Die Kritiker der Islamkonferenz erhalten Rückhalt aus der SPD: Der nordrhein-westfälische Innenminister Guntram Schneider (SPD) schloss sich der Kritik der Verbände an, die die Ausrichtung der Konferenz bemängelt hatten. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) habe den Schwerpunkt auf die Extremismus-Bekämpfung gelegt, sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger. "Aber bei allem Respekt: Die Deutsche Islamkonferenz ist keine Konferenz zu Fragen der Inneren Sicherheit."

Zwei Tage vor Beginn der Konferenz hatten mehrere muslimische Verbände deren Entwicklung unter Friedrich aus diesem Grund kritisiert.

Die Religionsverbände stören sich zudem daran, dass auch islamkritische Persönlichkeiten eingeladen sind. "Die Konferenz ist nur sinnvoll als Dialog mit islamischen Religionsgemeinschaften – und nur mit diesen", sagte Erol Pürlü, der Dialogbeauftragte des Verbandes Islamischer Kulturzentren.

Der Innenminister weist diese Kritik von sich. "Das Thema Sicherheit und Terrorismus hat die Deutsche Islam Konferenz in den vergangenen drei Jahren nicht dominiert", sagte sein Sprecher. Alle wichtigen Themen würden gleichberechtigt verhandelt und seien inzwischen "nahezu vollständig abgearbeitet".

Die Deutsche Islam Konferenz tagt letztmals vor der Bundestagswahl. Im Mittelpunkt des Plenums steht die Arbeit mit Jugendlichen: Mit einer Initiative gegen gesellschaftliche Polarisierung will die Konferenz nach Angaben von Teilnehmern insbesondere Muslimfeindlichkeit, Antisemitismus und Islamismus vorbeugen. Dazu ist geplant, ein Eckpunktepapier zur Förderung von Jugendprojekten vorzulegen. 

Weitere Schwerpunkte sind erneut die Einführung islamischen Religionsunterrichts, die Ausbildung von Imamen und die Geschlechtergerechtigkeit. 

Ausschluss des Islamrats

Die Islamkonferenz rief 2006 der damalige Innenminister Wolfgang Schäuble als Dialogforum zwischen Staat und Muslimen ins Leben. Bei den folgenden Treffen wurden mögliche Wege zu einer Gleichstellung mit den Kirchen ebenso erörtert wie islamischer Religionsunterricht an Schulen oder Empfehlungen für den Bau von Moscheen. Auch die Gefahr durch Islamisten behandelte Schäuble.

Seine Nachfolger Thomas de Maizière und Friedrich rückten die Sicherheit stärker in den Vordergrund. Vor zwei Jahren waren bereits zwei Verbände aus der Konferenz ausgeschieden: Der Zentralrat der Muslime trat aus, weil er Fortschritte bei der Anerkennung als Religionsgemeinschaft vermisste, der Islamrat wurde ausgeschlossen, weil gegen dessen Mitgliedsverband Milli Görüș ermittelt wurde.