Beate Zschäpe im Saal des Münchner Oberlandesgerichts ©Joerg Koch/Getty Images

Der türkische Kollege hat sein Hemd aufgeknöpft. "Da renovieren die für mehr als eine Million den Saal", stöhnt er, "und nicht mal eine Klimaanlage gibt es!"

14 Uhr am ersten Tag des NSU-Prozesses. Die Luft wabert und ist stickig. Wer morgens mit Jackett auf die Tribüne für Journalisten und Zuschauer gekommen ist, sitzt jetzt im Hemd da. Meist mit dunklen Schweißflecken unter den Achseln. Die ersten Prozessbeobachter haben ihre Plätze längst wieder geräumt, andere sind von draußen nachgerückt.

Raum Nummer A101 im Oberlandesgericht ist der größte Gerichtssaal, den die Münchner Justiz zu bieten hat. Er ist geschichtsträchtig: Verhandelt wurde hier gegen den KZ-Aufseher John Demjanjuk, gegen die Jugendlichen, die den Manager Dominik Brunner an einem S-Bahnhof zu Tode getreten hatten, gegen den FC-Bayern-Spieler Breno, der seine Münchner Villa angezündet hatte. Für den gigantischen Terrorprozess ist er allerdings beinahe zu klein: fünf Angeklagte, 50 Nebenkläger, mehr als 60 Anwälte, dazu Richter, Staatsanwälte, Justizbeamte und so weiter und so weiter. Insgesamt bevölkern um die 300 Menschen den Saal und strahlen ihre Körperwärme ab.

1,25 Millionen Euro kostete der Umbau

Vergrößern ließ sich der Raum nicht. Aber renovieren: 1,25 Millionen Euro hat das Land in den Umbau gesteckt, obwohl in sechs Jahren ein neues Justizzentrum in München stehen soll. So lange konnte aber die aktuelle Verhandlung natürlich nicht warten. Genügen muss der Betonbau von 1974 am Stiglmaierplatz, ein kurzes Stück nördlich vom Hauptbahnhof gelegen.

Der Saal ist gekennzeichnet durch die eckigen Betonfragmente an der Decke, die orangebraunen Sitzbezüge, kurz: durch den Geist der siebziger Jahre. Durch die Renovierung ist er moderner und sicherer geworden. Durchgesessene Stühle hat das Gericht ausgetauscht, Steckdosen für die Laptops der Anwälte eingebaut, Tische mit Mikrofonen hineingebracht. Zudem hat der Saal einen neuen Anstrich erhalten, wofür kurzzeitig das Kruzifix an der Wand abgehängt wurde – dass es nun wieder an seinem Platz hängt, hat ebenfalls bereits Kritik hervorgerufen.

Die größte Überraschung: Im Zuge der Renovierung sei auch die Klimaanlage erneuert worden, sagt eine Sprecherin.

Wirklich? Auf der Tribüne ist von deren Existenz nichts zu spüren. Das gelbe Namensschild, das Inhaber eines reservierten Presseplatzes bekommen, scheint gleichzeitig ein Ticket für einen bekleideten Saunagang zu sein. Wie muss das erst für die sein, die noch eine Robe über ihrer Kleidung tragen?