ÜberschwemmungenIndische Regierung rechnet mit mehr als 1.000 Toten

Unwetter erschweren den Rettungskräften, ins Katastrophengebiet in Indien zu gelangen. Der Ganges war nach heftigen Monsun-Regengüssen über die Ufer getreten.

Soldaten reparieren eine Fußgängerbrücke in Govindghat im indischen Bundesstaat Uttarakhand.

Soldaten reparieren eine Fußgängerbrücke in Govindghat im indischen Bundesstaat Uttarakhand.  |  ©REUTERS/Danish Siddiqui

In Indien sind mindestens 680 Menschen bei Überschwemmungen und Erdrutschen getötet worden. Zehntausende Menschen würden im Norden des Landes vermisst, teilten die Behörden mit. Anhaltende Unwetter behindern allerdings die Rettungskräfte.

Besonders viele Tote und schwere Schäden gab es im Bundesstaat Uttarakhand. Der dortige Regierungschef, Vijay Bahuguna, sagte der Times of India, er rechne mit mehr als 1.000 Toten. Es sei eine der schlimmsten Katastrophen, die seinen Staat jemals getroffen hätten. 

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"Die Tragödie wird gerade erst deutlich", sagte Bahuguna. Die Lage könne erst komplett eingeschätzt werden, wenn die Rettungskräfte alle betroffenen Gebiete erreicht hätten. Etwa 15.000 Menschen sind in abgelegenen Regionen seit Tagen ohne Trinkwasser und Nahrung von der Außenwelt abgeschnitten und haben keine Unterkünfte zum Schutz gegen die nächtliche Kälte.

Durch verfrüht einsetzende Monsun-Regenfälle war der Ganges über die Ufer getreten. "Es wird alles Menschenmögliche getan", sagte Informationsminister Manish Tewari. Retter berichteten von unter Schlamm und Geröll begrabenen Leichen.  

Die Armee spannte Seile über reißende Flüsse, um gestrandete Pilger zu retten. Im Himalaya gibt es zahlreiche Hindu-Schreine und Tempel, zu denen Gläubige pilgern. Flugzeuge bringen Hilfsmittel in die Region, die Luftbrücke musste aber wegen neuer Unwetter zeitweilig unterbrochen werden. Dutzende Hubschrauber und mehr als 10.000 Soldaten sind im Einsatz.

100.000 Menschen in Sicherheit gebracht 

Im benachbarten Bundesstaat Himachal Pradesh wurden nach Angaben von Innenminister Sushil Kuma Shinde 30.000 Menschen in Sicherheit gebracht. In Uttarakhand waren es mehr als 70.000 Menschen. 

Die Einsatzkräfte stoßen immer wieder auf neue Gruppen von Gestrandeten. In der besonders schwer betroffenen Region zwischen Kedarnath und Gaurikund in Uttarakhand wurde etwa eine Gruppe von etwa tausend Pilgern von Hubschraubern aus gesichtet. Die Rettungsaktionen könnten noch Tage dauern, hieß es. Meteorologen erwarten zu Wochenbeginn weitere schwere Regenfälle in der Krisenregion.  

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Leserkommentare
  1. nach zwei Tagen ein erneuter Versuch, in unserer Entertainmentgesellschaft Aufmerksamkeit für diese Katastrophe zu bekommen.

    5 Leserempfehlungen
  2. dass angesichts solcher Meldungen das dauernde Repetitieren von "Jahrhundertkatastrophe", "katastrophalen Unwettern" usw. mal ein bisschen überdacht wird. Es ist keine Katastrophe, wenn in ein paar schlecht konstruierten Zügen die Klimaanlage ausfällt oder nach ein einigen knackigen Gewittern ein paar Keller vollaufen. Selbst die aufreißenden Autobahnen und ihre tragischen Folgen sind keine Umweltkatastrophe, sondern hauptsächlich die Folge billiger Bauweise und mangelhafter Qualität (man vergleiche mal den Zustand des Asphalts in unseren Nachbarländern - Sommers wie Winters, wird da was deutlich?).

    Auch die Fluten der Elbe, Donau usw. haben sich im Wesentlichen auf Sachschaden beschränkt und den sollen gefälligst die geldgierigen Versicherungen ersetzen.

