Dschochar ZarnajewAnklage gegen mutmaßlichen Boston-Attentäter

Anklage in 30 Punkten, auf 17 davon steht die Todesstrafe oder lebenslang. Der US-Staatsanwalt hat den 19-jährigen mutmaßlichen Boston-Täter Dschochar Zarnajew angeklagt.

Das Bild des mutmaßlichen Boston-Attentäters Dschochar Zarnajew nahe des Tatorts in Boston.

Das Bild des mutmaßlichen Boston-Attentäters Dschochar Zarnajew nahe des Tatorts in Boston.  |  © Mario Tama/Getty Images

Gegen den mutmaßlichen Boston-Attentäter Dschochar Zarnajew ist Anklage erhoben worden. Dem 19-Jährigen werden vierfacher Mord und der Gebrauch einer Massenvernichtungswaffe vorgeworfen. Eine sogenannte Grand Jury aus Laienrichtern erhebe gegen Zarnajew schwere Vorwürfe in insgesamt 30 Anklagepunkten, teilte die Bundesstaatsanwaltschaft in der US-Ostküstenstadt mit. Allein auf 17 der Anklagepunkte stünden die Todesstrafe oder lebenslange Haft.

Zarnajew soll spätestens ab Februar dieses Jahres gemeinsam mit seinem 26-jährigen Bruder Tamerlan den Anschlag auf den Bostoner Marathon geplant haben. Am 15. April hätten die Brüder dann zwei Sprengsätze inmitten der jubelnden Menge bei dem Wettlauf gelegt und diese im Abstand von wenigen Sekunden gezündet. Die Bomben bauten die beiden den Angaben zufolge selbst aus Schnellkochtöpfen, Schwarzpulver und Splittern zusammen.

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Bei dem Anschlag gab es drei Tote und mehr als 260 Verletzte. Auf ihrer Flucht sollen die Brüder einen Polizisten erschossen und einen weiteren Beamten schwer verwundet haben. Die Brüder stammen aus einer tschetschenischen Familie und sollen radikalen Islamisten nahegestanden haben.

Dschochar Zarnajew war wenige Tage nach dem Attentat auf der Flucht schwer verletzt festgenommen worden. Medienberichten zufolge soll er kurz zuvor in seinem Versteck ein Bekennerschreiben verfasst haben. Er habe den Anschlag darin als Vergeltung für US-Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan bezeichnet. Sein Bruder wurde während einer Verfolgungsjagd der Polizei getötet.

Am 10. Juli soll Dschochar Zarnajew erstmals bei einer Anhörung vor Gericht erscheinen, wie die Staatsanwaltschaft bestätigte. US-Justizminister Eric Holder sagte, die 74 Seiten umfassende Anklageschrift sei das Ergebnis einer vorbildlichen Zusammenarbeit unterschiedlicher Ermittlungsbehörden. "Die heutige Maßnahme beweist unsere eiserne Entschlossenheit, jeden (...) zur Verantwortung zu ziehen, der das amerikanische Volk bedroht oder versucht, unsere großartigen Städte zu terrorisieren", sagte Holder.

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Leserkommentare
  1. "Dem 19-Jährigen werden vierfacher Mord und der Gebrauch einer Massenvernichtungswaffe vorgeworfen."

    Die Amis wieder und ihre "Massenvernichtungswaffen". Noch eine Nummer größer ging wohl nicht... Wohlgemerkt es geht um einen Schnellkochtopf mit Schwarzpulver und Nägeln.
    In welche Kategorie fällt denn dann z.B. eine, wahrscheinlich zehntausende Dollar teure, Hellfire-Rakete, die auf eine pakistanische Hoichzeitsgesellschaft abgefeuert wird? Müsste man die nicht dann auch als Massenvernichtungswaffe bezeichnen? Drohen den USA schon Sanktionen und internationale Kontrollen?

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ein Lenkflugkörper mit der Eigenschaft, sich sein Ziel selbst zu suchen.

    Sein Ziel, nicht "ein Ziel". D.h. auf die Designation des Ziels von Menschenhand kommt es an. Ist das Ziel Intensions-gerecht ausgewählt (an dieser Stelle dürften Hochzeitsgesellschaften, o.ä. ausscheiden) oder wurde das Ziel aufgrund feindselig verfälschter Aufklärungshinweise eingegeben.

