Münchner NSU-ProzessAussage von Carsten S. könnte Zschäpe entlasten

Wie stark war Beate Zschäpe in die Mordpläne der NSU-Terroristen Mundlos und Böhnhardt eingeweiht? Laut dem Mitangeklagten Carsten S. hatten die Geheimnisse vor ihr.

Carsten S. im Gerichtssaal

Carsten S. im Gerichtssaal  |  © Johannes Simon/Pool/Getty Images

Die mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt haben bei der Übergabe einer Waffe einen möglichen Anschlag angedeutet. Der Angeklagte Carsten S. schilderte vor dem Oberlandesgericht München, bei dem Treffen hätten Böhnhardt und Mundlos ihm erzählt, sie hätten "in Nürnberg in irgendeinem Laden eine Taschenlampe hingestellt".

Er habe nicht gewusst, was sie damit meinen, sagte S. unter Tränen. Als die Hauptangeklagte Beate Zschäpe damals hinzukam, hätten ihm die beiden Männer bedeutet, zu schweigen. "Dann kam Frau Zschäpe und sie sagten Psst!", so S. "Damit Frau Zschäpe das nicht mitbekommt."

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Zu Hause sei ihm der Gedanke gekommen, dass Böhnhardt und Mundlos in eine Taschenlampe Sprengstoff eingebaut haben könnten, sagte S. weiter. In Nürnberg wurden drei der zehn Morde verübt, die die Bundesanwaltschaft den Angeklagten zur Last legt. In der Stadt begann die Tötungsserie den Ermittlungen zufolge mit der Erschießung eines türkischen Blumenhändlers im September 2000. Insgesamt starben zehn Menschen, neun davon nichtdeutscher Herkunft. Böhnhardt und Mundlos nahmen sich bei der Enttarnung der Gruppe im November 2011 das Leben.

Neonazi-Terror in Deutschland
Morde, ungeklärte Anschläge und Reaktionen
1996 und 1997

© Frank Doebert/Ostthueringer Zeitung/dpa

Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe fallen 1996 zum ersten Mal auf. Sie sollen eine Puppe mit gelbem Davidstern an einer Autobahnbrücke aufgehängt haben. 1997 deponieren sie einen mit Hakenkreuz bemalten Sprengstoffkoffer in der Jenaer Innenstadt.

Januar 1998

© Heinz Hirndorf/dpa

In Jena hebt die Polizei die Bombenwerkstatt der drei mutmaßlichen Rechtsterroristen aus. Das Labor war in einer Garage versteckt. Die Fahnder stellen Rohrbomben sicher, die mit dem Sprengstoff TNT gefüllt sind. Das Trio flieht. Noch offen ist, wer ihnen bei der Flucht half.

28. September und 19. Dezember 1998

© Wolfgang Kumm/dpa

Auf das Grab des früheren Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, werden zwei Anschläge verübt. Der Fall wurde nie aufgeklärt, die Ermittler untersuchen mögliche Verbindungen zu den drei Neonazis.

1999 bis 2011

© Polizeidirektion Gotha/dpa

14 Banküberfälle werden Böhnhardt und Mundlos zugeordnet: Chemnitz: 6. und 27.10.1999, 30.11.2000, 23.9.2003, 14. und 18.5.2004, 22.11.2005; Zwickau: 5.7.2001, 25.9.2002 und 5.10.2006; Stralsund: 7.11.2006 und 8.1.2007; Arnstadt: 7.9.2011; Eisenach: 4.11.2011. Sie fliehen mit dem Fahrrad. 

27. Juli 2000

© Christian Ohlig/dpa

Ungeklärt ist auch der Splitterbombenanschlag an einer Düsseldorfer S-Bahn-Station. Zehn Einwanderer aus Osteuropa werden schwer verletzt, eine Frau verliert ihr ungeborenes Kind. Der Anschlag läuft ähnlich ab wie der in Köln 2004. War auch hier das Jenaer Trio beteiligt?

9. September 2000

© dpa

In Nürnberg wird der 38-jährige türkische Blumenhändler Enver S. erschossen. Eine der verwendeten Waffen ist die bei allen folgenden Taten genutzte Pistole, eine Ceska, die später in der Zwickauer Brandruine gefunden wird. Enver S. ist das erste Opfer der Mordserie.

19. Januar 2001

© Jan Woitas/dpa

Eine Deutsch-Iranerin wird in einem Kölner Lebensmittelgeschäft durch einen in einer Keksdose versteckten Sprengsatz schwer verletzt. Hinweise darauf, dass das Trio hinter dem Anschlag steckte, finden sich auf der in der Zwickauer Brandruine (Bild) gefundenen DVD.

