Verteidigungsminister Thomas de Maizière muss sich im Fall des gescheiterten Drohnenprojekts Euro Hawk erneut Fragen und Vorwürfe gefallen lassen. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, der CDU-Politiker habe entgegen bisheriger Beteuerungen sowohl seines Ministeriums als auch von ihm selbst doch schon im Dezember 2012 von den Problemen bei der Drohne erfahren. Demnach hat de Maizière eine sechs Seiten umfassende Informationsmappe gegengezeichnet und somit dokumentiert, dass er von den Problemen Kenntnis genommen hat.

Laut der Süddeutschen Zeitung erhielt der Minister die Mappe am 10. Dezember 2012 als Vorbereitung zu seinem Besuch beim EADS-Unternehmen Cassidian, die für die Aufklärungselektronik in der Drohne zuständig ist. Die Zeitung zitiert aus dem Papier,  "die vorliegende Dokumentation" lasse eine Musterzulassung nach den derzeit gültigen Normen nicht zu. Alternativen würden diskutiert.

Bislang hatte de Maizière angegeben, erst im März diesen Jahres von den Problemen erfahren zu haben, bevor er dann am 13. Mai den Beschluss seiner Staatssekretäre billigte, das Drohnenprojekt zu stoppen. In den vergangenen Tagen verstrickte sich der Minister jedoch in immer neue Widersprüche, die Opposition bezichtigte ihn der Lüge und fordert seinen Rücktritt.

Aufklärung soll ein Untersuchungsausschuss bringen, den SPD, Grüne und Linke noch vor der Bundestagswahl initiieren wollen. Geplant ist, den regulären Verteidigungsausschuss in ein solches Gremium umzuwandeln. Die Koalition will den Auftrag des Ausschusses auf die Regierungszeit von Rot-Grün und der Großen Koalition ausweiten und auch den früheren Bundesfinanzminister und jetzigen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück vorladen.