Vereinte NationenMehr als 45 Millionen Menschen auf der Flucht

Die Zahl der Flüchtlinge ist auf dem höchsten Stand seit 18 Jahren. Angesichts der Eskalation des Bürgerkriegs in Syrien erwarten die UN auch für 2013 keine Besserung.

Junge Syrer im Flüchtlingscamp Maiber al-Salam an der türkischen Grenze

Junge Syrer im Flüchtlingscamp Maiber al-Salam an der türkischen Grenze  |  © Dimitar Dilkoff/AFP/Getty Images

Bewaffnete Konflikte und andere Bedrohungen haben die Zahl der Flüchtlinge weltweit auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten steigen lassen. Im Jahr 2012 seien mehr als 45,2 Millionen Menschen auf der Flucht gewesen, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Genf mit. Dies sei der höchste Stand seit 1994, als der Völkermord in Ruanda und der Zusammenbruch von Jugoslawien die Flüchtlingszahlen in die Höhe schnellen ließen, erklärte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, António Guterres.

Allein 2012 flohen dem UNHCR zufolge 7,6 Millionen Menschen aus ihren Heimatorten. Guterres sagte mit Blick auf den Krieg in Syrien, auch für 2013 sei keine Besserung zu erwarten. Die Weltgemeinschaft müsse Syriens Nachbarländer, insbesondere Jordanien und den Libanon, bei der Versorgung der syrischen Flüchtlinge unterstützen. Das Flüchtlingshilfswerk befürchtet, dass die Zahl der syrischen Flüchtlinge im Ausland von derzeit 1,6 Millionen bis Ende des Jahres auf 3,45 Millionen Menschen steigt. Innerhalb des Bürgerkriegslandes sind bereits 4,25 Millionen Menschen auf der Flucht.

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"Wir erleben eine Zunahme neuer Konflikte, und es scheint, dass die alten nicht enden", fügte Guterres hinzu. Mit 55 Prozent stammten gut die Hälfte der Flüchtlinge aus Konfliktgebieten wie etwa Afghanistan, Somalia, Irak oder Syrien. Auch in den afrikanischen Krisenländern Mali, Demokratische Republik Kongo und Sudan wuchs dem UN-Bericht zufolge die Zahl der Flüchtlinge. Von 45,2 Millionen Betroffenen flüchteten sich demnach 15,4 Millionen ins Ausland, 28,8 Millionen Menschen waren Binnenvertriebene, zudem gab es 937.000 Asylbewerber."

Pakistan hat 2012 die meisten Flüchtlinge aufgenommen

Deutschland gehört nach Pakistan und Iran zu den zehn wichtigsten Aufnahmeländern. Im vergangenen Jahr beherbergte die Bundesrepublik dem UNHCR-Jahresbericht zufolge fast 590.000 Flüchtlinge. Das sind drei Prozent mehr als 2011 und weit mehr als in anderen westlichen Staaten: In Frankreich lebten 2012 knapp 218.000 Flüchtlinge, in Großbritannien 150.000, in den USA 262.000. Die Hauptlast von Flucht und Vertreibung tragen jedoch arme Staaten: 81 Prozent aller Flüchtlinge leben in Entwicklungsländern. Allein Pakistan nahm im vergangenen Jahr 1,6 Millionen Flüchtlinge auf, gefolgt vom Iran mit 868.000 Neuaufnahmen.

Das Land, aus dem die meisten Flüchtlinge stammen, war wie bereits seit mehr als 30 Jahren Afghanistan: Jeder vierte Flüchtlinge stammt aus diesem Land. Kriege sind die größte Fluchtursache: 55 Prozent aller Flüchtlinge stammen aus den fünf Konfliktstaaten Afghanistan, Somalia, Irak, Syrien und Sudan. 46 Prozent sind Kinder oder Jugendliche unter 18 Jahren. Dass Kinder zunehmend allein auf der Flucht seien, entwickele sich zu einem "der schwersten humanitären Probleme", erklärte Guterres. 2012 suchten demnach 21.300 Minderjährige auf eigene Faust Schutz.

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Leserkommentare
  1. Das ist vielleicht doch etwas zu kurz gedacht. Schließlich gibt es auch Ursachen für die Kriege. Diese liegen, zumindest teilweise und in den genannten 5 Staaten, auch in den dortigen Religionskonflikten und vor allen Dingen in der starken Bevölkerungszunahme, die zu Verteilungskämpfen führt. Und letztere ist u.a. wieder durch die Religion begründet.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, mpi
  • Schlagworte UNHCR | Afghanistan | Entwicklungsland | Flüchtling | Jugendliche | Konflikt
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