    In Indien haben 1000 Menschen ihr Leben verloren, Zehntausende alles Hab und Gut, dass wenig genug war. Da gibt es keine Versicherung.

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    • jofl
    • 23. Juni 2013 19:30 Uhr

    @vonZeitzuZeit

    Sie schreiben: „Auch die Fluten der Elbe, Donau usw. haben sich im Wesentlichen auf Sachschaden beschränkt und den sollen gefälligst die geldgierigen Versicherungen ersetzen.“

    Was meinen Sie mit „im Wesentlichen“? Ich lade Sie auf einen Spaziergang durch Passau ein, meine Heimatstadt. Ich zeige Ihnen die unbewohnbar gewordenen und nicht einfach mal so wieder herstellbaren „Zuhausen“ von Einwohnern, die mehr verloren haben als „Sachen“.

    Ganz offensichtlich mangelt es Ihnen an der Erfahrung und dem Erleben der Katastrophe. Das kann und will ich Ihnen nicht zum Vorwurf machen. Aber dass sie aus (wie ich vermute) sicherer Warte aus glauben Urteil abgeben zu dürfen über die Qualität von „Schaden“, das empfinde ich als gefühllos angesichts dessen, wie ich „meine“ Stadt zwei Wochen nach der Flutkatastrophe erlebe. Gebe Gott oder wer auch immer, dass es Ihnen nie so gehen möge.

  3. Zur Erleichterung aller Klimawandel-Leugner weiß man in der Gegend noch nichts von dem CO2, das wir seit Jahrzehnten in die Luft blasen, und es gibt sogar Verschwörungstheorien, dass eine lokale Göttin zornig geworden sei, weil man kurz vor dem sintflutartigen Regen ihre Statue wegen eines geplanten Staudamms auf einen höher gelegenen Platz umziehen wollte:
    http://www.downtoearth.or...
    http://indorecity.co/uma-...

    • jofl
    • 23. Juni 2013 19:30 Uhr

    @vonZeitzuZeit

    Sie schreiben: „Auch die Fluten der Elbe, Donau usw. haben sich im Wesentlichen auf Sachschaden beschränkt und den sollen gefälligst die geldgierigen Versicherungen ersetzen.“

    Was meinen Sie mit „im Wesentlichen“? Ich lade Sie auf einen Spaziergang durch Passau ein, meine Heimatstadt. Ich zeige Ihnen die unbewohnbar gewordenen und nicht einfach mal so wieder herstellbaren „Zuhausen“ von Einwohnern, die mehr verloren haben als „Sachen“.

    Ganz offensichtlich mangelt es Ihnen an der Erfahrung und dem Erleben der Katastrophe. Das kann und will ich Ihnen nicht zum Vorwurf machen. Aber dass sie aus (wie ich vermute) sicherer Warte aus glauben Urteil abgeben zu dürfen über die Qualität von „Schaden“, das empfinde ich als gefühllos angesichts dessen, wie ich „meine“ Stadt zwei Wochen nach der Flutkatastrophe erlebe. Gebe Gott oder wer auch immer, dass es Ihnen nie so gehen möge.

    Antwort auf "Die Hoffnung bleibt,"
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    @vonZeitzuZeit wollte Ihnen doch nicht sein (und unser) Mitgefühl entziehen, sondern er wollte die Relationen wiederherstellen. Denn oft scheint die (mangelnde) Berichterstattung zu suggerieren, dass ein Menschenleben und eine Existenz in Indien oder Bangladesh weniger wert seien als in Deutschland oder den USA. In meiner Heimat (im Bereich der Nebenflüsse des Inn) haben Leute, denen nur der Keller vollgelaufen ist, schon eine Soforthilfe von 1500 Euro bekommen.

    User fxrichter hat das richtig verstanden.

    Ich wollte nicht kaltherzig oder gefühllos gegenüber den Opfern z. B. des Hochwassers bei uns erscheinen. Ich weiß, dass mancher Dinge verloren hat, die ihm am Herzen liegen.

    Meine Kritik richtete sich vor allem gegen den Umgang der Medien mit diesen sogenannten "Katastrophen", den empfinde ich nämlich als effekthascherisch, letztendlich gefühllos und vor allem natürlich auch politikmachend. Es wird mit den Gefühlen aller gespielt, sowohl der Betroffenen, als auch der Beobachter. Inzwischen wird jedes heftige Sommergewitter zur "Unwetterkatastrophe" hochgebauscht.

