HungerstreikAsylbewerber in München drohen mit Selbstmord

Seit Tagen befinden sich 50 Asylbewerber in München im Hungerstreik. Sie fordern die Anerkennung der Asylanträge und wollen sich nicht mehr medizinisch behandeln lassen.

Etwa 50 Asylbewerber in München, die seit Dienstag in einen Hungerstreik getreten sind, lehnen jede weitere medizinische Versorgung ab und drohen mit Selbstmord. Die Flüchtlinge wollen damit die Anerkennung ihrer Asylanträge durchsetzen. In einer Stellungnahme schreibt die Gruppe, sie werde "keinen Schritt zurückweichen", bis die Forderung erfüllt sei.

Die Asylbewerber stammen aus Nigeria, Äthiopien, Pakistan und anderen Staaten. Sie kampieren in einem Zeltlager auf dem Münchner Rindermarkt in der Nähe des Marienplatzes. Die Stadt duldet das Lager als Demonstration und hat die Hungerstreikenden in den letzten Tagen medizinisch versorgen lassen.    

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Lebensgefährlich ist vor allem der Verzicht auf Trinken. In der Regel verdursten Menschen nach wenigen Tagen ohne Wasser. Bislang mussten nach Angaben der Stadt 19 Asylbewerber ins Krankenhaus gebracht werden, darunter die Mutter zweier kleiner Kinder.

Die Demonstranten haben das Angebot des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge abgelehnt, ihre Anträge binnen zwei Wochen zu prüfen. Sie fordern "die Anerkennung aller Asylsuchenden als politische Geflüchtete" und einen "Stopp aller Abschiebungen".

"Erste Priorität Menschenleben"

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude appellierte an die Demonstranten, "den Ernst der Lage zu erkennen und die Aussichtslosigkeit der Maximalforderung". Eine sofortige Anerkennung der Asylanträge sei rechtlich nicht möglich, sagte der SPD-Politiker. "Erste Priorität hat die Rettung von Menschenleben, zweite Priorität das Kindeswohl", sagte Ude. Erst danach komme das Demonstrationsrecht.

Die Stadt München erwägt angesichts der gefährlichen Lage für die Hungerstreikenden, das Zeltlager aufzulösen. Es soll unbedingt vermieden werden, dass Menschen durch den Protest sterben. Ude sagte, die Behörden hätten jederzeit das Recht, Ärzte in das Zeltlager zu schicken. "Dem Versammlungsleiter ist ausdrücklich verboten, das zu behindern. Das wäre eine Straftat", warnte der Oberbürgermeister.

Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer forderte die Asylbewerber eindringlich auf, ihren Hungerstreik zu beenden, zumindest wieder zu trinken. "Hierzulande ist Politik nicht erpressbar", sagte die CSU-Politikerin. "Wir leben in einem Rechtsstaat, wo man sich nicht durch Hungerstreiks eine Vorzugsbehandlung erzwingen kann." Der Münchner Kardinal Reinhard Marx kritisierte dagegen sowohl die lange Dauer der Asylverfahren beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge als auch die Unterbringung und Verpflegung durch die Behörden.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf diskriminierende Äußerungen. Die Redaktion/mak

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    • mick08
    • 28. Juni 2013 18:35 Uhr

    "Wirtschaftsflüchtlinge denen es in Deutschland so gut geht das sie auf Essen verzichten sollte man direkt abschieben."

    Sie wissen, dass es sich um Wirtschaftsflüchtlinge handelt?
    Sie wissen warum Sie politisches Asyl suchen?
    Sie wissen, was sie bei den Behörden durchgemacht haben, dass sie sich innerlich gezwungen fühlen, zu diesem letzten Mittel des Hungerstreiks oder Selbstmord zu greifen?

    Selbstmord begeht man aus Wohlstand heraus, weil es einem so gut geht?

    Menschen, die in offensichtlicher Verzweiflung auf ihre Lage aufmerksam machen - eine Verzweiflung, die Sie offensichtlich nicht kennen - müssen abgeschoben werden?

    Jeder, der ein bisschen Verstand und Herz hat, weiß, dass Menschen die extrem verzweifelt sind mit drastischen Maßnahmen auf ihre Lage aufmerksam machen - das es überhaupt erst so weit kommen musste, was ist unser Anteil daran?

    Wäre es nicht mal an der Zeit diesen Flüchtlingen zuzuhören?

    Ihre Schlussfolgerung ist an Dummheit auch nur schwer zu überbieten: "Man kann ja auch Asyl in Polen, Weissrussland oder Saudi Arabien beantragen wem es in Deutschland nicht passt." Wie soll dass denn gehen, stellen Sie den Flug nach Weißrußland oder Saudi Arabien aus?

    Polen könnte eine Alternative sein oder auch nicht, das hängt von den Umständen ab, über die Sie sich aber nicht informiert haben.

    Danke an die Flüchtlinge, dass sie bequeme/gesättigte Deutsche aufwecken

    Traurig, wie ein bequemer Wohlstandsbürger so pauschal aburteilen und "gute Ratschläge" gibt.

  2. Von einer Publikation, die sich zur Qualitätspreese rechnet, würde man natürlich gerne auch etwas über das Umfeld der Durststreikenden erfahren.

    Um welche Organisationen handelt es sich da, die eine derart verantwortungslose Inszenierung unterstützen? Jeder, der bis drei zählen kann, muß doch erkennen, daß der Staat sich hier nicht erpressen lassen kann.

    63 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen. Danke, die Redaktion/jp

    • isback
    • 28. Juni 2013 18:15 Uhr

    ... Druckmittel, das man ignorieren sollte.

    Mit dieser Missachtung unserer Rechtsordnung sollten sich die Asylanträge ohnehin erledigt haben.

    46 Leserempfehlungen
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    "Schwaches ...
    ... Druckmittel, das man ignorieren sollte.
    Mit dieser Missachtung unserer Rechtsordnung sollten sich die Asylanträge ohnehin erledigt haben."

    Eines Tages wirst du hoffentlich auch mal in eine solche Lage geraten. Mal sehen ob sich das dann auch von selbst erledigt...

  3. 4. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

    7 Leserempfehlungen
  4. 5. […]

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    Antwort auf "[...]"
  5. 6. […]

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    Antwort auf "So geht's nicht"
  6. 8. […]

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, zz
  • Schlagworte München | Selbstmord | Christian Ude | Abschiebung | Arzt | Behörde
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