im Zweifel nichts zu tun haben wollen, will Frigide Barjot am Sonntag nicht verzichten.

Venner hatte sich am Dienstag vor dem Altar der Kathedrale Notre-Dame eine Pistole in den Mund gesteckt und abgedrückt. Zum Zeitpunkt der Tat waren rund 1.500 Besucher in der Kirche.

 Le Pen distanziert sich doch

Der rechtsnationale Publizist habe "nicht verstanden, was in Frankreich gerade vor sich geht", sagte Berjot. Die Gewalt seiner Tat stehe im Gegensatz zu den Zielen ihrer Bewegung. Die sei absolut friedlich. Venner sei Teil einer "winzigen Minderheit", habe alles Mögliche in einen Topf geworfen und sei in einer "tödlichen Ideologie" gefangen gewesen.

Nach ihrer schnellen Unterstützung war auch Marine Le Pen um Distanzierung zu dem Suizid bemüht. Zehn Minuten, nachdem sie Venner bei Twitter ihren "Respekt" ausgedrückt und von einer "zutiefst politischen" Tat gesprochen hatte, schickte sie eilig eine zweite Botschaft hinterher: Selbstverständlich seien es Lebensmut und Hoffnung, die Frankreich wirtschaftlich und gesellschaftlich wieder erstarken lassen und retten würden, so die Vorsitzende des rechtsextremen Front National und Tochter des Parteigründers Jean-Marie Le Pen.

Dass Marine Le Pen aktuell in Umfragen sehr gut abschneidet und sogar in eine Stichwahl käme, würde heute ein neuer Präsident gewählt, liegt nämlich vor allem am neuen Kurs seit ihrem Amtsantritt im Januar 2011. Anstatt die berüchtigten antisemitischen Ausbrüche ihres Vaters zu wiederholen, setzt sich die Rechtsanwältin für eine Öffnung des FN hin zu einer rechtspopulistischen Partei ein, die auch für die Mitte der Gesellschaft attraktiv ist.