Hochwasser Sachsen-Anhalt : Bundeswehr bringt Deichbruch in Fischbeck unter Kontrolle

Entspannung in Sachsen-Anhalt: Mit Massen von Sand haben Hochwasserhelfer einen Deich stabilisiert. Der Landeskrisenstab hat dort die lokalen Krisenmanager entmachtet.
Der gebrochene Deich bei Fischbeck, vor seiner Stabilisierung (am Montag) © Jens Wolf

Der Zustrom von Elbwasser in die Gebiete um das Örtchen Fischbeck steigt jetzt nicht mehr an. Bundeswehr und -polizei gelang es, mittels großer Mengen Sand die Durchbruchstelle vom Sonntag so zu stabilisieren, dass sie sich nicht weiter vergrößert. Zuvor hatte die Flut die von Hubschraubern abgeworfenen Erdmassen (Big Packs) immer wieder weggespült. Das zuletzt dort hingebrachte Material hält nun dem Wasser stand, wie der Krisenstab mitteilte. Auch im 20 Kilometer nördlich gelegenen Wulkau gelang es, einen abgesackten Deich zu stabilisieren.

Der Kampf gegen das Hochwasser ist längst nicht beendet: An der Elbe in Lauenburg in Schleswig-Holstein stagniert der Pegel (Messstelle Hohnsdorf) auf hohem Niveau. Auch in Mecklenburg-Vorpommern könnte der Fluss seinen Höchstwert erreicht haben, ebenso in Niedersachsen, wo die Pegelstände in der Nacht fast unverändert hoch blieben.  

Der Krisenstab der Landesregierung Sachsen-Anhalt übernahm den Einsatz im Schwerpunkt-Landkreis Stendal selbst. Die Lage habe sich so zugespitzt, hieß es zur Begründung. Hintergrund war der Deichbruch, durch den sich riesige Wassermengen ihre Wege in die rechts der Elbe liegenden Dörfer suchten (Bilderstrecke hier). Das Wasser überflutete auch die Bundesstraße 107. Inzwischen nähert es sich dem Stadtgebiet von Jerichow. Landesweit sind derzeit etwa 9.000 Soldaten im Einsatz.

Auch in Brandenburg ist die Lage immer noch kritisch. In der Prignitz stagniert der Pegel der Elbe-Flutwelle mittlerweile bei etwas über 7,70 Metern. In Wittenberge stagnierte der Elbepegel bei 7,75 Meter. Die Gewässeraufsicht rechnete mit einem historischen Höchstwert von 8,20 Metern. Normalerweise liegt der Wasserstand dort bei durchschnittlich 2,77 Metern.

Am Montagabend wurde im Landkreis Havelland ein rund 3,5 Kilometer langer Notdeich befestigt, der das Wasser abhalten soll, das seit dem Deichbruch bei Fischbeck ins Hinterland strömt.  

In Lauenburg in Schleswig-Holstein rüsten sich die Menschen für den Höchststand der Elbe-Flut. Der Scheitelpunkt soll hier am Donnerstag erreicht werden. Die Einsatzleitung geht laut NDR davon aus, dass der Pegel für eine Woche bei mehr als neun Metern bleiben könnte. Am Dienstagnachmittag erreichte der Pegelstand (Messstelle Hohnstorf) bei 9,51 Metern und damit etwa fünf Meter über dem normalen Stand.

Teile der Altstadt von Lauenburg sind ohne Strom, etwa 400 Bewohner haben das bedrohte Gebiet verlassen müssen. Rettungskräfte versuchten in der Nacht erfolglos, die Wassermassen zurück in die Elbe zu pumpen und gaben das Vorhaben auf.

In Mecklenburg-Vorpommern wurde die Flutregion zwischen Dömitz und Boizenburg zur Sperrzone erklärt. Ortsfremde dürfen nicht mehr in das Gebiet, Einheimische sollen sich auf Evakuierungen vorbereiten. Der Wasserstand der Elbe am Pegel Dömitz blieb aber auch in der Nacht zum Dienstag bei 7,20 Metern konstant. Das Wasser steht 40 Zentimeter höher als der sogenannte Bemessungswert, für den die Dämme ausgelegt sind. Die Sorge vor Deichbrüchen ist hier besonders groß. 

Der Hochwasserscheitel der Elbe erreichte am Montag auch Niedersachsen. An der Elbe pendelten sich die Pegelstände in der Nacht weitgehend unverändert ein. Es gab noch keine größeren Schäden. Der Wasserstand in den Kreisen Lüchow-Dannenberg und Lüneburg werde sich nun aber über mehrere Tage auf einem hohen Niveau halten, teilte der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz mit. In Hitzacker zeigte der Pegelmesser 8,17 Meter, normalerweise liegt der Elbe-Pegel dort bei 2,67 Meter.

Die Flut und ihre Folgen beschäftigten auch die politisch Verantwortlichen. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) forderte länderübergreifende Maßnahmen zum Hochwasserschutz. Dazu gehörten Bauverbote am Wasser oder gezielte Vorflutflächen, auch Enteignungen dürfe man nicht ausschließen, sagte er der Passauer Neuen Presse. "Sie müssen aber immer die Ultima Ratio bleiben", sagte Altmaier.

Verspätungen in Bahnverkehr

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, sprach sich für die Einführung eines Hochwasserschutz-Beschleunigungsgesetzes aus. "In einem solchen Gesetz sollte klar werden, dass, auch wenn der Naturschutz betroffen ist oder es Bürgerproteste gibt, im Zweifel der Hochwasserschutz Vorrang hat", sagte er der Rheinischen Post. Ähnlich hatte sich schon Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich geäußert, der mit anderen betroffenen Ländern eine solche Gesetzesinitiative starten will.

Weil eine Elbbrücke in Sachsen-Anhalt gesperrt werden musste, gibt es noch immer Verspätungen im Bahnverkehr (Informationen der Bahn hier). Betroffen sind nach Angaben der Deutschen Bahn die ICE-Verbindungen Berlin-Köln und Berlin-Frankfurt am Main. Wegen der Umleitungen könne es zu Verspätungen von bis zu drei Stunden kommen.

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Kommentare

15 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Defacto hat der Minister doch recht

Deswegen sehe ich jetzt nicht wo genau Ihre Kritik ansetzt.

Das man Flüsse nicht in ein enges Corsett sperren sollte
und das es nicht klug ist seine Veranda direkt am Ufer zu bauen sollte doch mittlerweile jeder mitbekommen haben.

Natürlich haben Sie insofern recht, dass er viel sagen kann,
die Zuständigkeiten sind hier nun einmal nicht beim Bund
(was offensichtlich auch ein Fehler ist).

Das es sich für Politiker leider sehr oft nicht auszahlt, wenn sie unangenehme Warheiten aussprechen gilt natürlich auf der Gemeinde-Ebene (Face-to-Face Situation) besonders.
Ob das nun rümlich ist .....