Hochwasser : "Mit jedem Hochwasser wird man gelassener"

Sandsäcke auf Vorrat und gute Putzlappen: Familie Buschner hat ein Haus, das regelmäßig unter Wasser steht. An Wegziehen ist nicht zu denken, sagt J. Buschner.

Wenn Jeannette Buschner aus dem Fenster in ihren Garten schaut, sieht sie momentan nur eines: Wasser. Ihr Haus im sächsischen Leukersdorf liegt mitten im Hochwassergebiet, nicht zum ersten Mal ist ihr Garten überschwemmt. Doch Wegziehen kommt für die 35-jährige Polizistin und ihre Familie nicht in Frage.

ZEIT ONLINE: Gerade ist Ihr Grundstück wieder überflutet. Zum wievielten Mal eigentlich?

Jeannette Buschner: Seit 2010 ist das unser viertes Hochwasser. Danach hat es uns im Mai 2011 und nach der Schneeschmelze 2012 wieder getroffen. Und eben jetzt wieder. Inzwischen denke ich darüber nach, ob wir nicht Reis anbauen sollten.

ZEIT ONLINE: Trifft es immer nur den Garten?

Buschner: Nein, leider nicht. Vor drei Jahren haben wir montags den Kaufvertrag unterschrieben und am Samstag stand das Wasser im ganzen Haus etwa 80 Zentimeter hoch. Das war gewissermaßen unser Einzugsgeschenk. Unser einziges Glück war, dass es damals die Möbel des Vorbesitzers getroffen hat und unsere Sachen noch in der alten Wohnung in Plauen im Trockenen standen. Und dass die Versicherung auch Elementarschäden abgedeckt hat. Als die braune Schlammbrühe endlich raus war, ließ sich alles schnell wieder in Ordnung bringen. Einen Keller haben wir nicht, das ist in diesem Fall natürlich ein Vorteil.

ZEIT ONLINE: Wenn das immer wieder passiert: Wurde eigentlich in den letzten Jahren etwas in Sachen Hochwasserschutz getan?

Buschner: Ja. Nach dem großen Hochwasser 2002 wurde der Bach verlegt. Auf dem Feld hinter dem Haus gibt es seither eine große Deichanlage, die das Wasser in den Feldern anstaut. Und die Brückendurchlässe wurden erhöht. Der Witz ist: Erst vor zwei Wochen hatten wir eine Einwohnerversammlung, weil das Landesamt für Geologie eine Gefahrenanalyse erstellt hat und überlegt werden sollte, was noch unternommen werden kann, damit wir eben nicht mehr regelmäßig absaufen. Und bevor irgendwas umgesetzt werden konnte, hat es uns wieder getroffen. 

Stand: 3. Juni 2013, 15 Uhr © ZEIT ONLINE

ZEIT ONLINE: War Ihnen vor dem Hauskauf klar, auf was Sie sich einlassen?

Buschner: Jein. Mein Vater hat sein Haus wenige Meter von uns entfernt, von ihm wussten wir, dass die Tallage des Grundstücks ein Risiko ist. Mit der hohen Frequenz, in der wir überschwemmt werden, hatten wir allerdings nicht gerechnet. Aber man wird ja erfinderisch im Laufe der Zeit.

ZEIT ONLINE: Was heißt das?

Buschner: Inzwischen haben wir immer Sandsäcke im Haus, das ist das Wichtigste. Es gibt eine Pumpe. Und auf der hinteren Terrasse, die durch zwei Holzpfeiler begrenzt wird, liegen große Holzbohlen bereit. Sobald es nach Hochwasser aussieht, werden die mit Bauschaum eingeschäumt und in die Pfeiler eingehängt. Das gibt eine Barriere, die gut 30 Zentimeter Wasser abhält. Und ich habe immer gute Wischlappen im Haus.

ZEIT ONLINE: Wird man irgendwann gelassener?

Buschner: Auf alle Fälle. Man weiß ja spätestens nach dem zweiten Mal, was auf einen zukommt – und hat auch erlebt, dass sich im Grunde alle Schäden beheben lassen. Unsere Versicherung hat einen schönen Service für alle Hochwassergeschädigten: Immer wenn Starkregen droht, bekommt mein Mann eine Nachricht aufs Handy. Dann wissen wir: Es ist mal wieder an der Zeit, uns aufs Wasser vorzubereiten.

ZEIT ONLINE: Ganz ehrlich: Würden Sie dieses Haus in dieser Lage im nächsten Leben wieder kaufen?

