GleichberechtigungDie Wurst-Frage

Edeka hat jetzt eine Bratwurst extra für Frauen im Angebot. Eine clevere Sache? Eher nicht, findet Tina Groll. Emanzipierte Frauen sollten dankend verzichten. von 

Neben dem Überraschungsei für Mädchen gibt es nun die Frauen-Bratwurst. Wurst ist nicht mehr gleich Wurst. Weil alles ein Ende und nur die Wurst bekanntlich zwei hat, fertigt die Edeka-eigene Fleischerei Rasting jetzt die Bratwurst einmal für Männer (schön deftig und kräftig gewürzt) und einmal für Frauen (besonders mager und mit Gemüse). Die Männer-Bratwurst hat doppelt so viel Inhalt, dafür ist die Frauen-Bratwurst etwas teurer. Edeka ist offenbar ein Anhänger der Geschlechterdifferenz.

Bemerkenswert ist dabei, dass die Handelskette mit nur einer Wurst so viele dämliche Geschlechterklischees bedient. Männer essen mehr, sie mögen es derb und kräftig – Frauen dagegen sind bereit, mal etwas mehr zu bezahlen, auch wenn sie dafür weniger bekommen. Das erinnert stark an den Gender Pay Gap. Frauen arbeiten ja auch für durchschnittlich 21 Prozent weniger Lohn als Männer.

Anzeige

Natürlich ist es eine clevere, wenngleich alte Marketingidee, Frauen als eigene Konsumentengruppe anzusprechen. Immerhin treffen sie den Großteil der Kaufentscheidungen. Seit sie ihr eigenes Geld verdienen dürfen und in typische Männerdomänen vordringen, hat die Wirtschaft die Palette der Frauenprodukte stark erweitert – von der Frauenzeitschrift über den Frauen-Fernsehsender (mit vielen Liebesfilmen) bis zu den Frauen-Accessoires der Autohersteller (passender Nagellack zur Farbe des eigenen Kleinwagens).

Die Frauen-Bratwurst ist insofern nur eine konsequente Weiterentwicklung. Man kann es aber auch so sehen: Die Damenwelt ist den letzten Männerbastionen gefährlich nahe gekommen – den Chefetagen und dem Grill. 

Tina Groll
Tina Groll

Tina Groll ist Redakteurin im Ressort Karriere bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Dennoch ist es dämlich, wenn Frauen diese Produkte kaufen und damit letztlich nur ein dumpfes Geschlechterbild bestätigen. Mutti mit buntem Kleinwagen, die sich von Vati die Damen-Wurst grillen lässt – eigentlich wollten wir doch mehr Gleichberechtigung der Geschlechter. Und selbst wenn Mutti ihre Wurst selbst auf den Grill wirft: Emanzipierte Frauen brauchen keine Frauen-Bratwurst mit besonders viel Gemüse.

Sie brauchen auch keine Nischen-Produkte, die ihnen einen Platz in der Gesellschaft zuschreiben oder eine Aussage darüber treffen, wie sie zu sein haben. Für emanzipierte Männer gilt das selbstverständlich ebenso. Männer und Frauen, die sich als gleichwertig empfinden, sollten beherzt zur geschlechtsneutralen Wurst greifen und den Gender-Blödsinn im Regal liegen lassen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. och frau groll,

    trauen sie den lesern dieser zeitung so wenig zu dass sie es für nötig halten die allerletzten und dümmsten verkaufsstrategien noch darauf festzunageln?

    adressieren sie ihren artikel wenigsten an, in diesem fall, edeka und deren werber. auch wenn es müßig ist, es ist deren job klischees und stereotypen zu bedienen.....

    15 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Marketingabteilung von Edeka ist der Gendergedanke völlig egal und will verkaufen. Entweder das Produkt funzt, dann geht das Konzept auf und das Ziel wurde erreicht, oder das Produkt wird gemieden, dann verschwindet es wieder. So läuft das.
    Frau Groll sind der Appell und die Darstellung der Sache vielleicht nicht ganz egal, aber vor allem möchte sie im Sinne ihres Arbeitgebers, dass ihre Artikel gelesen werden. Zumindest in Ihrem Fall, werte(r) kannichtsein, und in meinem ist das Kalkül aufgegangen. So läuft das.
    In beiden Fällen geht es in erster Linie um Angebot (Wurst/Artikel) und Nachfrage (Käufer/Leser).

    Redaktion

    Hey kannnichtsein,

    sorry, aber Aufgabe der Werbung ist es, Produkte zu verkaufen. Klar, dass da blöde Stereotype bedient werden. Aber darum geht's doch gar nicht. Die interessante Frage ist doch: Warum werden solche dämlich beworbenen Blödsinnsprodukte gefragt? Ist doch schade um das traditionelle Wurst-Handwerk! :)

    Bestes,

    tgr

    Na ja, liebe Frau Groll, wenn Sie das Ganze durchziehen wollen, dann schauen Sie mal im Kühlregal neben der Wurst auf die Cola. Da stehen Coke Zero und Coke Light. Und raten Sie mal, was der einzige Unterschied ist? Coke Zero hat die Zielgruppe Männer, Coke Light hat die Zielgruppe Frauen. Ist aber die gleiche Brause. Wenn Sie's nicht glauben, googlen Sie mal die Inhaltsstoffe, die auf den Etiketten stehen. Und wenn Sie in einer Blindtestreihe von dreißig Getränken eine Trefferquote von über 66 Prozent haben, spendiere ich Ihnen eine Damenwurst.