    Letzteres kommt vor, weil vermeintliche Informanten auch gelegentlich in familiäre Hader verstrickt sind. Dadurch aber wird eine solche Rakete nicht zu einer Waffe zur "indiscriminate destruction" zu unterschiedsloser Vernichtung, sondern ihr Einsatz unterliegt der Möglichkeit von Steuerung, mit dem Risiko von Fehlsteuerung bzw. sogar der Sabotage durch verfälschte Informationen zur Steuerung.

    Der Schnellkochtopf mit Spreng- und Spittermaterial verbreitet dagegen in der Umgebung seiner Detonation unterschiedslos Tod, Vernichtung und Zerstörung.

    In der Unterschiedslosigkeit und Nicht-Steuerbarkeit seiner Wirkung kommt er einem Flächenbrand gleich. Für Apparate mit solcher Wirkkraft, denen man diese jedoch nicht ansieht - wie eben einem Schnellkochtopf - gab im Deutschen einmal den Ausdruck "Höllenmaschine".

    "Höllenmaschine (frz. machine infernale, engl. infernal machine) ist vor allem im 19. Jahrhundert eine Bezeichnung für militärisch oder terroristisch eingesetzte Sprengladungen, die durch Zeitzünder oder Sensoren zur Detonation gebracht werden."

    http://de.wikipedia.org/w...

    "Massenvernichtungswaffe" scheint, zumindest bei Anklägern, in den USA in Mode zu kommen. Vor ein paar Monaten hat man eine ehemaligen US-Soldaten wegen "Verschwörung zur Verwendung einer Massenvernichtungswaffe" (man könnte auch Terrorismus sagen) angeklagt, weil er ein oder mehrer RPG (vulgo: Panzerfäuste) auf syrische Regierungstruppen abgefeuert hat (vgl. http://www.outsidethebelt... ; http://sofrep.com/19010/t... ).

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Thema des Artikels. Die Redaktion/au

  3. Ein Lenkflugkörper mit der Eigenschaft, sich sein Ziel selbst zu suchen.

    Sein Ziel, nicht "ein Ziel". D.h. auf die Designation des Ziels von Menschenhand kommt es an. Ist das Ziel Intensions-gerecht ausgewählt (an dieser Stelle dürften Hochzeitsgesellschaften, o.ä. ausscheiden) oder wurde das Ziel aufgrund feindselig verfälschter Aufklärungshinweise eingegeben.

    Letzteres kommt vor, weil vermeintliche Informanten auch gelegentlich in familiäre Hader verstrickt sind. Dadurch aber wird eine solche Rakete nicht zu einer Waffe zur "indiscriminate destruction" zu unterschiedsloser Vernichtung, sondern ihr Einsatz unterliegt der Möglichkeit von Steuerung, mit dem Risiko von Fehlsteuerung bzw. sogar der Sabotage durch verfälschte Informationen zur Steuerung.

    Der Schnellkochtopf mit Spreng- und Spittermaterial verbreitet dagegen in der Umgebung seiner Detonation unterschiedslos Tod, Vernichtung und Zerstörung.

    In der Unterschiedslosigkeit und Nicht-Steuerbarkeit seiner Wirkung kommt er einem Flächenbrand gleich. Für Apparate mit solcher Wirkkraft, denen man diese jedoch nicht ansieht - wie eben einem Schnellkochtopf - gab im Deutschen einmal den Ausdruck "Höllenmaschine".

    "Höllenmaschine (frz. machine infernale, engl. infernal machine) ist vor allem im 19. Jahrhundert eine Bezeichnung für militärisch oder terroristisch eingesetzte Sprengladungen, die durch Zeitzünder oder Sensoren zur Detonation gebracht werden."

    http://de.wikipedia.org/w...

    3 Leserempfehlungen
  4. 4. Geiz?

    Was soll uns eigentlich die neue Mode sagen, Fotos von relevanten Leuten zu zeigen, die statt in Person, auf Bildschirmen abgebildet abfotografiert werden. Gefühlt jeder 4. Beitrag wird jetzt mit dieser Masche bedient.

    Ist das ein Versuch Gebühren bei den Agenturen zu sparen?

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    Redaktion

    Hallo rodelaax!