    Die Flut war ein schlimmes und nicht alljährliches Ereignis,ja.
    Aber in Folge des Hochwassers in Deutschland wird niemand hungern. Niemand wird länger als höchstens einige Tage kein festes Dach über dem Kopf haben, wenn überhaupt. Versicherungen werden zahlen und wenn nicht, springt der Staat mit Millionen ein. In einem Jahr wird Passau wieder so aussehen, wie zuvor.

    Allein die Tatsache, dass es nach den Erfahrungen z. B. von 2002 Bürgerinitiativen gegen(!) den Bau von Hochwasserschutzanlagen gab, weil manche sich in der Aussicht gestört fühlten(!!), sagt für mich viel über die wirkliche Herz- und Hirnlosigkeit mancher, aber auch darüber, dass diese Ereignisse sich eben nicht kollektiv-universell als massives Trauma verankern.

    Vergleichen Sie das alles mal mit der Situation in Indien. Dort ist das hundertfache Sterben noch nicht vorbei.

  4. @vonZeitzuZeit wollte Ihnen doch nicht sein (und unser) Mitgefühl entziehen, sondern er wollte die Relationen wiederherstellen. Denn oft scheint die (mangelnde) Berichterstattung zu suggerieren, dass ein Menschenleben und eine Existenz in Indien oder Bangladesh weniger wert seien als in Deutschland oder den USA. In meiner Heimat (im Bereich der Nebenflüsse des Inn) haben Leute, denen nur der Keller vollgelaufen ist, schon eine Soforthilfe von 1500 Euro bekommen.

    Eine Leserempfehlung
    • Morein
    • 23. Juni 2013 22:49 Uhr

    @3. Mögliche Ursache: Umzug einer Götterstatue

    In mehrfacher Hinsicht interessant ihr Beitrag. Der Hintergrund ist der Bau von einem Staudamm das eines der großen Bauprojekte in Indien ist um den unersättlichen und stetig steigenden Energiehunger der modernen Konsumgesellschaft zu lindern.Die damit verbundenen massiven Eingriffe in den natürlichen Wasserkreislauf haben leider auch massive unerwünschte Nebenwirkungen darauf wie sich die Flüsse nach heftigen Niederschlägen verhalten.Zunehmende Bebauung und Versiegelung großer Flächen und besonders die ausufernde allgemeine Verstädterung und die Expansion der Industrie mit all ihren Nebenfolgen tun ihr übriges dazu.So ist es nicht wunderlich das man immer deutlicher die Auswirkungen zu spüren bekommt.Das ist nicht nur in Indien so, auch in China bekommt man es schmerzlich zu spüren.Deswegen entstehen auch immer stärkere Protestbewegungen in diesen Ländern die hier nur nicht wahrgenommen werden.Besonders in Indien ist ein Wandel zu beobachten.Grade jener Bevölkerungsanteil in der spirituellen Kultur Indiens verwurzelten Menschen auf dem Land und die spirituell – religiös lebenden Menschen wehren sich zunehmend gegen die gigantische Umweltzerstörung die gegen alle Vernunft und gegen alle Traditionen Indiens verstößt. Alleine der Protest gegen den Bau von Atomkraftwerken hat große Dimensionen bekommen und die indische Regierung bekommt zunehmend massive Schwierigkeiten ihre Großprojekte auf die schnelle durchzusetzen.

    • Morein
    • 23. Juni 2013 22:51 Uhr

    Und besonders Frauen spielen in diesen Protesten eine sehr große Rolle der oft als „Ungebildet und Rückständig“ bezeichneten Anhänger dieser alten Kultur Indiens.Mein Respekt! Grade die in ihren Kommentar durchklingende Einstufung der Anhänger dieser uralten Kultur als „Rückständig“ ist ein Teil des Versuches diesen Widerstand der Bevölkerung zu zerschlagen weil man sie damit diskreditieren will. So zielten den auch Äußerungen des PM zu den Antiatomprotesten hin der diese Menschen als Ungebildet beleidigte.

