IntegrationspolitikMuslimvertreter rücken von Islamkonferenz ab

Mehrere muslimische Verbände kritisieren die Entwicklung der Islamkonferenz unter Innenminister Friedrich. Es stehe zu sehr das Thema Sicherheit im Vordergrund.

Kurz vor der Islamkonferenz von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) rücken mehrere große muslimische Verbände von dem Treffen ab. "Die Islamkonferenz ist in diesem Rahmen ungeeignet", sagte Erol Pürlü, der Dialogbeauftragte des Verbandes Islamischer Kulturzentren (VIKZ), der Süddeutschen Zeitung. Der Verband vertritt nach eigenen Angaben bundesweit etwa 300 Moscheegemeinden.

Pürlü sagte, sein Verband werde an der Islamkonferenz am Dienstag in Berlin zwar teilnehmen, erwarte von dem Treffen jedoch wenig. Ähnlich kritisch äußerte sich Kenan Kolat, der Vorsitzende der weltlich orientierten Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD). "In dieser Form hat es keinen Sinn mehr", sagte Kolat.

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Die Muslimvertreter kritisieren vor allem, dass Friedrich das Thema Sicherheit in den Vordergrund gerückt habe und dass sein Ministerium die Tagesordnung vorgibt. Die Religionsverbände stören sich zudem daran, dass auch islamkritische Persönlichkeiten eingeladen sind. "Die Konferenz ist nur sinnvoll als Dialog mit islamischen Religionsgemeinschaften – und nur mit diesen", sagte Pürlü.

Die Islamkonferenz wird nun durch die Äußerungen weiter infrage gestellt. Der damalige Innenminister Wolfgang Schäuble hatte die Konferenz 2006 ins Leben gerufen, um die Zusammenarbeit zwischen Religionsverbänden und Staat zu verbessern. Bei den folgenden Treffen wurden mögliche Wege zu einer Gleichstellung mit den Kirchen ebenso erörtert wie islamischer Religionsunterricht an Schulen oder Empfehlungen für den Bau von Moscheen. Auch die Gefahr durch Islamisten behandelte Schäuble.

Seine Nachfolger Thomas de Maizière und Friedrich setzten noch mehr auf Sicherheitsthemen. Vor zwei Jahren waren bereits zwei große Moscheeverbände aus der Konferenz ausgeschieden: Der Zentralrat der Muslime trat aus, weil er Fortschritte bei der Anerkennung als Religionsgemeinschaft vermisste, der Islamrat wurde ausgeschlossen, weil gegen dessen Mitgliedsverband Milli Görüș ermittelt wurde.

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Leserkommentare
  1. "Die Religionsverbände stören sich zudem daran, dass auch islamkritische Persönlichkeiten eingeladen sind. "Die Konferenz ist nur sinnvoll als Dialog mit islamischen Religionsgemeinschaften – und nur mit diesen", sagte Pürlü."

    "der Zentralrat der Muslime trat aus, weil er Fortschritte bei der Anerkennung als Religionsgemeinschaft vermisste, der Islamrat wurde ausgeschlossen, weil gegen dessen Mitgliedsverband Milli Görüs ermittelt wurde."

    ... ernst zu nehmen!

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    Glauben Sie etwa dass die Vertreter der katholischen Kirche die Zeugen Jehovas oder die Mormonen mit am Verhandlungstisch sitzen haben wollen, wenn es um einen Staatsvertrag geht? Ebenso lehnt der Zentralrat der Juden die liberalen Judenverbände ab, diese bekommen auch keine staatlichen Zuschüsse.

    sie das die Zeugen Jehovas keine kirche sind daher hinkt der vergleich ausserdem ist die aussage von herrn Pürlü kontra produktive

    den wenn man seinen forderungen folgeleistet kann man sich das ganze auch sparen den ein gemeinsamer dialog kann nur gemeinsam stattfinden

    ausserdem sollte die thematik sicherheit im interesse aller sein
    den darüber und wieviel sicherheit gewärleistet werden muss

    sollte auch teil des dialogs sein

  2. Wenn der Innenminister schon sagt, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört (paradoxerweise aber die Muslime), dann sehe ich darin schon, dass kein ernsthafter Dialog (schongarnicht auf Augenhöhe) beabsichtigt ist.

    In dieser Konferenz geht es nicht darum, ob der Islam richtig ist oder nicht, sondern um die Tatsache, dass in Deutschland ca. 2-3 Mio. Muslime beheimatet sind und daher ein Staatsdialog nicht falsch wäre.

    Wenn kein Dialog gefördert wird, sehe ich die Gefahr, dass extreme (nicht gewaltätige!) Strömungen an Zulauf gewinnen.

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    Friedrich will die Teilnehmer der Islamkonferenz zu Spitzeln des Staates umdrehen.
    Das Problem dabei ist allerdings das man in der Regel Leute anwirbt die selbst schon in der radikalen Szene sind um von dort Informationen zu beschaffen.

    Man unterstellt also den Teilnehmern indirekt sie befänden sich in einem dubiosen Umfeld, im Dunste des Islamismus und Friedrich glaubt wahrscheinlich das jeder einen kennt der einen Anschlag plant.

    Auf solch einem Niveau kann das Ganze nicht laufen. Wahrscheinlich rührt das bei Friedrich daher, dass es in seiner CSU nicht unüblich ist seine Nächsten mit Staatsgeld zu versorgen und für nicht erbrachte Arbeit Geld an seine Verwandten zu überweisen.