    Da der Attentäter von Boston Dschochar Zarnajew vor seiner Tat kein Mensch der Öffentlichkeit war, gibt es natürlich sehr wenige Bilder und Portraits von ihm. Es ist den Agenturen, von denen wir die Bilder für unsere Artikel beziehen, wohl nicht möglich aktuelle Bilder aus der Haft, oder aber andere, ältere, private Bilder zu bekommen. Daher wird mit den zur Verfügung stehenden 2,3 Portraits in Perspektive, Anschnitt usw. von den Fotografen gespielt. Das ist sicherlich nicht die schönste Lösung, aber in einem solchen Fall leider die Einzige. Sobald es wieder aktuelle Bilder gibt, werden wir die natürlich auch verwenden.

    Viele Grüße aus der Bildredaktion,
    Sonja Mohr

  5. und wohl auch angemessen. Ich finde nur das man sich mal ernsthaft darüber Gedanken machen sollte was wir für Konsequenzen daraus ziehen sollten. Der junge Bruder war beliebt, Sportter, ab und zu auch mal einen Joint geraucht mit seinen Buddies, beliebt bei den Mädels usw.

    Solche Anschläge werden sich niemals verhindern lassen. Egal wie sehr man alle Bürger in einem Staat überwacht und auspäht. Dieser Junge lebt seit seinen Kindheitstagen in Amerika. Er hat sich entschlossen so eine Tat zu begehen die extrem grausam ist. Wegen den Taten seiner eigenen Regierung im nahen Osten. Mitlerweile Stammen viele Terroristen aus anderen Gebieten als Afgahnistan oder Irak. Vor allem durch den Drohnenkrieg schaffen wir jeden Tag neue Terroristen. In unserer Mitte und am anderen Ende der Welt.

    Es wird Zeit einen anderen Weg ein zu schlagen.

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    "Der junge Bruder war beliebt, [...], beliebt bei den Mädels usw."

    Soweit so richtig. Er war beliebt. Dann hat er sich radikalisiert und abgekapselt. Dann wurde er bei anderen beliebt.
    Herr Vogel war auch ein beliebter Boxer. Er hat zwar keinen Anschlag verübt, ist aber nun auch bei anderen Menschen beliebt als damals. Das muss also nichts heißen.

    "Solche Anschläge werden sich niemals verhindern lassen. Egal wie sehr man alle Bürger in einem Staat überwacht und auspäht."

    Interessante These. In Köln, Bonn und im Sauerland wurden die Anschläge verhindert. Übrigens auch mit Daten aus den USA und mit Sicherheit auch durch PRISM gewonnen.

    Korrekt müsste es also heißen, und dann würde ich dem auch zustimmen, "alle Anschläge werden sich niemals verhindern lassen".
    Aber diese Tatsache darf nicht der Grund sein alles zu versuchen zumindest so viele wie möglich zu verhindern.
    Tempolimits verhindern auch nicht alle Autounfälle, aber sie tragen dazu einige viele zu verhindern.
    Und bitte jetzt nicht wieder (und jetzt benutze ich mal ihre Wortwahl) Mär vom Generalverdacht.
    Niemand steht unter Generalverdacht, die Menge wird nach verdächtigen Aktivitäten durchsucht. Es werden mit Nichten alle Telefongespräche mitgehört sondern lediglichvon einem Computer auf Stichworte hin untersucht, der Warnungen ausgibt wenn verdächtige Verbindungen zu bereits bekannten Sunjekten bestehen.
    nichts anderes wird bei der Rasterfahndung gemacht.

    Ich empfehle Ihnen mal "The Wire" zu gucken. Nicht nur handelt es sich um eine Großartige (US-Amerikanische) Serie, sie lernen auch noch etwas über Abhörmaßnahmen.

  6. Redaktion

    Hallo rodelaax!

    Da der Attentäter von Boston Dschochar Zarnajew vor seiner Tat kein Mensch der Öffentlichkeit war, gibt es natürlich sehr wenige Bilder und Portraits von ihm. Es ist den Agenturen, von denen wir die Bilder für unsere Artikel beziehen, wohl nicht möglich aktuelle Bilder aus der Haft, oder aber andere, ältere, private Bilder zu bekommen. Daher wird mit den zur Verfügung stehenden 2,3 Portraits in Perspektive, Anschnitt usw. von den Fotografen gespielt. Das ist sicherlich nicht die schönste Lösung, aber in einem solchen Fall leider die Einzige. Sobald es wieder aktuelle Bilder gibt, werden wir die natürlich auch verwenden.

