Krawalle in Stockholm : Staatsanwalt ermittelt gegen schwedischen Polizisten wegen Totschlags

Die Krawalle in Stockholm ebben langsam ab, nun untersucht die Staatsanwaltschaft den Auslöser. Anwohner beschuldigen einen Polizisten – gegen ihn wird jetzt ermittelt.
Ein Feuerwehrmann löscht einen Autobrand im Stockholmer Vorort Tensta. © Jonathan Nackstrand/AFP/GettyImages

Die Staatsanwaltschaft in Schweden ermittelt gegen einen Polizisten wegen versuchten Totschlags. Der Polizist hatte am 13. Mai im Stockholmer Vorort Husby einen 69-jährigen Mann erschossen – nach eigenen Angaben aus Notwehr. Anwohner hingegen vermuten einen rassistischen Hintergrund hinter dem Tod des Immigranten aus Portugal

Die Tat gilt als Auslöser für die nächtlichen Krawalle, die sich in der vergangenen Woche von den Vororten der Hauptstadt auch auf andere Städte Schweden ausgeweitet haben.

Der Polizist bestreitet nach Angaben seines Anwalts die Anschuldigung. Er soll Ende der Woche vernommen werden.

Die Unruhen hatten am 20. Mai begonnen und sich von den Stockholmer Vorstädten bis ins südschwedische Malmö ausgeweitet. In sozial schwachen Gegenden mit hohem Migrantenanteil hatten Randalierer Autos und auch Schulen in Brand gesetzt, Feuerwehrleute und Polizisten wurden attackiert. Örtliche Aktivisten warfen der Polizei übertriebene Gewaltanwendung vor und gaben an, von den Beamten als "Herumtreiber" und "Affen" beschimpft worden zu sein.

Die Gewalt führte zu einer landesweiten Debatte über die Integration von Immigranten, die rund 15 Prozent der schwedischen Bevölkerung ausmachen und überdurchschnittlich stark von Arbeitslosigkeit betroffen sind.

Inzwischen hat sich die Lage etwas beruhigt. In Stockholm seien "nur noch einige Autos angezündet worden, weniger als zehn", sagte Polizeisprecher Kjell Lindgren. Aus anderen schwedischen Städten lagen keine Angaben zu Krawallen vor. "Nun sind wir wieder im Normalzustand", sagte Lindgren.

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Kommentare

20 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

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"während gegen die Randalierer die Staatsgewalt passiv bleibt, werden Bürgerwehren, die sich aus dem Machtvacuum entwickelt haben, mit Strafen überzogen. Verkehrte Welt. "

Das ist jetzt nicht verwunderlich. Der Staat verfolgte die Strategie der Deeskalation. Die hat ja auch funktioniert, die Proteste sind vorbei. Wenn wir uns an Frankreich erinnern hat es da sehr viel länger gedauert.
Bürgerwehren hingegen verstoßen nicht nur gegen Gesetze und die Verfassung, sonder führen auch zu weiterer Eskalation. Klar das man das nicht zulassen konnte.

Wo verstößt eine Bürgerwehr gegen Gesetze

oder die Verfassung?
Eine Bürgerwehr verteidigt sich nur (-wehr) und beschützt das eigene Leben und den eigenen Besitz. In Deutschland ist das soweit ich weiß legal solange man Verhältnismäßig handelt.
Und zur Deeskalation: Diese Taktik ist für einen Rechtsstaat erbärmlich wenn er seine eigenen Bürger nicht mehr vor den selbst eingelassenen Migranten schützen kann und dann auch noch Brandstiftungen, Körperverletzungen, Bedrohungen, Sachbeschädigungen und unzählige andere Verbrechen unverfolgt lässt. Die Opfer davon bleiben auf ihrem Schaden sitzen.
Und wenn der Staat seine eigenen Regeln nicht mehr durchsetzen kann, dann müssen die Menschen anfangen sich zu wehren und dazu gehören auch Bürgerwehren, da man schlecht jeweils 4 Jahre warten kann bis man wieder wählen darf....

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"Denn de facto duldet der Staat den Rechtsbruch bei den Randalierern."

Das war die Strategie. Etwas Gewalt zulassen um größere Gewalt zu vermeiden.

"Werden die Geschädigten aber selbst aktiv, schlägt der Staat zu."
Natürlich, da diese die Gewalt weiter angeheizt hätten, was ja gerade vermieden werden sollte.

"Auf allen Seiten - denn wie soll ein Randalierer eine Staatsmacht respektieren, die vor ihm kuscht?"
Er wird auch vor einer Staatsmacht nicht kuschen die ihn niederknüppelt. Da kommt dann im Gegenteil noch Rache hinzu.

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" In Deutschland ist das soweit ich weiß legal solange man Verhältnismäßig handelt."

Notwehr ist legal und das in sehr engen Grenzen. Das schließt die Bildung von Bürgerwehren explizit nicht mit ein, da das Gewaltmonopol beim Staat liegt.

"Und zur Deeskalation: Diese Taktik ist für einen Rechtsstaat erbärmlich"
Und was würden sie empfehlen? Niederknüppeln wie in Frankreich? Die Ergebnisse waren keineswegs besser als in Schweden und die meisten Straftaten blieben ebenso folgenlos.

"Und wenn der Staat seine eigenen Regeln nicht mehr durchsetzen kann"
In Schweden ist es wieder ruhig. Die Strategie scheint also funktioneirt zu haben.
Oder niederschießen wie in Syrien?

Widerlich

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Es ist ein Mensch ermordet worden. Natürlich wird da ermittelt => siehe Kommentar #4. Es sollte zumindest ermittelt werden. In D werden solche Ermittlungen ja leider viel zu oft eingestellt, wenn Polizisten involviert sind.
Von erwachsenen und sozialfähigen Individuen erwarte ich doch den Wunsch nach Klärung der Sachlage und Empathie für die Angehörigen des Toten.
Hier sehe ich nur Häme und gehässige Selbstbeweihräucherung.

Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls