Folgen der Flut : Hochwasser wird teurer als 2002

Der Scheitel des Hochwassers erreicht Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Schon jetzt wird der Schaden deutschlandweit auf eine zweistellige Milliardensumme geschätzt.

Die aufgrund der Überschwemmungen entstandenen Schäden in Teilen Deutschlands werden vermutlich teurer als bei der sogenannten Jahrhundertflut 2002. Die Kosten werden auf eine zweistellige Milliardensumme geschätzt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte zusätzliche finanzielle Hilfen des Bundes in Aussicht. "Wir wissen natürlich, dass die Schäden in die Milliardenhöhe gehen werden", sagte Merkel am Montag in Wittenberge. Wie hoch sie genau seien, stehe noch nicht fest. Am Donnerstag sollen die Flutschäden bei der Ministerpräsidentenkonferenz thematisiert werden, kündigte Merkel an. Vergangene Woche hatte der Bund bereits finanzielle Soforthilfe in Höhe von 100 Millionen Euro bereitgestellt.

Die Grünen forderten ein grundsätzliches Umdenken in der Hochwasserschutzpolitik. Nötig seien die Rückverlegung von Deichen, die Renaturierung von Auen und ein Stopp des Siedlungsbaus in Überflutungsgebieten, heißt es in einem Beschluss des Parteirates. Bund, Länder und Gemeinden müssten Hilfe von mehreren Milliarden Euro aufbringen, sagte Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt. Die Schäden seien noch sehr viel größer als bei der Flut von 2002. Dennoch liege die bislang von der Bundesregierung zugesagte Soforthilfe unter den 385 Millionen Euro von damals.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück forderte einen Fluthilfefonds wie bei den Überschwemmungen 2002. Damals sei der Fonds mit sieben Milliarden Euro ausgestattet worden, sagte Steinbrück.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) warnte bei der Verteilung der Fluthilfen vor einer Benachteiligung finanzschwacher Bundesländer. Verhindert werden müsse "eine Verteilung nach Windhundprinzip, auch später von der Flut betroffene Menschen müssen noch die Landeshilfen ergänzenden Bundesmittel bekommen können", sagte er der Zeitung Die Welt.

Main, Donau und Elbe sind seit Tagen nicht befahrbar

Auch die Versicherungsbranche rechnet mit größeren finanziellen Schäden als vor elf Jahren. "Wir müssen davon ausgehen, dass der Schaden durchaus höher sein kann als bei der Elbe-Flut 2002", sagte der Präsident des Branchenverbandes GDV, Alexander Erdland. 2002 hatte das Hochwasser die Branche 1,8 Milliarden Euro gekostet.

Die Versicherungswirtschaft hat zudem laut Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) eine schnelle Regulierung der Flutschäden zugesagt. Schadensfälle sollen kurzfristig analysiert und bearbeitet werden. Zudem solle es Abschlagszahlungen geben, sagte Rösler nach einem Treffen mit Branchenvertretern.

Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt teilte mit, der wirtschaftliche Schaden durch die Einschränkungen im Schiffsverkehr belaufe sich auf mehrere Millionen Euro. Wichtige Wasserstraßen wie Main, Donau oder Elbe seien bereits seit Tagen nicht mehr befahrbar. Bis der Schiffverkehr wieder normal läuft, kann es nach Angaben des Verbandes noch mehrere Tage dauern.

Im ebenfalls von Überschwemmungen betroffenen Tschechien belaufen sich die Schäden in der Landwirtschaft auf umgerechnet 78 Millionen Euro. Das teilte der Chef der tschechischen Landwirtschaftskammer, Jan Veleba, mit. 2002 betrugen die Schäden etwa 140 Millionen Euro.

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Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

etwas kurzsichtig

erstens gibt es Gelder (Soforthilfen, Strukturmaßnahmen, langfristige Hilfen)

zweitens hat auch der Bau von Gebäuden direkt an Flüssen etwas von "Zocken". Der Baugrund war sicher billiger. speziell bei Flüssen, die nicht ganz so selten "dran" sind.

Obwohl auch Teile meiner Verwandtschaft betroffen sind, kann ich echtes Mitleid mit Flutopfern nur in Gegenden empfinden, die derart flach sind, dass die Flußbreite in Kilometern gemessen wird. Dort sind die Auswirkungen nicht immer vorhersehbar. Das heißt nicht, dass ich nicht beim Dammbau oder bei Räumarbeiten helfe, aber wenn der Fluss sogar das erste Obergeschss erreicht, dann war man einfach zu nah dran. Ob der Bau dabei in den letzten 5 Jahren erfolgte, oder dort vor 500 Jahren schon Häuser standen, ist für mich dabei irrelevant.

Ansonsten ist die Renaturierung ein schöner Plan, vielerorten aber nicht umsetzbar. Langfristig sollten aber in Flutbereichen bis 1m unter langfristigem Spiztenwert einfach keine Baugenehmigungen mehr erteilt werden, den Rest macht die Zeit

Auch wenn die Schäden den gleichen „materiellen“ Schaden

als Sachhintergrund haben, dann wird der Schaden durch 10 Jahre Inflation um 20% teurer.
Der Aufwand mit Hilfe von elektrischen „Trocknern“ wird durch die EEG-Abgabe ja auch nicht billiger.
Und wenn neue Gebäude in gefährdeten Gebieten errichtet wurden, dann kommt ein weiterer Aufschlag hinzu.