Wir leben in einer Zeit des politischen Infantilismus. Unsere politischen Führer beurteilen und kritisieren wir beinahe so, als würden Teenager mit ihren Eltern sprechen. Einerseits verachten wir sie, weil sie gesellschaftlich angepasste Spießer sind, die für kapitalistische Großkonzerne arbeiten, die überall auf dem Planeten Menschen ausbeuten und die Umwelt verpesten. Andererseits sollen sie uns weiterhin versorgen, ein offenes Ohr für unsere pubertären Sorgen haben und uns vor der großen weiten Welt da draußen beschützen.

Dieser politische Infantilismus ist eine Plage, die heute die gesamte westliche Welt heimsucht. Wir akzeptieren sie mit einem Schulterzucken, denken uns nicht mehr dabei als bei Sprüchen wie "Nein wirklich, ich lüge nicht, das ist meine echte Haarfarbe".

Beobachten kann man das in diesen Tagen wieder besonders gut. Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung hat die deutsche Rüstungsindustrie 2012 doppelt so viele Kleinwaffen und Waffenteile (einschließlich halbautomatischer Sturmgewehre) exportiert wie im Jahr zuvor – im Wert von 76 Millionen Euro. Mancher nennt das eine schockierende Nachricht, auch wenn gleichzeitig niemand überrascht sein sollte.

Krieg made in Germany

Seit 1968 haben die Deutschen den Spruch "Nie wieder Krieg" zum Nationalmotto und den Besuch von Friedensdemos sowie politische Diskussionen über das unfassbare Leid durch Kriege zu ihren beliebtesten Freizeitaktivitäten erhoben. Und es stimmt schon: Deutschland ist keine Krieg führende Nation mehr, zumindest nicht in nennenswertem Ausmaß (ich bin Amerikaner – ich weiß, was eine Krieg führende Nation ist). Ein Kriegsprofiteur ist Deutschland aber dafür umso mehr. Denn dieses Land ist immerhin nach Amerika und Russland der drittgrößte Rüstungsexporteur der Welt.

Dass solche Nachrichten dennoch immer wieder irritieren, ist umso erstaunlicher, weil die deutsche Erfolgsgeschichte von Anfang an mit dem Waffenhandwerk zusammenhängt. Schon im Mittelalter war es kaum möglich, ohne anständige Schwerter und Harnische made in Germany Krieg zu führen – was die Europäer wirklich gern taten. Im Dreißigjährigen Krieg lieferten die Waffenschmiede von Nürnberg an sämtliche Kriegsparteien, selbst an die eigenen Feinde, aber immerhin mit Profit.

Heute ist Deutschland ebenso wenig wählerisch im Rüstungsgeschäft. Die Waffen gehen in Länder, mit denen man besser mal ein ernstes Wort über Menschenrechte reden sollte, statt über solche Deals den Mantel des Schweigens zu decken. Und selbst einem nackten Mann kann man offenbar noch in die Tasche greifen: Während im Rest Europas die Arbeitslosigkeit zum Problem wird, verkauft Deutschland mitten in der Euro-Krise selbst Griechenland Leopard-Panzer für 1,5 Milliarden Euro – schon fließt ein Teil der Hilfen wieder zurück in die eigene Tasche. Es ist am Ende nicht eine glorreiche Armee, die das friedliche Leben der Deutschen im Luxus sichert, sondern ihre glorreiche Ingenieursleistung an den Fronten dieser Welt.

Das wissen die Politiker auch. Während die Bürger immer wieder schockiert sind, dass überhaupt ein Waffengeschäft existiert, lassen die pragmatischen Politiker um Gottes Willen ihre Finger von der Wirtschaft. Tatsächlich etwas gegen die Rüstungsindustrie unternehmen – das würde erst mal ein wirtschaftliches Opfer bedeuten, und da hört der Spaß auf. Also lassen wir es lieber bei gutmenschelnden Sprüchen und scheinheiliger Aufregung.