GewitterUnwetter in weiten Teilen Deutschlands

Brände, vollgelaufene Keller, gesperrte Bahngleise: Gewitter haben in vielen Bundesländern Schäden in Millionenhöhe angerichtet. Ein Mensch starb, viele wurden verletzt.

Gewitterwolken über Hannover

Gewitterwolken über Hannover  |  © Julian Stratenschulte/dpa

In weiten Teilen Deutschlands haben heftige Regenfälle und Wärmegewitter Schäden in Millionenhöhe angerichtet. Umstürzende Bäume und herumfliegende Äste verletzten mehrere Menschen, manche von ihnen schwer. Im münsterländischen Dülmen starb ein 80-Jähriger beim Arbeiten gegen eindringendes Wasser in einem Keller. Im Bahnverkehr gab es wegen beschädigter Oberleitungen und blockierter Gleise Störungen.


In der Nacht beruhigte sich die Wetterlage. Vorläufige Bilanzen aus einzelnen Regionen verwiesen auf große Schäden. Der Deutsche Wetterdienst warnte vor weiteren Unwettern und Tornados.

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Feuerwehr und Polizei berichteten von vollgelaufenen Kellern, abgerissenen Stromleitungen und umgestürzten Bauzäunen. Blitzeinschläge lösten Brände aus. Größere Stromausfälle gab es ersten Angaben zufolge keine. 

Den Süden Deutschlands trafen die Unwetter besonders heftig. Bei der Feuerwehr im Landkreis Karlsruhe gingen zwischen 21.00 Uhr und 23.00 Uhr rund 650 Notrufe ein. Mehrere Bäume fielen auf Autos, dabei wurden zwei Menschen leicht verletzt. In der Oberpfalz in Bayern schlugen mehrere Blitze in Häuser ein.

Im niederbayerischen Kollnburg wurde ein Quadfahrer von einem herumfliegenden Ast getroffen und schwer am Kopf verletzt, teilte die Polizei mit. In Südhessen verletzte ein umstürzender Baum einen Autofahrer schwer. Auch im baden-württembergischen Karlsruhe fielen mehrere Bäume auf Autos, dabei wurden zwei Menschen leicht verletzt. Eine Autofahrerin in Plankstadt, deren Wagen beim Fahren von einem Kindertrampolin getroffen wurde, blieb unverletzt. Der Sturm hatte das Trampolin über eine Mauer gehoben. 

70 Liter pro Quadratmeter

In Bochum fielen in zwei Stunden mehr als 70 Liter Regen auf den Quadratmeter, die Feuerwehr rückte mehr als 350 Mal aus. "Das ist schon wie Monsun in Indien", sagte Meteorologe Thomas Ruppert. Bei der Polizei Bonn gingen am Donnerstag bis zum frühen Nachmittag allein mehr als 850 Notrufe ein. Am Bonner Hauptbahnhof wurde eine Unterführung überschwemmt.

In mehreren Landkreisen Niedersachsens brannten Gebäude nach Blitzeinschlägen. "Im gesamten Gebiet ging quasi die Welt unter", sagte Britta Breuers von der Polizeidirektion in Oldenburg. In Scheeßel, wo vor Beginn des Hurricane-Festivals Tausende Musikfans ankamen, forderte der Veranstalter am Donnerstagabend die Besucher auf, die Zelte zu sichern und sich in Autos in Sicherheit zu bringen.

Auch Bremen, Hamburg und Berlin blieben nicht von dem Unwetter verschont. In der Hauptstadt entgleiste eine S-Bahn, als sie einen über die Schienen gestürzten Baum rammte. Laut Bahn kam es auf den Strecken Kiel-Lübeck, Büchen-Lüneburg sowie Neumünster-Kiel zu Verspätungen, weil Bäume von den Gleisen geschafft werden mussten. Auf der Bahnstrecke Trier-Koblenz rutschte Erdreich auf Gleise. Sie musste zeitweise in beide Richtungen gesperrt werden. 

Das extreme Wetter belastet auch einige Autobahnen. Zuerst setzten die Fluten Teile der Fernstraßen unter Wasser, nun sprengt große Hitze an manchen Stellen den Straßenbelag. Der hohe Sanierungsbedarf verstärke sich so noch weiter, sagte ADAC-Experte Jürgen Berlitz.

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Leserkommentare
  1. Sind das nun die Konsequenzen unseres zerstörerischen Lebens oder ist das alles völlig normal????

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    Ein einmaliges Gewitter, ganz egal wie heftig, ist schwer kausal irgendwas zuzuordnen. Man braucht da langfristige Daten über Gewitterhäufigkeit und -stärke, um das mit möglichen Ursachen verbinden zu können.

    • outis
    • 21. Juni 2013 9:15 Uhr

    da verunglücken Menschen schwer bis tödlich, oder ihr Besitz wird zerstört, und man führt Diskussionen a lla "Das hat man dann davon". Ein derartiger Zynismus- das wird allerdings unangenehme soziale Konsequenzen haben, wenn er sich zunehmend entädt.

