Die britische Polizei hat einen weiteren möglichen Verdächtigen im Fall des im Londoner Stadtteil Woolwich ermordeten Soldaten festgenommen. Dies meldet der TV-Sender BBC. Auf dem Gelände des Senders sei ein angeblicher Freund des mutmaßlichen Mörders Michael Abedelado kurz nach einem Interview verhaftet worden. Der festgenommene Abu Nusaybah hatte der BBC gesagt, der britische Geheimdienst MI5 habe intensiv versucht, Abedelado anzuwerben. Dieser habe jedoch abgelehnt.

Ein Vertreter von Scotland Yard bestätigte lediglich, dass die Polizei einen 31-jährigen Mann festgenommen habe. Er werde verdächtigt, terroristische Taten in Auftrag gegeben oder vorbereitet zu haben.

Der 28-jährige Abedelado und sein 22 Jahre alter mutmaßlicher Komplize befinden sich im Krankenhaus. Die mutmaßlichen Islamisten waren nach dem tödlichen Angriff auf den Soldaten Lee Rigby im Südosten Londons von Polizisten angeschossen worden. Bereits kurz nach dem Mord hatte die BBC berichtet, dass der MI5 die Londoner Tatverdächtigen gekannt haben soll.

Ein Untersuchungsausschuss des britischen Unterhauses soll nun den genauen Tathergang rekonstruieren. Der frühere Chef des Inlandsgeheimdienstes MI5, Richard Barrett, sagte, es sei schwer vorherzusagen, wann genau lange Zeit eher harmlos wirkende Radikale plötzlich gewalttätig werden könnten.

Zwei Verdächtige wieder frei

Neben den beiden Hauptverdächtigen hatte die Polizei drei weitere Verdächtige in Haft genommen. Eine 29 und eine 31 Jahre alte Frau wurden bereits wieder freigelassen. Gegen sie werde es keine Anklage geben, hieß es von der Polizei. Ein 29-Jähriger bleibt wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord in Gewahrsam.

Im Heimatort des Soldaten in Middleton bei Manchester fand ein Gedenkgottesdienst statt. Auch britische Muslim-Organisationen kündigten Gebete für den getöteten Soldaten an.

Angst vor Nachahmungstätern

Die britischen Behörden erhöhten zudem die Sicherheitsvorkehrungen in der britischen Hauptstadt. Angesichts geplanter Demonstrationen rechtsextremer Gruppen würden mehr als 1.000 Beamte in Gebiete entsandt, in denen es zu Problemen kommen könnte, teilte die Londoner Polizei mit.

Der Mord an Lee Rigby war von Passanten gefilmt worden. Nach Angaben von Analysten wollten die Angreifer mit ihrer Tat öffentliche Aufmerksamkeit erwecken. In den zwei Tagen nach dem Anschlag sei eine erhöhte Aktivität auf extremistischen Webseiten festgestellt worden, auf denen zu ähnlichen Taten aufgerufen werde.