Zwischen Regierung und Opposition herrscht Streit über die Finanzierung der Hilfe für die Hochwasser-Betroffenen. Die SPD lehnt den Plan von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ab, die Milliarden für den Wiederaufbau allein durch Aufnahme von Schulden zu finanzieren. "Wir sind dagegen, dass die Last eins zu eins auf die nächste Generation übertragen wird", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Die Finanzminister von Bund und Ländern wollen am Dienstag in Berlin erstmals über die Details der Finanzierung beraten.

Die Regierung lehnt es mit Blick auf die konjunkturelle Lage ab, für die Flutkosten Steuern zu erhöhen oder Ausgaben zu kürzen. "Wir haben weiterhin eine fragile Situation der Wirtschaft in Europa", sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Bund und Länder wollen bis zu acht Milliarden Euro für den Wiederaufbau zur Verfügung stellen. Davon soll der Bund die eine Hälfte, die Länder die andere Hälfte tragen. Nach dem Hochwasser von 2002 war für die Hilfszahlungen die Körperschaftssteuer erhöht worden. Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) forderte erneut eine solche Erhöhung. Als Alternative dazu hat Kanzlerin Merkel nun Bundesanleihen ins Gespräch gebracht.

Umweltminister Peter Altmaier (CDU) schließt auch eine befristete Erhöhung des Solidaritätszuschlages nicht aus. "Ich setze auf eine solidarische Kraftanstrengung. Welches Instrument dabei das richtige ist, das entscheiden wir, wenn wir die konkrete Höhe der Kosten kennen", sagte Altmaier.

Einsatzkräfte versenken in Fischbeck dritten Kahn

Die Pegelstände der Elbe gingen am Wochenende zwar zurück, die Behörden rechnen aber damit, dass sich die Lage in vielen ostdeutschen Orten erst in der kommenden Woche etwas entspannt.

Mit ungewöhnlichen Mitteln versuchten die Einsatzkräfte, die Wassermassen in den Hochwassergebieten zurück in die Flüsse zu drängen. In Fischbeck in Sachsen-Anhalt versenkten sie am Samstag zwei Lastkähne in der Elbe, um ein 90 Meter großes Loch im Deich zu stopfen, durch das tagelang riesige Wassermengen in die Region geflossen waren. Die Lücke schrumpfte dadurch auf einen Durchfluss von 20 Metern, konnte aber nicht ganz geschlossen werden. Darum wurde am Sonntag ein dritter Kahn in das Loch versenkt. Zusätzlich soll es mit Schiffscontainern verstopft werden. Die Bundeswehr warf auch riesige Sandsäcke und Betonteile von Hubschraubern aus ins Wasser.

Deich gesprengt

Weiter südlich versuchten die Einsatzkräfte dagegen, eine Lücke im Deich zu vergrößern, um den Abfluss aus überfluteten Gebieten zu beschleunigen. Am Saaledeich bei Breitenhagen wurde deshalb am Sonntagmittag erneut gesprengt: Dort ist die Lücke im Damm nun etwa 60 Meter breit, sagte eine Sprecherin des Krisenstabs. Das Wasser aus den überfluteten Gebieten jenseits des Deiches könne nun schneller zurück in den Fluss laufen.

Allgemein entspannte sich die Hochwasserlage langsam. Der Elbe-Pegelstand im brandenburgischen Wittenberge erreichte am Sonntagmorgen einen Wert von 6,91 Metern. Beim historischen Höchststand vor einer Woche hatte er bei 7,85 Metern gelegen. Auch die Pegelstände der Flüsse in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein gingen allmählich zurück. Tausende Helfer waren am Sonntag aber noch im Einsatz.