13. Juni 2001

© dpa

In Nürnberg stirbt der 49 Jahre alte, türkische Änderungsschneider Abdurrahim Ö. Er wurde mit zwei Kopfschüssen niedergestreckt. Ein Komplize des Täters soll draußen in einem Auto gewartet haben.

27. Juni 2001

© dpa

In Hamburg wird der 31-jährige Gemüsehändler Süleyman T. in seinem Laden ermordet. Drei Schüsse haben ihn in den Kopf getroffen. Die Polizei geht von zwei Tatwaffen aus.

29. August 2001

© dpa

In München wird der 38 Jahre alte, türkische Gemüsehändler Habil K. erschossen. Auch er wird in den Kopf getroffen, mit zwei Schüssen.

25. Februar 2004

© dpa

In Rostock wird der 25 Jahre alte Dönerladen-Aushilfsverkäufer Yunus T. ermordet. Der Türke war erst zehn Tage in Deutschland.

9. Juni 2004

© Federico Gambarini/dpa

Durch einen Nagelbombenanschlag in Köln werden 22 Menschen verletzt. Im November 2011 wird der bislang ungeklärte Fall neu aufgerollt, weil die Neonazis sich auf ihrer DVD zu dem Anschlag bekannt haben.

9. Juni 2005

© dpa

In Nürnberg stirbt an seinem Dönerstand der 50 Jahre alte Besitzer Ismail Y. Ein Kunde findet ihn hinter der Theke. Fünf Schüsse haben ihn getroffen. Zeugen sagen, zwei Männer hätten auf ihn geschossen.

15. Juni 2005

© dpa

Der 41-jährige Theodorus B. wird in seinem Laden, einem Schlüsseldienst in München, erschossen. Er stammt als einziges Opfer aus Griechenland.

4. April 2006

© dpa

In Dortmund wird in den Mittagsstunden an einer vielbefahrenen Straße der türkischstämmige Kioskbesitzer Mehmet K. mit mehreren Kopfschüssen getötet. Der 39-Jährige hinterlässt eine Frau und drei Kinder.

6. April 2006

© Uwe Zucchi/dpa

Halit Y., der 21 Jahre alte türkische Betreiber eines Internetcafés in Kassel, wird ebenfalls mit Kopfschüssen getötet. Am Tatort befand sich ein Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes. Er soll auf dem Dachboden seines Hauses Bücher zur Nazizeit gehortet haben.

25. April 2007

© Norbert Försterling/dpa

In Heilbronn wird Michèle Kiesewetter, eine aus Thüringen stammende, 22 Jahre alte Bereitschaftspolizistin, erschossen. Ihr Kollege überlebt schwer verletzt.

4. November 2011

© Carolin Lemuth/dpa

Nach einem Banküberfall werden Bönhardt und Mundlos tot in ihrem ausgebrannten Wohnmobil bei Eisenach gefunden. In Zwickau geht ihre Wohnung in Flammen auf. In den Trümmern werden Waffen und eine DVD entdeckt, mit Bekenntnis zu den Morden und einigen Anschlägen.

8. November 2011

© Jan Woitas/dpa

Beate Zschäpe stellt sich der Polizei in Jena und wird wegen dringenden Verdachts der Gründung der Neonazi-Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) festgenommen. Seither sitzt die 36-Jährige in Untersuchungshaft.

13. November 2011

© Franziska Kraufmann/dpa

Holger G. wird in Niedersachsen festgenommen. Er soll Mitglied des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) sein und dem Trio Ausweise überlassen haben. Holger G. wurde schon 1999 observiert, doch der niedersächsische Verfassungsschutz stufte ihn nur als Mitläufer ein.

15. November 2011

Die CDU fasst auf ihrem Parteitag in Leipzig einstimmig den Beschluss, ein neues Verbotsverfahren gegen die NPD zu prüfen. Auch die SPD fordert wieder, die Partei zu verbieten. In dem Zusammenhang wird auch diskutiert, ob der Einsatz der V-Leute vom Verfassungsschutz überprüft werden muss. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich will ein Zentralregister einrichten, in dem alle Informationen über Neonazis gespeichert werden sollen.

Am gleichen Tag wird bekannt, dass das Neonazi-Trio eine Liste angefertigt hatte, auf der auch Politiker verzeichnet waren.

16. November 2011

© Polizei Sachsen/dpa

Beate Zschäpe trägt nichts zur Aufklärung der Mordserie bei. Sie schweigt. Derweil wird die Liste der Fahndungspannen immer länger. Polizei und Verfassungsschutz hatten offenbar Dutzende Chancen verpasst, die Neonazi-Gruppe zu finden.

