Der britische Panikforscher Keith Still erhebt in einem Gutachten zur Loveparade 2010 in Duisburg schwerwiegende Vorwürfe gegen die Ausrichter des Events. Nach dem von der Stadt genehmigten Konzept sei es nicht einmal theoretisch möglich gewesen, den Umzug gefahrlos durchzuführen, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Der Raumbedarf sei völlig falsch berechnet worden: Noch am Tag der Loveparade habe der Veranstalter Lopavent die zulässige Zahl der Personen pro Quadratmeter erhöht. 

Still, Professor für Massendynamik und Massenmanagement an der Buckinghamshire New University, ist von der Staatsanwaltschaft mit der Untersuchung der Katastrophe beauftragt. In seinem fast 90-seitigen Gutachten kritisiert er, dass die Verantwortlichen im Vorfeld nicht einmal die erwarteten Besucherströme addiert hätten. Mit einfachen Berechnungen hätte man feststellen können, dass die Rampe auf dem Veranstaltungsgelände für die erwartete Besucherzahl viel zu klein gewesen sei.

Jürgen Hagemann, Vorstandsmitglied des Vereins Loveparade-Selbsthilfe, sagte, das Gutachten zeige, dass sowohl der Veranstalter als auch die Stadt Duisburg für die Katastrophe mitverantwortlich seien: "Natürlich bin ich auch der Meinung, dass es zur Anklageerhebung kommen muss. Es ist inzwischen absolut unstrittig, dass von Seiten der Hauptbeschuldigten eklatante Fehler gemacht worden sind."

Als Beispiel nannte Hagemann das Fehlen einer Lautsprecheranlage. Eine solche Anlage hätte mit Sicherheit Leben gerettet, da man darüber Hinweise und Anweisungen hätte geben können. Offenbar um Kosten zu sparen, habe der Veranstalter sie aber nicht aufgebaut – und die Stadt habe das abgenommen.  

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen städtische Mitarbeiter

Am 24. Juli 2010 waren bei der Loveparade in Duisburg 21 Menschen gestorben, mehr als 500 wurden verletzt. Der damalige Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) wurde auf Betreiben einer Bürgerinitative im Februar 2012 von einer großen Mehrheit der Duisburger abgewählt.   

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 15 Beschuldigte, darunter Mitarbeiter der Stadt Duisburg. Anklage hat die Behörde bisher nicht erhoben. Sie machte bislang keine Angaben dazu, wann mit einem Ergebnis der Ermittlungen zu rechnen ist.