    Der Hintergrund dieses speziellen Tempels ist es das die Geschichte der Statur der Göttin Dahri Devi in diesem Tempel unmittelbar mit dem Alaknanda-Fluss und einer gigantischen Überschwemmung verbunden ist.Ausgelöst durch das entfernen jenes heiligen Steines aus dem die Bildgestalt der Göttin dort besteht.Erst als die Statur wieder an ihren alten Platz verbracht wurde besserten sich die Unwetter.1882 versuchte man erneut diesen Tempel zu verlegen als eine massive Überschwemmungskatastrophe unbekannten Ausmaßes die Region heimsuchte.Wieder wurde die Statur an ihren Ursprungsort gestellt.Und die Unwetter verebbten.Nun am 15.Juni und nun das.

    Schauen wir mal wer sich da behaupten wird.Immerhin hat diese alte Kultur Jahrtausende überdauert wohin gegen unsere schon nach 100 Jahren auf einem tiefen Abgrund zurast.

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    Was Staudämme betrifft: Rishikesh, das durch die Beatles und Maharishi bekannt wurde, ist von der Überschwemmung stark mitgenommen worden, das Schlimmste wurde aber durch einen Staudamm verhindert.

    http://www.thehindu.com/t....

    Staudämme werden also angesichts des Klimawandels gerade für den Hochwasserschutz nötig sein.

    Über gekränkte Gottheiten muss man nicht groß diskutieren, die fallen in die Kategorie "not quite enlightend". Das sagte Maharishi einst über Möchtegern-Erleuchtete, die aber noch zornig und zerstörerisch werden. "Lord Voldemort", würde Rowling sagen. Oder jener Asket, den Maharishis Meister Guru Dev nach dem Feuer fragte. Als er aufbrauste, weil man einen Asketen nicht nach dem Feuer fragt, sah der junge Gottsucher, dass das kein geeigneter Meister sei und zog weiter.

    Also die Göttin wurde zornig? Eine Mutter ersäuft ihre Kinder? Was ist das für ein Gottesbild, da freuen sich nur die christlichen Missionare. Nein, das kann ich nicht glauben. Ich denke, die Mutter musste den Rückzug antreten, weil sie in einer globalisierten Welt mit einer Atmosphäre voller CO2 einfach nichts mehr machen kann. Dann lieber einen Staudamm bauen, der die zu erwartenden Fluten in den nächsten Jahren wenigstens dosieren hilft, wie bei Rishikesh. Und Gruppen von Yogischen Fliegern & von Pandits, die Rudrabhishek chanten und das Weltbewusstsein ("Atmosphäre") reinigen.

  5. User fxrichter hat das richtig verstanden.

    Ich wollte nicht kaltherzig oder gefühllos gegenüber den Opfern z. B. des Hochwassers bei uns erscheinen. Ich weiß, dass mancher Dinge verloren hat, die ihm am Herzen liegen.

    Meine Kritik richtete sich vor allem gegen den Umgang der Medien mit diesen sogenannten "Katastrophen", den empfinde ich nämlich als effekthascherisch, letztendlich gefühllos und vor allem natürlich auch politikmachend. Es wird mit den Gefühlen aller gespielt, sowohl der Betroffenen, als auch der Beobachter. Inzwischen wird jedes heftige Sommergewitter zur "Unwetterkatastrophe" hochgebauscht.

    Die Flut war ein schlimmes und nicht alljährliches Ereignis,ja.
    Aber in Folge des Hochwassers in Deutschland wird niemand hungern. Niemand wird länger als höchstens einige Tage kein festes Dach über dem Kopf haben, wenn überhaupt. Versicherungen werden zahlen und wenn nicht, springt der Staat mit Millionen ein. In einem Jahr wird Passau wieder so aussehen, wie zuvor.

    Allein die Tatsache, dass es nach den Erfahrungen z. B. von 2002 Bürgerinitiativen gegen(!) den Bau von Hochwasserschutzanlagen gab, weil manche sich in der Aussicht gestört fühlten(!!), sagt für mich viel über die wirkliche Herz- und Hirnlosigkeit mancher, aber auch darüber, dass diese Ereignisse sich eben nicht kollektiv-universell als massives Trauma verankern.

    Vergleichen Sie das alles mal mit der Situation in Indien. Dort ist das hundertfache Sterben noch nicht vorbei.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP, rav
  • Schlagworte Erdrutsch | Flugzeug | Fluss | Innenminister | Katastrophe | Regierungschef
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