18. November 2011

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger will als Reaktion auf die Ermittlungspannen die Zahl der Verfassungsschutzämter in Deutschland reduzieren. Die Länder sind dagegen. Vereinbart wird auf einem Krisengipfel aber, ein Abwehrzentrum Rechts und eine zentrale Neonazi-Datei einzurichten.

21. November

© Christof Stache/AFP/Getty Images

Es wird bekannt, dass Uwe Mundlos durch eine Behördenpanne an gefälschte Ausweispapiere kam. BKA-Chef Ziercke verwirrt mit der These, die Polizistin Michèle Kiesewetter sei doch gezielt getötet worden. "Unsinn", heißt es dazu aus Thüringen.

22. November
Kristina Schröder

© Sean Gallup/Getty Images

Die Mittel für Initiativen gegen Rechtsextremismus sollen, anders als von Familienministerin Kristina Schröder ursprünglich geplant, nun doch nicht gekürzt werden. Zudem will die Bundesregierung die Angehörigen der Opfer entschädigen.

24. November

© Franziska Kraufmann/dpa

In Brandenburg wird der 32-jährige André E. festgenommen. Er soll die Bekenner-DVD der NSU produziert haben. Im Mai 2009 soll er dem Trio Bahncards überlassen haben, die auf ihn und seine Frau ausgestellt waren.
 

29. November

© Uli Deck/dpa

Der ehemalige NPD-Funktionär Ralf W. wird in Jena verhaftet. Dem 36-Jährigen wird unter anderem vorgeworfen, der Neonazi-Gruppe eine Schusswaffe und Munition besorgt zu haben. W. war bis Mai 2008 Vize-Chef der thüringischen NPD.

11. bis 13. Dezember

Der mutmaßliche Unterstützer Matthias D. wird gefasst. Der 36-Jährige, der wie André E. aus dem sächsischen Johanngeorgenstadt stammt, soll in Zwickau zwei Wohnungen für die Gruppe angemietet haben.

Derweil wächst bei Schwarz-Gelb die Skepsis gegenüber einem erneuten NPD-Verbotsverfahren. Man fürchtet angesichts der vielen V-Leute in der NPD (offenbar mehr als 130) einen erneuten Misserfolg.

In den folgenden Tagen wird bekannt, dass die Ermittler auch Spuren der Terrorzelle nach Berlin und in die Schweiz untersuchen. Möglicherweise war sie an einem Mord in Zürich beteiligt.

Januar 2012
01 Sebastian Edathy im Untersuchungsausschuss

© Sean Gallup/GettyImages

Ein Untersuchungsausschuss des Bundestages geht den Ermittlungsfehlern nach. Dabei kommt heraus, dass die bayerische Polizei bei der Fahndung gar einen Dönerimbiss betrieb. Auch in Thüringen und Sachsen untersuchen die Parlamente die Vorgänge.

Februar 2012
Staatsakt

© Sean Gallup/Getty Images

In einem Staatsakt wird der NSU-Opfer gedacht. Eine Straße in Kassel soll nach einem der Opfer benannt werden. Jetzt untersucht auch eine Bund-Länder-Kommission die fehlgeschlagene Suche nach dem Trio.
 

März 2012
02 Beate Zschäpe

© BKA/dpa

Die Bundesanwaltschaft arbeitet daran, Beate Zschäpe eine direkte Beteiligung an den Morden nachweisen zu können. Zschäpe soll der Motor der Gruppe gewesen sein, Haushalt und Finanzen verwaltet haben.

2. Mai 2012
03-Untersuchung nach Mord

© Marcus Föhrer/dpa

Acht Männer türkischer Abstammung ermordeten die Rechtsextremen. Doch auch die türkischen Behörden glaubten nur an ein kriminelles Killerkommando aus dem eigenen Land, wie die ZEIT herausfindet.

15. Mai 2012

In Thüringen wurde bei der Suche nach den untergetauchten Terroristen von 1998 bis 2001 geschlampt, urteilt ein Gremium der Landesregierung unter Vorsitz von Ex-Bundesrichter Gerhard Schäfer. Bereits zu Jahresbeginn haben die Landesverfassungsschützer eingeräumt, dass über einen Mittelsmann Geld an die Neonazis fließen sollte, um an deren Tarnidentitäten zu kommen. Der Plan scheiterte. Für die Observation des Trios stellt auch die Parlamentarische Kontrollkommission des Sächsischen Landtages dem eigenen Verfassungsschutz ein verheerendes Zeugnis aus.