    "Gewitter ... Sind das nun die Konsequenzen unseres zerstörerischen Lebens oder ist das alles völlig normal????"

    Nein, leider, entgegen Ihrer Vermutung (und der Vermutung vieler anderer Menschen) kann der Mensch keinen Regen machen und auch kein Gewitter. Seit Jahrmillionen macht das Wetter, was es will – und nicht, was wir wollen. So gab es immer schon Heißzeiten und Eiszeiten, immer hin und her. Glühbirnen an- oder abschaffen oder ein zerstörerisches oder nicht zerstörerisches Leben führen ändert daran leider nichts.

    Wäre natürlich klug, die Natur einfach (und endlich einmal) schlicht zu akzeptieren, wie sie ist. Im Moment ist sie eben einfach mal ein Zehntelgrad wärmer als noch vor hundert Jahren. So what! In zweihundert Jahren ist sie dann eben wieder zwei Grad kälter als jetzt. Die Erde hat das alles schon x-mal erlebt – und dreht sich immer noch.

    Selbstverständlich kann man das eigene Ego besser aufplustern, wenn man sich einen göttlichen Machbarkeitswahn andichtet, und sich einbildet, man könne mit dieser oder jener Handlung Regen, Gewitter, Temperaturen etc. beeinflussen. Die Natur macht aber trotzdem, was sie will. Insofern wäre es schlicht vernünftig, dies einfach zu akzeptieren und sich und sein Verhalten an die Natur anzupassen – beispielweise, indem man den Flüssen ihren Platz lässt und sein Häuschen woanders hinstellt. Der Fluss holt sich seinen Platz so oder so, das sollte man inzwischen kapiert haben.

  2. Ein einmaliges Gewitter, ganz egal wie heftig, ist schwer kausal irgendwas zuzuordnen. Man braucht da langfristige Daten über Gewitterhäufigkeit und -stärke, um das mit möglichen Ursachen verbinden zu können.

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    • whale
    • 21. Juni 2013 8:31 Uhr

    Nun, es gibt schon Statistiken, die belegen, dass extreme Wettersituationen in Deutschland zunehmen (wie letzthin in der Print-Ausgabe der ZEIT). Es bleibt nur zu diskutieren, ob das alles Zufall ist, oder ob es bestimmte Gründe dafür gibt. Und hier wiederum, inwieweit der Mensch und sein Verhalten dafür verantwortlich sind. Na ja, und die Argumente, die dann ausgetauscht werden, sind eigentlich hinreichend bekannt. Siehe vermutlich im weiteren Verlauf der Kommentare...

    • whale
    • 21. Juni 2013 8:31 Uhr

    Nun, es gibt schon Statistiken, die belegen, dass extreme Wettersituationen in Deutschland zunehmen (wie letzthin in der Print-Ausgabe der ZEIT). Es bleibt nur zu diskutieren, ob das alles Zufall ist, oder ob es bestimmte Gründe dafür gibt. Und hier wiederum, inwieweit der Mensch und sein Verhalten dafür verantwortlich sind. Na ja, und die Argumente, die dann ausgetauscht werden, sind eigentlich hinreichend bekannt. Siehe vermutlich im weiteren Verlauf der Kommentare...

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    • outis
    • 21. Juni 2013 9:15 Uhr

    da verunglücken Menschen schwer bis tödlich, oder ihr Besitz wird zerstört, und man führt Diskussionen a lla "Das hat man dann davon". Ein derartiger Zynismus- das wird allerdings unangenehme soziale Konsequenzen haben, wenn er sich zunehmend entädt.

    Antwort auf "Gewitter"
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    • whale
    • 21. Juni 2013 11:15 Uhr

    Na ja, von oben herab "Siehste" zu sagen, womöglich gar mit Schadenfreude - das wäre zynisch, das verbietet sich selbstverständlich.

    Aber erstens habe ich diesen Ton noch nirgends vernommen, und zweitens muss man schon unterscheiden von ernsthafter Ursachenforschung. Zusammenhänge zu suchen zwischen unserem Verhalten und dessen Folgen, dient ja nicht in erster Linie dazu "die Schuldigen" zu finden, sondern vor allem, in Zukunft derartige Katastrophen zu vermeiden. Und damit tut man allen einen Gefallen.
    Man hätte zumindest teilweise verhindern können, dass die Flutopfer von 2002 in diesen Tagen erneut unter den Wassermassen zu leiden hatten.

    Ich halte es eher für zynisch, Mitleid zu heucheln, aber nicht zu handeln.

    • Lefty
    • 21. Juni 2013 9:39 Uhr

    Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen.

    (Albert Schweitzer)

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    • gorgo
    • 21. Juni 2013 9:40 Uhr

    Kann in der Frage die/der Forist/in keinen Zynismus erkennen - darf man nicht mal mehr fragen, ob zunehmende Extremwetter menschengemachte Ursachen haben? Es gibt soviele Hinweise aus ganz unterschiedlichen Quellen in diese Richtung, dass es fahrlässig wäre, diese Frage einfach ungestellt zu lassen.