Buschner: Am Samstag war mein Mann mal übergangsweise der Meinung, es wäre vielleicht besser gewesen, wir hätten uns etwas anderes gesucht. Aber eigentlich würde ich es wieder tun: Letztlich überwiegen die Vorteile immer noch. Man kann sich eben nicht vor allen Dingen im Leben schützen. Und letztlich sind wir sehr dankbar, dass sich bei uns die Schäden bislang immer in Grenzen gehalten haben. Den Menschen in Döbeln oder Grimma geht es da viel, viel schlimmer.

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Kommentare

13 Kommentare Kommentieren

Im Prinzip ja, aber

Wie sie an dem Ausmaß der Überflutungen sehen, ist es nicht so realistisch, so weit von Flüssen weg zu bauen, das schafft man nicht.

Sicherlich ist das zubetonieren von Flussauen schwachsinn, das ist keine Frage. Aber im engen Elbtal beispielsweise in der sächsischen Schweiz ist es nun mal Hochwassergebiet und da müssten sie das Ding schon komplett entvölkern, damit es keien Hochwasserschäden gibt.

Also: Im Prinzip ja, aber man kann sich auch drauf einstellen. Die schönste Art, sich darauf einzustellen findet sich meines Erachtens hier: http://www.holidaycheck.d...

Idden und Kosten

3."Also: Im Prinzip ja, aber man kann sich auch drauf einstellen. Die schönste Art, sich darauf einzustellen findet sich meines Erachtens hier: http://www.holidaycheck.d..."

man konnte im Tv sehen,dass viele Menschen zum zweiten Mal völlig überschwemmt wurden,und sagen,sie bleiben und renovieren wieder..
wenn man das schon macht ,sollte man wirklich das Erdgeschoss als Halle fliesen oä also ähnlich wie auf Ihrem Bild,wohnen erst ab dem ersten oder zweiten Stockwerk,denn die nächsten Überschwemmungen kommen bestimmt.
Man darf ja nicht vergessen,den Großteil muß letzten Endes der Steuerzahler zahlen,und immer wieder voll renovieren,wenn man genau weiß,die nächste Überschwemmung kommt wieder,ist doch letzen Endes nicht sinnvoll,auch wenn die Menschen sich mittlererweile dran gewöhnt haben,es macht doch einfach keinen Sinn auf Dauer,wie gesagt,man sollte auch die Kosten bedenken.Das istja ähnlich wie in den USA in die Tornadoeinzugsgebiete Leichtholzhäuser hinzustellen,die dann immer und immer wie Papier wegfliegen.

Unterschied Hochwasser - Tornado

Wenn ich in Passau ein Haus direkt an der Ortsspitze habe kann ich ziemlich sicher sein dass es bei Hochwasser überschwemmt werden wird und reagiere hoffentlich entsprechend (Heizung ins Dachgeschoss, Sicherungskasten ebenso, Einbauküche ins Obergeschoss anstatt ins Erdgeschoss usw).

Habe ich ein Leichtholzhaus in der Tornado Alley weiß ich dass es während der Tornado-Season irgendwelche Häuser dort trifft - aber nicht unbedingt meins denn die Schneise ist meist nur wenige Häuserblocks breit (wie schön auf den Fotos zu sehen war) und jedes Mal woanders.

Die Mehrkosten für eine stabilere Bauweise lohnen sich dort wohl eher nicht, weil die meisten Häuser nie von einem Tornado getroffen werden.

Andererseits würde eine Tornadoversicherung in diesen Gegenden Sinn machen / funktionieren da immer nur ein geringer Teil der Versicherungsnehmer betroffen ist - und zwar jedes Mal ein anderer.

Ganz anders beim Hochwasser, da trifft es sehr oft immer wieder die gleichen.

keine Tote

Es hat zum Glück keine Tote gegeben wie z. B. bei anderen Hochwasserkatastropen in Bangladesh u.a.

"Nur Hab und Gut" wurde zerstört, in einem reichen Land wie Deutschland natürlich von hohem Stellenwert.

Schlimm, daß die Böden verseucht wurden mit Öl und anderen Chemikalien, Tiere umkamen, die Ernte vernichtet wurde....

Aber die deutschen Bürger sind solidarisch und kommen gerne für die Schäden auf - wir erwarten allerdings, daß die Politiker und die Menschen in Hochwassergebieten sich besser und klüger vorbereiten auf die nächste Jahrhundertüberschwemmung.