Ein massives Polizeiaufgebot hat die Hauptkundgebung der kapitalismuskritischen Blockupy-Bewegung in Frankfurt am Main praktisch unterbunden. Kurz nach Beginn des Protestzugs am Mittag riegelten die Einsatzkräfte eine Gruppe von Demonstranten ab und kesselte sie ein. Sie hätten gegen Auflagen verstoßen und Beamte angegriffen, hieß es zur Begründung. Der Rest des Protestzuges blieb bis zum Abend dahinter stecken.

Die Teilnehmerangaben von Veranstaltern und Polizei widersprachen sich: Laut Blockupy wurden etwa 1.000 von mehr als 20.000 Demonstranten eingekesselt, laut Polizei 200 bis 400 von insgesamt 7.000 Teilnehmern.

Für die angespannte Situation machten sich beide Seiten gegenseitig verantwortlich. Die Polizei ging mit Pfefferspray und Schlagstöcken gegen Protestierer vor, die versuchten, den Kordon zu durchbrechen. Ein Polizist wurde durch einen Stich mit einem Schraubenzieher verletzt, der Täter wurde vorläufig festgenommen. Auch auf Seiten der Demonstranten gebe es Verletzte, vor allem mit Haut- und Augenreizungen durch Spray, sagte ein Polizeisprecher.

Die von der Polizei eingekesselten Demonstranten – darunter mehrere hundert Mitglieder des sogenannten Schwarzen Blocks – hatten sich vermummt, trugen Schilde mit sich und hatten Seile an den Rändern des Zugs gespannt, die ein Eindringen von Polizisten in die Gruppe erschwerten. Feuerwerkskörper und Farbbeutel flogen in Richtung der Einsatzkräfte, vereinzelt wurden Rauchbomben gezündet.

Die Eingekesselten erklärten sich schließlich nach eigenen Angaben bereit, von der Polizei beanstandete Gegenstände zurückzulassen. Die Polizeileitung habe jedoch auf Leibesvisitationen und Gepäckkontrollen bestanden, was die Demonstranten zurückwiesen. Gegen Abend führte die Polizei schließlich einen Demonstranten nach dem anderen aus dem Kessel ab und erteilte nach Feststellung der Identitäten Platzverweise. Auch hessische Linken-Abgeordnete ließen sich forttragen.

Die Linkspartei nannte die Einkesselung einen "gezielten und von langer Hand geplanten Angriff auf eine bis dahin friedliche Demonstration". Die Bundesvorsitzende Katja Kipping sagte: "Es liegt auf der Hand, dass die Gewalt in Frankfurt von der Polizei ausging."

Die Demonstration richtete sich vor allem gegen die EU-Krisenpolitik und die damit verbundenen Sparauflagen für die Euro-Krisenländer. Bereits am Freitag hatten mehrere Hundert Blockupy-Aktivisten in Frankfurt protestiert und versucht, die EZB zu blockieren. Für Sonntag wurde das Ende der Blockupy-Aktionstage erwartet.