An der Elbe bereiten sich deutsche Städte und Gemeinden auf neue Hochwasserstände vor. In Dresden werde der Scheitel "nach einer vorsichtigen Schätzung nicht vor Donnerstagmorgen" erwartet, hieß es in der Nacht vom Sächsischen Landesamt für Umwelt. Um sechs Uhr betrug der Pegelstand in der Landeshauptstadt 8,27 Meter.

Im Jahr 2002 war die historische Altstadt von Dresden überflutet worden. Damals war ein Pegelstand von 9,40 Metern erreicht worden. "Der Pegel steigt nun langsam, aber kontinuierlich", sagte die Dresdner Stadtsprecherin Heike Großmann. Die Behörden weiteten die Evakuierungszonen aus. Nach Angaben der Stadt waren von den vorbeugenden Maßnahmen zunächst etwa 1.000 Menschen betroffen. Die meisten kamen privat unter, nur 20 nutzten die städtische Notunterkunft. Eine junge Frau mit zwei Kindern, die der Räumungsempfehlung nicht nachgekommen sei, habe "mit schwerem Gerät" gerettet werden müssen.

Kritisch sei nach Angaben des Landesbetriebs für Hochwasserschutz in Sachsen-Anhalt die Lage vor allem in Halle an der Saale. Dort betrug der Pegelstand der Saale am Morgen mehr als acht Meter. Normal sei ein Stand von unter drei Metern. 

"Seit 400 Jahren ist das der höchste Stand", sagte ein Sprecher. Teile der Innenstadt seien bereits überflutet. Einsatzkräfte versuchten, einen stark aufgeweichten Damm mit Sandsäcken zu stabilisieren. Die Stadt richtete Notquartiere ein, der Krisenstab forderte die Menschen in Teilen der Innenstadt auf, die gefährdeten Gebiete zu verlassen.

Stand: 4. Juni 2013, 16 Uhr © ZEIT ONLINE

In Niedersachsen bleiben vorerst fünf Schulen in den Gemeinden Lüchow, Gartow, Clenze und Dannenberg geschlossen. Rund 2.000 Einsatzkräfte werden dort untergebracht, teilte der Einsatzstab des Landkreises Lüchow-Dannenberg mit. Dort herrscht wegen des erwarteten Rekordhochwassers an der Elbe seit Dienstagabend Katastrophenalarm.

Abhängig von den Pegelständen der Elbe wird für die Kleinstadt Hitzacker eine mögliche Evakuierung geplant. "Innerhalb der nächsten zwei Tage werden die Pegel rapide steigen", sagte ein Sprecher des Einsatzstabes. Wegen der Vorbereitungen seien mehrere Kreisstraßen an der Elbe gesperrt. Feuerwehrleute und freiwillige Helfer befüllten derzeit mehrere hunderttausend Sandsäcke zur Absicherung der Deiche.

Höchste Warnstufe noch nicht erreicht

Auch in Brandenburg steigen die Pegelstände der Elbe weiter an. Nach Angaben des Landesinnenministeriums ist die Lage trotzdem weitgehend entspannt. Entlang der Elbe sei die höchste Warnstufe noch nicht erreicht. Mit der für die nächsten Tage angekündigten Hochwasserwelle würden die Pegelstände aber deutlich steigen.

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In Passau scheint derweil das Schlimmste überstanden. "Langsam kommen wir weg von der Katastrophe und hin zum Hochwasser", sagte ein Sprecher. Das Wasser der Donau ist fast drei Meter zurückgegangen. Entlang der Ufer seien aber immer noch einige Straßen überflutet. Auch die Innenstadt sei nach wie vor abgeschnitten.

Die Pegel sinken auch in Thüringen. Nachdem bereits am Dienstagabend der Katastrophenalarm für den Landkreis Greiz zurückgenommen wurde, gilt der Katastrophenfall in Thüringen nur noch für den Saale-Holzland-Kreis. In den meisten Landesteilen haben die Aufräumarbeiten begonnen.

Den Bewohnern der Hochwassergebiete droht nach dem Rückgang der Pegel eine Mückenplage. Ob es dazu komme, hänge jedoch vom Wetter ab. Werde es warm, "dann kann man schon sagen, dass die Mücken sich sehr stark bemerkbar machen", sagte der Biologe Norbert Decker. Die Gefahr gehe von sogenannten Überschwemmungsmücken aus. Werden die Eier bei einem Hochwasser überspült, schlüpfen die Larven, aus denen sich in einigen Tagen die Mücken entwickeln.