    Ich halte es für richtig, zeitunglesende und eventuell intelligente Menschen auf die Diskriminierung im Kühlregal hinzuweisen und nicht (allein) Edeka. Denn wie schon gesagt, Edeka fügt sich lediglich so gewinnreich wie möglich in die freie Marktwirtschaft ein.
    Allerdings fehlt mir in diesem Artikel eine mindestens ebenso wichtige Diskussion wie die um Genderfragen:
    Die Frauenwurst ist ja deshalb eine solche, weil Frauen tatsächlich häufig die entsprechenden Präferenzen haben; das Problem sehe ich vielmehr darin, daß die Bezeichnung der Rezeptur als "Frauenwurst" eine Reihe von Männern garantiert davon abhalten wird, diese zu konsumieren - ja, im Gegenteil, wahrscheinlich wird noch die ein oder andere Frau die demonstrative Entscheidung gegen das Produkt treffen, nur um den Mitgrillenden nicht als untraditionell aufzufallen. Was damit allerdings verhindert wird ist Folgendes: Daß tatsächlich mehr Gemüse und weniger Fleischprodukte auf den Tellern der Deutschen landen, daß auch Männer sich der Idee des fleischlos(er)en Essens öffnen und daß infolgedessen der Um- und Tierwelt ein bisschen mehr Rücksicht entgegengebracht wird!
    Der Fleischkonsum des und der Durchschnittsdeutschen ist zu hoch, und darum hätte der Artikel nicht Frauen zum Boykott dieses Edeka-Produkts auffordern müssen, sondern Männer dazu animieren, es im Sinne der Gleichberechtigung und des Umweltschutzes häufiger zu konsumieren.
    Aber womöglich hätte es dann noch mehr verärgerte Leserbriefe gegeben...

  2. ...Tampon für Männer, Gleichberechtigung im Kapialismus, es lebe der Konsum :-)

    21 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    auf den Punkt gebracht...mehr ist dazu wiklich nicht zu sagen! (auch wenn ich dich nochmal wiederholt hab)

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschalisierende Äußerungen und kommentieren Sie zum konkreten Artikelthema. Danke, die Redaktion/sam

    ... und neigen schon deshalb mehr zum Vegetariertum :)
    Wahrscheinlich kaufen sie deshalb auch keine Frauenwürste.

    Sowohl in Deutschland als auch in den USA sind 2/3 der Vegetarier Frauen (Quelle: Wikipedia).

  3. "Männer und Frauen, die sich als gleichwertig empfinden, sollten beherzt zur geschlechtsneutralen Wurst greifen und den Gender-Blödsinn im Regal liegen lassen."

    Ich nehme aber an, dass die Autorin dies auch in ihrem Ressort Karriere so sieht und Frauenquoten ebenso zurecht auch für "Gender-Blödsinn" hält?

    44 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    den Zusammenhang zwischen Wurst und Karriere?

  4. >> eigentlich wollten wir doch mehr Gleichberechtigung der Geschlechter <<

    ... ist Edeka wurst. Die wollen mehr Wurst an den Mann bringen - und wenn er eine Frau ist.

    Wir sind hier nicht in der Politik, wir sind hier beim Marketing.

    18 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    marketing ist auf seine weise ehrlicher und aufrichtiger als die plolitik, dann sie agierenn geldgeil und nicht ideologiegeil.

  5. http://m.thelocal.de/soci...

    ja - ist doch lange schon in der presse verwurstet worden.
    mit lautem gelächter.

    der beste kommentar dazu hier im brief von susanne enz:

    http://antjeschrupp.com/2...

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    >> der beste kommentar dazu hier im brief von susanne enz: <<

    ... in der Wurst - das möchte man natürlich nicht.

    Sieht ganz danach aus, als meinte Frau Enz, es ginge bei dem Thema ernstlich um die Wurst. Etwas überdreht, das Ganze.

  6. oder so.

    wie wäre es mit einem frauengrill? mit frauengrillzange, frauenholzkohle (garantiert von frauen hergestellt und weniger schwarz, weil das vielleicht rassistisch rüberkommen könnte) und so weiter.

    und analog zur kater/katze prägen wir auch noch einen begriff für die grillende dame.
    genau: GRILLE

    viel spaß noch beim gendern, äh grillen. ;)

    19 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    haste noch nie die rosanen werkzeugkistchen bei tschibo gesehen?

    Also _wenn_ es Frauengrillkohle geben sollte, dann ist die natürlich schwarzer als normale Grillkohle.

    Sorry, den konnte ich mir nicht verkneifen. ;-)

  7. Wenn die Bratwürste schmecken, ist es mir völlig schnurz, ob ich nun eine Frauen- oder eine Männerbratwurst verzehre. Dann esse ich eben an einem Tag weiblich, am anderen männlich.

    Die Wurst in den Regalen liegen zu lassen, bloß weil sie für Frauen gedacht ist, ist grad so blöd, wie sie zu kaufen, bloß weil sie für Frauen gedacht ist.

    Ich stehe da drüber.

    Anders ist es natürlich mit dem Senf. Also, da würde ich schon gern wissen, ob der Senf für Frauen oder Männer ist. Andererseits, was passiert, wenn man Männer-Senf auf eine Frauenbratwurst tut? Oder Frauen-Senf auf eine Männerbratwurst. Verwischt man damit die Geschlechtsunterschiede? :-)

    22 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • hareck
    • 28. Juni 2013 13:57 Uhr

    und der Senf wird schwanger.

    • m123
    • 28. Juni 2013 11:59 Uhr

    Da haben Sie zwischen 2 und 1 wohl ein Komma vergessen.

    http://www.zeit.de/karrie...

    16 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    hat er nicht.

    Es ist unfassbar, dass immer noch der unbereinigte Genderpaygap kommentarlos in derartigen Artikeln auftaucht.
    Schon vielfach wurde erklärt, dass der bereinigte Genderpaygap kaum vorhanden / deutlich niedriger ist...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Edeka | Gleichberechtigung | Mädchen
Service