    Viele Grüße aus der Bildredaktion,
    Sonja Mohr

    Antwort auf "Geiz?"
  7. "Massenvernichtungswaffe" scheint, zumindest bei Anklägern, in den USA in Mode zu kommen. Vor ein paar Monaten hat man eine ehemaligen US-Soldaten wegen "Verschwörung zur Verwendung einer Massenvernichtungswaffe" (man könnte auch Terrorismus sagen) angeklagt, weil er ein oder mehrer RPG (vulgo: Panzerfäuste) auf syrische Regierungstruppen abgefeuert hat (vgl. http://www.outsidethebelt... ; http://sofrep.com/19010/t... ).

  8. "Der junge Bruder war beliebt, [...], beliebt bei den Mädels usw."

    Soweit so richtig. Er war beliebt. Dann hat er sich radikalisiert und abgekapselt. Dann wurde er bei anderen beliebt.
    Herr Vogel war auch ein beliebter Boxer. Er hat zwar keinen Anschlag verübt, ist aber nun auch bei anderen Menschen beliebt als damals. Das muss also nichts heißen.

    "Solche Anschläge werden sich niemals verhindern lassen. Egal wie sehr man alle Bürger in einem Staat überwacht und auspäht."

    Interessante These. In Köln, Bonn und im Sauerland wurden die Anschläge verhindert. Übrigens auch mit Daten aus den USA und mit Sicherheit auch durch PRISM gewonnen.

    Korrekt müsste es also heißen, und dann würde ich dem auch zustimmen, "alle Anschläge werden sich niemals verhindern lassen".
    Aber diese Tatsache darf nicht der Grund sein alles zu versuchen zumindest so viele wie möglich zu verhindern.
    Tempolimits verhindern auch nicht alle Autounfälle, aber sie tragen dazu einige viele zu verhindern.
    Und bitte jetzt nicht wieder (und jetzt benutze ich mal ihre Wortwahl) Mär vom Generalverdacht.
    Niemand steht unter Generalverdacht, die Menge wird nach verdächtigen Aktivitäten durchsucht. Es werden mit Nichten alle Telefongespräche mitgehört sondern lediglichvon einem Computer auf Stichworte hin untersucht, der Warnungen ausgibt wenn verdächtige Verbindungen zu bereits bekannten Sunjekten bestehen.
    nichts anderes wird bei der Rasterfahndung gemacht.

    Eine Leserempfehlung
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    bezahlt Sie jemand für die Reafirmation solch unhaltbarer Geschichten durch Wiederholung von Halbwahrheiten?

    In Köln wurde eine auf ungeklärte Art und Weise in eineer Butan/Propan Atmosphäre eingebrachte Glühwendel bis zur Abscheidung Von Kohlenstoff erwärmt. Ein für die Umgebung absehbar ungefährlicher Vorgang.

    In Bonn wurde etwas AN in einem ungeeigenten Behälter ohne Zündkette mit etwas Elektroschrott transportiert, ein nur bei einem Großbrand gefährlicher Vorgang.

    Im Sauerland wurde das Zerkochen von Wasserstoffperoxidlösung durch vorzeitigen Zugriff verhindert. Ein Vorgang der bestenfalls die Raumluft kurzzeitig mit etwas mehr Sauerstoff beglückt, aber bis auf die verbrennungsgefahr am heißen Topf ein ungefährlicher Vorgang.

    Ausweislich der Faktenlage sind hier vom naturwissenschaftlichen Standpunkt eher keine "Anschläge" verhindert worden!

    Auch wäre mir neu, das die "Chemikalienkontrollstelle" offiziell Teil von Prism wäre...

    Bischen dünn um eine Generalüberwachung schönreden zu wollen?

    Peter

    > In Köln, Bonn und im Sauerland wurden die Anschläge verhindert
    > Übrigens auch mit Daten aus den USA und mit Sicherheit auch durch
    > PRISM gewonnen.

    https://de.wikipedia.org/...

    "Die zwei eingesetzten Kofferbomben waren jedoch konstruktionsbedingt nicht explosionsfähig."

    https://de.wikipedia.org/...

    "Der Sprengsatz sei nicht zündfähig gewesen, da der Zünder fehlte, so weitere Berichte."

    Und wie die Gurkentruppe aus dem Sauerland von den Diensten gefördert wurde, ist nun auch allseits bekannt.

    http://www.stern.de/panor...

    http://www.spiegel.de/pol...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, lab
  • Schlagworte Dschochar Zarnajew | Anschlag | Marathon | Massenvernichtungswaffe | Sprengsatz | Todesstrafe
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