HochwasserDeiche bei Magdeburg stehen unter Spitzenlast

Das Wasser in Magdeburg steigt und steigt. Der Bürgermeister warnt vor einem "dramatischen Wochenende". Auch in Sachsen und Brandenburg bleibt die Situation angespannt.

Feuerwehreinsatz in Magdeburg: Mit Sandsäcken und Pumpen gegen das Hochwasser

Feuerwehreinsatz in Magdeburg: Mit Sandsäcken und Pumpen gegen das Hochwasser  |  © Jens Wolf/ dpa

Die Einsatzkräfte in Sachsen-Anhalt kämpfen weiter gegen die Wassermassen von Elbe und Saale. An der Elbe ist die Lage besonders dramatisch, unter anderem in Magdeburg und Aken. So erreichte die Elbe in der Landeshauptstadt am Morgen eine Höhe von 7,30 Metern. Damit steht der Fluss schon jetzt rund sechzig Zentimeter höher als beim Hochwasser 2002. Erwartet wird ein Scheitelpunkt von 7,40 Metern. Normal sind 2,20 Meter.


Größere Kartenansicht

Im Stadtteil Rothensee wurden die Bewohner aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Das Wasser der Elbe sei so hoch gestiegen, dass es über eine Hauptstraße in die tiefer gelegene Siedlung strömt. Betroffen sind etwa 2.800 Personen. Der Strom wurde vorsorglich abgeschaltet.

Anzeige

Oberbürgermeister Lutz Trümper hatte die Bürger zuvor in einem offenen Brief auf ein "dramatisches Wochenende" vorbereitet. Die Stadt erlebe eine Ausnahmesituation, wie es sie nur selten gegeben habe. Am kritischsten sei der Abschnitt bei Pechau im Osten der Stadt (Karte), wo der Deich zu brechen drohe. "Wenn das passiert, läuft der ostelbische Teil voll wie eine Badewanne", sagte Trümper.

Derzeit sind mehr als 3.000 Einsatzkräfte vor Ort, 1.000 Bundeswehrsoldaten sind auf dem Weg. Aus den Stadtgebieten östlich der Elbe wurden alte und pflegebedürftige Menschen in Sicherheit gebracht.

Auch in Brandenburg bleibt die Lage angespannt. In Wittenberge begannen Einsatzkräfte am Abend, die Altstadt zu evakuieren. Etwa 1.500 Einwohner sollen ihre Wohnungen verlassen, teilte der Landrat des Kreises Prignitz, Hans Lange mit. Gegen 19.15 Uhr erreichte die Elbe in der Stadt einen historischen Höchststand von 7,45 Meter – ein Zentimeter mehr als beim bisherigen Rekord im Jahr 1880. 

Im brandenburgischen Mühlberg hat der Druck auf den Deich weiter zugenommen, obwohl der Pegelstand auf 9,77 Meter gesunken ist. 4.500 Bürger mussten in Sicherheit gebracht werden, an eine Rückkehr in ihre Häuser und Wohnungen ist noch nicht zu denken. Polizisten sind unterwegs, um das Eigentum der Bürger zu sichern. 

In Bitterfeld in Sachsen-Anhalt herrscht dagegen nach tagelangem Bangen erstmals wieder "vorsichtiger Optimismus". Die Differenz der Pegelstände zwischen den beiden Seen sank um mehr als einen halben Meter auf nun 5,95 Meter. Die Lage sei zwar immer noch ernst, erklärte die Expertenkommission. Aber alle bisher ergriffenen Maßnahmen gegen das Hochwasser zeigten inzwischen Erfolge. Nachdem ein Damm gebrochen und eine Flutwelle befürchtet worden war, waren Teile der Stadt evakuiert worden.

In Halle an der Saale ist der Pegelstand des Flusses um rund einen halben Meter gesunken. Das Wasser stand am Morgen 6,99 Meter hoch. Trotzdem bleibt die Lage dort angespannt, zwei Dämme, der Passendorfer und der Gimritzer Damm, sind weiter unter enormem Druck.

Wo ist das Hochwasser am schlimmsten?



Auch in Sachsen sind die Pegelstände an vielen Orten gesunken. Das bedeutet jedoch nicht automatisch Entspannung. Denn die Wassermassen fließen im sächsischen Elbtal nur zentimeterweise ab. Nach wie vor stehen Orte und Stadtteile unter Wasser, Straßen und Brücken sind gesperrt und der Bahnverkehr behindert. Die Deiche und Schutzwälle in Dresden gelten zwar als sicher, werden aber weiter überwacht.   


In Lauenburg in Schleswig-Holstein heißt es dagegen abwarten. Der Pegel steigt dort weiter, allerdings langsamer als erwartet – auf jüngst 6,66 Meter. Fachleute gehen davon aus, dass die Elbe am Mittwoch mit 9,25 Metern ihren höchsten Stand erreichen wird.

In Bayern entspannt sich die Situation inzwischen. Im Landkreis Deggendorf können die meisten Menschen in ihre Häuser zurückkehren. Ausgenommen sind Stadtteile, die noch immer überflutet sind. Dort wird nach Lösungen gesucht, wie die restlichen Wassermassen entfernt werden können.

Twitter-Liste von ZEIT ONLINE zum Hochwasser hier

Sind Sie vom Hochwasser betroffen? Schreiben Sie uns hier

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. In Magdeburg ist das Hochwasser der Elbe in den letzten 24 Stunden um 24 cm gestiegen. Inzwischen scheint der Scheitel einigermaßen erreicht zu sein. Vergleicht man die Lage mit anderen Orten flußaufwärts, sieht man, dass der Scheitel jeweils knapp zwei Tage erhalten bleibt, bis das Wasser dann wieder sinkt.

    Sehr viel dramatischer sieht die Lage flußabwärts aus. Ich beobachte seit Tagen den Pegelstand der Elbe in Hitzacker, weil mein Vater im Landkreis Lüchow-Dannenberg lebt. Die Elbe stieg dort heute Vormittag jede Stunde um 6 cm. Inzwischen steigt sie bereits um 7 cm pro Stunde.

    Dennoch sind nur noch 3 Schulen dort geschlossen (sie werden weiterhin zur Unterbringung der Hilfstruppen gebraucht) und für die meisten Kids sind Montag die Sonderferien schon wieder vorbei.

    http://www.wetteronline.d...

    Eine Leserempfehlung
  2. Das hätte jetzt nicht unbedingt noch sein müssen! Hier die aktuellen Unwetterwarnungen:

    http://www.dwd.de/bvbw/ap...

  3. das die Handballer des SC Magdeburgs (Bundesliga) nach dem Spielausfall Richtung Deiche gegangen sind und mitgeholfen haben Sandsäcke zu füllen.

    So sehen für mich Vorbilder aus. (Taten statt Worte)

    5 Leserempfehlungen
  4. 4. [...]

    Entfernt. Bitte kommentieren Sie den Inhalt des Artikels. Die Redaktion/mak

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, mm, ds
  • Schlagworte Bundeswehrsoldat | Eigentum | Entspannung | Fluss | Hochwasser | Oberbürgermeister
Service