Boston-Anschlag : US-Behörden beobachten 875.000 Terror-Verdächtige

Die Terrorliste der USA wird länger und unüberschaubar. Dass die Ermittler überfordert sind, belegt das Beispiel des Boston-Attentäters, der auch auf der Liste stand.

Tamerlan Zarnajew stand auf der Terrorliste der US-Sicherheitsbehörden. Im Herbst 2011 hatte das CIA einen Hinweis vom russischen Geheimdienst erhalten. Auch Zarnajews Mutter Zubeidat wurde auf die Liste gesetzt. Gebracht hat das alles nichts. Tamerlan blieb unerkannt und konnte gemeinsam mit seinem Bruder Dschochar die Bomben beim Boston-Marathon zünden.  

Das liegt unter anderem daran, dass die Liste der Terrorverdächtigen in den USA immer länger wird. In den vergangenen fünf Jahren ist sie von 540.000 auf rund 875.000 Verdächtige angewachsen, berichtet die Huffington Post. Dieser Anstieg hängt damit zusammen, dass die Sicherheitsbehörden das System stärker nutzen, nachdem im Jahr 2009 ein Anschlag in Detroit vereitelt worden war

Experten befürchten aber, dass die Datenbank Terrorist Identities Datamart Environment (Tide) die Ermittler überfordert. Die Sicherheitsexpertin Karen Greenberg sagte: "Wir brauchen mehr Fokussierung und nicht weniger. Es darf nicht nur um die Quantität gehen. Es muss um genaue Informationen gehen."      

Selbst Kinder stehen auf der Liste

Auch Kinder würden in der Liste geführt, berichtet die Los Angeles Times. Ebenso aufgeführt sind Personen, die längst freigesprochen sind von dem Verdacht, Kontakt zu einer Terrorgruppe zu haben. Ein einzelner Hinweis, der einen "begründeten Verdacht" erhebt, reiche aus, um eine Person in die Liste aufzunehmen.

Die Tide wird vom Nationalen Anti-Terror-Zentrum geführt und sammelt Informationen zu Menschen in der ganzen Welt, die von amerikanischen Behörden als bekannte, verdächtige oder potenzielle Terroristen eingestuft werden. Die einzelnen Behörden, wie das FBI oder die CIA, bedienen sich dieser Informationen, um zusätzliche Listen wie die "no-fly"-Liste zu erstellen, die Verdächtige für den Flugverkehr in den USA sperrt.    

Nach den Anschlägen hatten bereits mehrere republikanische Abgeordnete und Senatoren das FBI, den Inlandsgeheimdienst und sein mangelndes Sicherheitskonzept kritisiert.


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