Religion : Erste muslimische Gemeinde erhält Kirchenstatus

Hessen hat die Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt. Diesen Status hat neben den Kirchen auch die Jüdische Gemeinde.

Hessen hat als erstes Bundesland eine muslimische Vereinigung als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Das teilte die Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) mit. Durch die Anerkennung hat die AMJ die gleichen Rechte wie die großen christlichen Kirchen und könnte auch eigene Steuern erheben. Abdullah Uwe Wagishauser, der Vorsitzende der Gemeinde, sagte, die AMJ wolle den Status nutzen, um zum Beispiel islamische Friedhöfe im Rhein-Main-Gebiet und in Hamburg zu eröffnen. Steuern sollen vorerst nicht erhoben werden.

Wagishauser sagte, die AMJ plane mehrere Bauprojekte, für die man sich jetzt Unterstützung erhoffe. "In den Gegenden, in denen viele Mitglieder unserer Gemeinde leben, muss es auch Raum für eine Moschee geben", sagte er. Bundesweit unterhalte die AMJ bereits 36 Moscheen mit Minarett und Kuppel. Im Juni sollen drei weitere in Flörsheim und Fulda sowie im rheinland-pfälzischen Neuwied eröffnet werden.

Die AMJ gilt als eine gemäßigte muslimische Reformbewegung. Eigenen Angaben zufolge ist sie in Deutschland seit den 1950er Jahren aktiv, hat etwa 225 Gemeinden und mehr als 35.000 Mitglieder, 15.000 davon im Rhein-Main-Gebiet. "Die AMJ vertritt als einzige muslimische Gemeinde keine politischen oder kulturellen Interessen", sagte Wagishauser.

Koordinationsrat der Muslime reagiert verhalten

Der Koordinationsrat der Muslime (KRM), der vier große muslimische Dachverbände vertritt, reagierte verhalten auf die Entscheidung des hessischen Kultusministeriums. Bei der AMJ handele es sich "um eine eigenständige Religionsgemeinschaft mit muslimischen Elementen", hieß es in einer Pressemitteilung. Der Verband der Islamischen Kulturzentren und der Zentralrat der Muslime in Deutschland hätten "bereits im letzten Jahrhundert als Religionsgemeinschaften die Anerkennung auf Körperschaft beantragt, ohne dass diese bis zu diesem Zeitpunkt beschieden wurden", hieß es weiter.

Die AMJ hatte den Antrag auf Anerkennung nach eigenen Angaben erst Anfang 2011 gestellt. Wagishauser kündigte an, andere muslimische Gemeinden beim Streben nach rechtlicher Anerkennung zu unterstützen. Gleichzeitig distanzierte er sich von radikalen islamischen Bewegungen.

"Die Salafisten vertreten Ansichten, die mit dem Glauben nicht im Einklang stehen", sagt er. "Unsere Lehre steht dagegen auch im Einklang mit den Menschenrechten und dem Grundgesetz." Bestes Mittel gegen die Radikalisierung junger Muslime sei frühe Aufklärung. Die AMJ begleitet vom Schuljahr 2013/2014 an den bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht an hessischen Grundschulen.

Als Körperschaften öffentlichen Rechts sind in Deutschland nicht nur die beiden großen christlichen Kirchen – die katholische und die evangelische – anerkannt. Denselben Rechtsstatus haben zum Beispiel auch die Jüdische Gemeinde, die Zeugen Jehovas oder die Griechisch- und die Russisch-Orthodoxe Kirche.

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