Oberlandesgericht MünchenAngeklagter bestreitet Kenntnis von NSU-Terrortaten

Im NSU-Prozess hat der Angeklagte Holger G. zugegeben, den mutmaßlichen Terroristen im Untergrund geholfen zu haben. Von ihren Straftaten will er nichts gewusst haben.

Der Angeklagte Holger G. im Münchener Gerichtssaal

Der Angeklagte Holger G. im Münchener Gerichtssaal  |  © Michael Dalder/Reuters

Der Angeklagte Holger G. hat im NSU-Prozess gestanden, das rechtsextreme Trio im Untergrund unter anderem mit Ausweisen unterstützt zu haben. Er habe aber nichts von deren terroristischen Taten geahnt, sagte G. vor dem Oberlandesgericht München. Als erster Angeklagter in dem NSU-Komplex entschuldigte sich G. für seine Taten. "Dass ich dies getan habe, tut mir fürchterlich Leid. Ich möchte mich dafür entschuldigen", sagte er.

Der wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung angeklagte G. gilt als wichtiger Zeuge, weil er mit den drei mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe im Untergrund Kontakt gehalten haben soll.

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G. ist der zweite der fünf Angeklagten, der in dem Verfahren um die zehn Morde, zwei Bombenanschläge und fünfzehn Raubüberfälle, die dem NSU zugeschrieben werden, aussagte. Er wandte sich auch direkt an die Angehörigen der Mordopfer: "Zuerst möchte ich den Angehörigen der Opfer mein Mitgefühl zum Ausdruck bringen."

Treffen von privater Natur

G. sagte, er sei bereit, für seinen Teil die Verantwortung zu übernehmen. Allerdings sei sein Tatbeitrag nicht derjenige, den ihm die Bundesanwaltschaft vorwerfe. Er habe nur gewusst, dass Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe im Untergrund leben. Ihre Taten habe er nicht erahnt und erahnen können.

Nach eigenen Angaben stieg G. im Jahr 2004 aus der rechten Szene aus. Bei den von ihm gestandenen regelmäßigen Treffen habe es sich vor allem um private Gespräche gehandelt. Nach der Aussage von G. vertagte das Oberlandesgericht den Prozess bis kommenden Dienstag – weil G. ankündigte, über die schriftliche Erklärung hinaus zunächst keine weiteren Fragen beantworten zu wollen. Kommende Woche soll voraussichtlich die Vernehmung des Angeklagten Carsten S. fortgesetzt werden.  

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Leserkommentare
    • p16
    • 06. Juni 2013 14:06 Uhr
    1. [...]

    Entfernt. Bitte kommentieren Sie den Inhalt des Artikels. Die Redaktion/mak

    Eine Leserempfehlung
  1. ...ist auch Resultat der medialen Ausschlachtung des Prozesses.

    Mein Vorschlag: sofort alle Prozessbeobachter bis auf einen dpa-ler raus!

    mit solidarischem Gruß,
    besorgter_mitbuerger

    Eine Leserempfehlung
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    Solidarisch mit wem?

  2. Solidarisch mit wem?

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Diese Aussage..."
  3. dass in München gerade die Nazis so richtig aufdrehen und selbst eine Anwältin bereits attackiert wurde?
    http://www.heise.de/tp/bl...

    Vielleicht kann sich ZEIT-online mal dahinterklemmen, damit auch eine breitere Öffentlichkeit darüber informiert wird, dass die Nazis immer noch da sind und aggressiv an unserer Gesellschaft sägen.

    Eine Leserempfehlung
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    richtig !
    Was ebenfalls bundesweit veröffentlicht werden sollte, ist die Aussage einer Zeugin vor dem Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags gestern, die schon 2005 die beiden Rechtsterroristen Mundlos und Böhnhardt auf Überwachungsvideos aus Köln wiedererkannte und aussagte, dass sie diese beiden am Tag der Ermordung des Imbisbudenbesitzers in Nürnberg gesehen habe.
    Die Polizei ist dem Hinweis , der mehrere Morde hätte verhindern können, nicht nachgegangen.

    http://www.sueddeutsche.d...

    Ich habe immer noch den Eindruck, dass von rechtsradikalen Straftaten in den Medien nicht genügend berichtet wird.
    Liebe Medienvertreter : totschweigen hilft nichts - das hat in der Vergangenheit schon nicht funktioniert

    • TDU
    • 06. Juni 2013 14:59 Uhr

    Seine Unkenntnis ist durchaus möglich. Wenn ich eine heimliche Mordserie durchführen würde, die ganz Deutschland nicht aufgeklärt bekommt, würde ich mein Tun bestimmt nicht einem solchen auch noch jungen Charakter anvertrauen. Es ist schwer, ich weiss, er ist Neonazi aber der Rechtstaat und die Freiheit zu Überlegungen gelten trotzdem.

    Wenn er hier recht einfach davon kommen würde, müsste sich die Staatsanwaltschaft fragen lassen, worauf sie ihre Beweise zur Anklage wegen Mittäterschaft stützt.

  4. richtig !
    Was ebenfalls bundesweit veröffentlicht werden sollte, ist die Aussage einer Zeugin vor dem Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags gestern, die schon 2005 die beiden Rechtsterroristen Mundlos und Böhnhardt auf Überwachungsvideos aus Köln wiedererkannte und aussagte, dass sie diese beiden am Tag der Ermordung des Imbisbudenbesitzers in Nürnberg gesehen habe.
    Die Polizei ist dem Hinweis , der mehrere Morde hätte verhindern können, nicht nachgegangen.

    http://www.sueddeutsche.d...

    Ich habe immer noch den Eindruck, dass von rechtsradikalen Straftaten in den Medien nicht genügend berichtet wird.
    Liebe Medienvertreter : totschweigen hilft nichts - das hat in der Vergangenheit schon nicht funktioniert

    Eine Leserempfehlung
    • TDU
    • 06. Juni 2013 16:09 Uhr

    Zit.: "Ich habe immer noch den Eindruck, dass von rechtsradikalen Straftaten in den Medien nicht genügend berichtet wird.
    Liebe Medienvertreter : totschweigen hilft nichts - das hat in der Vergangenheit schon nicht funktioniert"

    Nehmen sie zu "Störungsmelder und anderen noch alle Äusserungen, Verlautbarungen und Artikel über Deutschlands angeblich flächendeckende Ausländerfeindlichkeit wird hier vermutlich mehr drüber berichtet als irgendwo anders.

    Mir persönlich reicht es manchmal. Nicht weil mir diese Nazis egal wären. Aber wenn jeder nach Gusto behaupten darf, ich sei im Grunde auch Einer wenn ich was kritisiere, verweigere ich Soliadrität

    Homophobie, Ausländerfeindlichkeit, Islamophobie: Alles wird unterstellt sogar von ausländischen Präsidenten und Verbänden, wenn man was kritisiert. Es gibt viele die tun dann gerade etwas nicht, wenn das tun nur dazu dienen soll etwas zu beweisen.

    Die Schule und damit die Zeit der ständigen Beweisführung ist aber vorbei für Erwachsene. Und Erziehung religiöser oder staatlicher Art auch.

    2 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, mpi
  • Schlagworte Beate Zschäpe | Bundesanwaltschaft | Mord | NSU | Natur | Prozess
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