    Die Betroffenen werden dadurch nicht entwürdigt, wie auch, das müssten Sie mir schon erklären!
    Im Gegenteil! Ich wäre als Betroffener jedenfalls froh, wenn sich um diese Frage mal endlich jemand kümmern würde! Nur die Frage nach den Ursachen kann außerdem die u.U. zukünftigen Betroffenen helfen.

    Zynisch finde ich eher die reflexartige Beschimpfung von besorgten und oft auch informierteren Menschen, die sich Gedanken machen.

    Niemand kann das Klima exakt prognostizieren - und das behauptet auch kein/e Wissenschaftler/in - allerdings gibt es hunderttausend Gründe, fossile Brennstoffe nicht in den Himmel zu jagen - und dass es, falls einige tausende Wissenschaftler aus allen Erdteilen zufällig recht haben sollten, nicht mehr rückgängig zu machen ist, sollte Grund genug sein, mal etwas einzuhalten mit der Antikampange

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    • outis
    • 21. Juni 2013 11:31 Uhr

    Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/ls

    • outis
    • 21. Juni 2013 11:31 Uhr

    Quad fährt man nur zum Spaß, durch seinen Spaß hat sich der Quadfahrer gegen Mutter Natur versündigt und die Quittung bekommen.
    Das ist der Zynismus, der sich hinter einer solchen "besorgten" Frage verbirgt.
    Ein tragisches Unglück, ein Unwetter wird zum peinlichen Gericht über das menschliche Handeln.
    Das ist ebenso zynisch, wie die Aussagen von christlichen Fundamentalisten, das Erdbeben in Haiti sei eine Strafe Gottes gewesen. Die Leute dort hängen uralten animistischen Vorstellungen an, da wird man die Frage doch mal aufwerfen dürfen, oder?
    Und nein, das ist nicht etwas vollkommen anderes- es ist der gleiche selbstgerechte Zynismus.

  3. .
    "... Ein Weiter-So gibt es nicht. Der Klimaschutz ist die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts ..."
    Angela Merkel {2007}

    "... Wir sind reich genug, uns Klimaschutz zu leisten - und sind zu arm, um auf Klimaschutz zu verzichten ..."
    Sigmar Gabriel

    "... Wann in der Geschichte mussten wir darüber entscheiden, ganze Länder verschwinden zu lassen? ..."
    Ein Vertreter Tuvalus, Nairobi {2006}

    "... Der Markt ist ökologisch blind, genauso wie er sozial und ethisch blind ist.
    Verantwortungsvolle Politik muss das korrigieren, was der Markt allein nicht regeln kann. ..."
    Franz Alt

    "... Wir müssen nicht die Arbeit, sondern den Ressourcenverbrauch besteuern. ..."
    A. Leonard, 'The Story of Stuff'

    Zu guter Letzt, immer noch bei Weitem ungeschlagen und an "marktkonformem" demokratischen Zynismus kaum zu überbieten:

    "...Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen..."
    Grundgesetz, Artikel 20 a

    4 Leserempfehlungen
  4. ...kann ich hier beim besten Willen nicht erkennen. Es gab in Deutschland im Sommer Gewitter mit Regen. Mit 3,5 Zentimeter Regen pro Stunde und Quadratmeter. Es gab einige wenige Opfer, weil bei Starkwind Bäume umfallen und Blitze zu Bränden führen können....

    Extrem würde ich mal eine langanhaltende(!) Hitzewelle finden. Und extrem war in diesem Jahr (wie in den Vorjahren) wohl eher ein langer kalter Winter mit Schneefall zu Ostern. Da wird dann mal schnell der Monsun in Indien bemüht, bei dem pro Tag teilweise 1 Meter Niederschlag anfällt und zwar regelmäßig.

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    • whale
    • 21. Juni 2013 11:32 Uhr

    Abgesehen von Statistiken (Quellen sind nicht etwa Grüne, Bund, Nabu o.ä., sondern Versicherungsunternehmen): Ich fahre seit dreißig Jahren Auto. Dass ich auf Autobahnen wegen eines Gewitters Schritt fahren musste, ist in den letzten zehn Jahren ca. fünfmal vorgekommen, davor NIE. Dass schon nach zwei (dann gleich extrem) heißen Tagen die Gewitter nicht abreißen, kenne ich aus meiner Kindheit auch nicht. Da gab es meist ein befreiendes Gewitter nach vielen Tagen oder Wochen warmen und trockenen Wetters. Ich habe auch früher nicht soviele umgestürzte Bäume gesehen, und wo früher Sonnenschutzfaktor 10 locker reichte, holt man sich heute einen Sonnenbrand trotz Faktor 50.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, lab
  • Schlagworte Unwetter | Auto | Autofahrer | Feuerwehr | Polizei | S-Bahn
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