    So glaubt Friedrich wohl, dass alle Muslime eine Art CSU sind in der jeder mit jedem kann, in der man sich gegenseitig alles sagt und Geld/Infos zusteckt.

  3. Dass den Verbänden mit dem Thema der Sicherheit direkt vorgeworfen wird, wieder extreme Gruppierungen zu sein und dabei auch ihre guten Arbeiten vergisst, bringt in der Zusammenarbeit von diesen zwei Welten nichts. Völlig verständlich, dass sich viele Verbände zurückziehen.

    6 Leserempfehlungen
  4. "Bei den folgenden Treffen wurden mögliche Wege zu einer Gleichstellung mit den Kirchen ebenso erörtert wie islamischer Religionsunterricht an Schulen oder Empfehlungen für den Bau von Moscheen."

    Darüber diskutieren die Islamverbände gerne - aber Kritiker und heikle Themen sind nicht erwünscht und nicht sinnvoll?

    42 Leserempfehlungen
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    Islamkritische (Ex-)Muslime stören das Islambild, welches die großen (Pseudo-)Vertreterverbände der Muslime haben.
    Nun ja, laut wiki ist es das Ziel der DIK bzw. von Schäuble, dass Muslime verstünden, dass sie hier willkommen sind und sie integriert werden. Problematisch ist, wie eben schon angedeutet, dass viele Verbände sich anmaßen, alle Muslime zu vertreten. Da wird es schon heikel, wenn Islamkritiker wie Hamed Abdel-Samad eingeladen werden.
    Das Problem der DIK ist meines Erachtens, dass der Islam als eine unproblematische Religion angesehen wird. Es soll auf dieser Konferenz nicht über den Islam als solches diskutiert werden, sondern über die Integration dieser Religion in Deutschland.
    Es ist konsistent, dass manche muslimische Verbände ihre weitere Teilnahme verweigern, aber es offenbart, dass der Islam als unproblematisch angesehen wird von den Verbänden und Kritik unerwünscht ist. In meinen Augen zeugt diese Kritikresistenz von einem eklatanten Mangel an Demokratieverständnis.

    "...Darüber diskutieren die Islamverbände gerne - aber Kritiker und heikle Themen sind nicht erwünscht und nicht sinnvoll?..."

    ... solche institutionalisierten Veranstaltungen machen (wenn überhaupt) einzig und allein im Kontext pragmatischer Fragestellungen Sinn: wie adaptiert man islamisches Leben strukturell, institutionell und rechtlich in der bundesrepublikanischen Lebenswirklichkeit? Quasiinquisitorische Schauveranstaltungen, die sich am "islamkritisch" beseelten Voyeurismus von Nichtmuslimen orientieren, haben da nix verloren. Und wenn die Bundesregierung in Form ihres Innenministers dies nicht einsehen will, kann sie gerne alleine weiter mit den Keleks und co. konferieren. Wir Muslime brauchen solche verkappten Prangerveranstaltungen nicht.

  5. "Die Religionsverbände stören sich zudem daran, dass auch islamkritische Persönlichkeiten eingeladen sind."
    Wozu dann diese Konferenz?

    43 Leserempfehlungen
  6. "Kamen in der ersten Kritischen Islamkonferenz 2008 vor allem religionsfreie Islamkritiker und Ex-Muslime zu Wort, sollen 2013 verstärkt auch liberale Muslime Gehör finden. Denn um die „offene Gesellschaft” gegen die doppelte Bedrohung von politischem Islam und chauvinistischer Fremdenfeindlichkeit zu schützen, bedarf es eines breiten Bündnisses säkularer und liberal-religiöser Kräfte."

    http://kritische-islamkonferenz.de/praambel/

    10 Leserempfehlungen
  7. Islamkritische (Ex-)Muslime stören das Islambild, welches die großen (Pseudo-)Vertreterverbände der Muslime haben.
    Nun ja, laut wiki ist es das Ziel der DIK bzw. von Schäuble, dass Muslime verstünden, dass sie hier willkommen sind und sie integriert werden. Problematisch ist, wie eben schon angedeutet, dass viele Verbände sich anmaßen, alle Muslime zu vertreten. Da wird es schon heikel, wenn Islamkritiker wie Hamed Abdel-Samad eingeladen werden.
    Das Problem der DIK ist meines Erachtens, dass der Islam als eine unproblematische Religion angesehen wird. Es soll auf dieser Konferenz nicht über den Islam als solches diskutiert werden, sondern über die Integration dieser Religion in Deutschland.
    Es ist konsistent, dass manche muslimische Verbände ihre weitere Teilnahme verweigern, aber es offenbart, dass der Islam als unproblematisch angesehen wird von den Verbänden und Kritik unerwünscht ist. In meinen Augen zeugt diese Kritikresistenz von einem eklatanten Mangel an Demokratieverständnis.

    26 Leserempfehlungen
  8. Glaubt man Professoren Islamwissenschaft
    so kann der Koran so zahlreich interpretiert
    werden wie es Muslime gibt. Allein das
    arabische Wort Dschihad kann vom Kampf
    gegen sich selbst bis zur tödlichen Gewalt
    gegen Andersdenkende interpretiert werden.
    Hier spielt natürlich das Wort Sicherheit
    und Menschenrechte für Deutschland
    eine wichtige Rolle.

    10 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Wolfgang Schäuble | CSU | Kenan Kolat | Gleichstellung | Innenminister | Ministerium
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