Noch einmal geht die Wirtin zum kaputten Klavier. In ihrem Café am "Unteren Sand", gleich neben dem Passauer Theater, hatte sie ihren Gästen immer wieder darauf vorgespielt. "Hauptsächlich Jazz", sagt die zierliche Frau mit blondem Haar. Doch seit der Flut, die den Laden fast bis zur Decke unter Wasser setzte, ist es damit vorbei. "Das Geschäft war mein Herz", sagt Claudia Reeber und gibt sich dennoch zuversichtlich: Sie will weitermachen, sobald wie möglich. Geblieben sind ihr leere, verdreckte Café-Räume – und die Erinnerung an viele helfende Hände. "Ohne die Unterstützung von Freunden, von Studenten, von allen, die hier angepackt haben, wäre ich völlig versunken."

So wie ihr geht es vielen Passauern. Überall in der Stadt, an Läden und Wohnhäusern in den Altstadtgassen wuseln die Menschen umher, mit Gummistiefeln an den Füßen, mit Eimern und Spaten in den Händen. Passau ist erneut im Ausnahmezustand. Nur diesmal geht es um Aufbruch, um den Neustart.

An einem Tag zählte die Stadt rund 1.700 Helfer, die aus nah und fern kamen, um den vom Hochwasser Betroffenen zu helfen. Junge und Alte schippen Schutt, Schlamm und Dreck weg, entsorgen zerstörten Hausrat oder holen noch brauchbare Habseligkeiten aus Kellergeschossen. Überall in Passau sah man solche Menschenketten.

Eine von ihnen ist Roswitha Hagenstein, 55 Jahre alt. Mit der Bahn ist sie aus Freyung im Bayerischen Wald gekommen und steht nun vor einem schmalen Wohnhaus in der Brunngasse 25. Keller und Erdgeschoss müssen hier ausgeräumt werden. "Das läuft wie am Schnürl", sagt sie, während sie Holzlatten weiterreicht auf dem Weg zum großen Müllcontainer. Wer hier wohnt, weiß sie gar nicht. "Man geht kurz auf der Straße herum und sieht sofort, wo Hilfe nötig ist."


Die professionellen Helfer vom Deutschen Roten Kreuz, von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) sind dankbar für die vielen hilfsbereiten Bürger. "Das ist toll, dass man gleich ein paar Leute holen kann, wenn ein Keller geräumt werden muss", sagt Feuerwehrmann Dieter Zimmermann aus Aschaffenburg. Seine Truppe pumpt vollgelaufene Keller leer, drei Tage bleiben die 180 Feuerwehrhelfer in Passau, sie übernachten in einer Schule.

An der Mündung von Donau und Inn stehen zwar noch einige Gassen unter Wasser, doch ansonsten haben die Passauer und ihre Helfer schon viel geschafft. Was auf den ersten Blick chaotisch aussieht, ist im Grunde bestens organisiert. Studenten und viele andere vernetzen sich über das Internet, fragen bei der Stadt an oder sind einfach gleich da. "Am Ende passt alles bestens zusammen", sagt der Passauer Student Florian Püschel, der bereits viele Stunden räumt und Schlamm schippt. Sein Studienkollege Martin Hennig meint: "Die Stimmung ist super, ich habe lange nicht so gut gegessen." Irgendwer bringt immer etwas die Gassen entlang. Unvergessen bleiben Püschel und Hennig die beiden Omas: "'Hochachtung', meinten die, 'wir werden uns nie mehr über Studenten beschweren.'"