Ende Mai 2012

Der mutmaßliche NSU-Helfer Holger G. ist auf freiem Fuß. Er soll den drei Rechtsextremisten Waffen besorgt haben. Der Bundesgerichtshof entschied: G. wusste eventuell nicht, wofür sie eingesetzt werden. Zwei Wochen später werden auch Carsten S. und Matthias D. aus der Untersuchungshaft entlassen. Im Juni wird der Haftbefehl gegen den mutmaßlichen NSU-Helfer André E. aufgehoben. Er soll an dem Bekennervideo der NSU mitgearbeitet haben, der BGH hält ihn aber nicht für dringend tatverdächtig

2. Juli 2012
Die Terrorzelle

© BKA/dpa

Ein Referatsleiter des Bundesverfassungsschutzes hat im November 2011 Akten zu V-Leuten aus dem Umfeld der NSU vernichtet. Bis Ende Juni war das dem Geheimdienstchef angeblich nicht  bekannt.

Juli 2012

Als Konsequenz aus der "Reißwolf-Affäre" bittet Verfassungsschutzchef Fromm um seine frühzeitige Pensionierung. Wenige Tage später verliert der Präsident des Thüringischen Geheimdienstes, Thomas Sippel, seinen Posten. Auch der Leiter der sächsischen Behörde, Reinhard Boos, tritt zurück.  Protokolle einer Telefonüberwachung des Bundesamtes von Ende 1998 waren nicht an die Untersuchungsausschüsse weitergegeben worden.

5. Juli 2012

Fromm spricht vor dem Bundestagsausschuss. Er offenbart Chaos in seiner Behörde, weiß nicht, warum sensible Akten vernichtet wurden. Die Vermutung der FDP, Zschäpe sei als Informantin angeworben worden, wird dementiert.

Juli 2012

© Michael Gottschalk/dapd

Noch nachdem die Straftaten des NSU bekannt wurden, sind zahlreiche weitere Akten zu den drei Rechtsextremisten vernichtet worden. Die Behörden erklären das mit dem Datenschutz, die Opposition vermutet Vertuschung.

Juli 2012

© Jim Lo Scalzo/EPA/dpa

Zwei Kollegen der Polizistin Michele Kiesewetter sind zeitweise Mitglieder im rassistischen Ku-Klux-Klan (KKK) gewesen. Einer von ihnen war ihr Gruppenführer, wusste also, wo sie sich aufhielt. Einen Zusammenhang mit dem Mord schließt der Innenminister Friedrich aus.

September 2012

© BKA/dapd

Der Militärgeheimdienst MAD hat 1995 eine Akte über die rechtsextreme Gesinnung des Wehrdienstleistenden Uwe Mundlos erstellt. Der Verteidigungsminister wusste dies seit März. Der Bundestagsuntersuchungsausschuss wurde nicht informiert.

14. September 2012

© Steffi Loos/dapd

Ein früherer Vertrauter des NSU hat jahrelang für das LKA Berlin gespitzelt. Thomas S. lieferte 2002 Hinweise auf den Aufenthaltsort der Truppe in Thüringen. Innensenator Frank Henkel wusste seit März von S., gab die Information aber nicht an den Ausschuss weiter.

Die Aussagen des 33-jährigen S. könnten Zschäpe entlasten – demnach war sie möglicherweise nicht so stark in die Mordpläne eingeweiht wie von der Anklage angenommen. 

Den Mitangeklagten Ralf Wohlleben belastete S. erneut. Der frühere NPD-Funktionär habe ihm erzählt, dass Böhnhardt und Mundlos jemanden angeschossen hätten. "Ich habe mit Wohlleben telefoniert, und Wohlleben hat gelacht und gesagt, die haben jemanden angeschossen." Er habe sich gedacht: "Hoffentlich nicht mit der Waffe", die er beschafft hatte. Wohlleben hat sich in dem Prozess bisher ebenfalls nicht zu den Vorwürfen geäußert.  

"Die Sau rausgelassen"

Wohlleben und Carsten S. sind wegen Beihilfe zu neunfachem Mord angeklagt. S. war nach eigenen Aussagen Mittelsmann zwischen Wohlleben und dem untergetauchten Trio; er hatte die Pistole mit Schalldämpfer besorgt, mit der vermutlich die neun Geschäftsleute ausländischer Herkunft getötet wurden.

Der 33-jährige Sozialpädagoge, der seit Langem aus der Neonazi-Szene ausgestiegen ist, zeigte sich entschlossen, mit seiner extremistischen Vergangenheit aufzuräumen. "Ich habe keine andere Wahl, ich will reinen Tisch machen, es geht nicht anders." Er schilderte, wie er mit Kumpanen randalierend durch die Straßen von Jena gezogen sei und Fensterscheiben eingeworfen habe. Sie hätten "die Sau rausgelassen".

S. gab auch zu, dass ihn der Nationalsozialismus schon als Kind angezogen habe. "Mich hat das immer fasziniert, das Dunkle, das Dritte Reich." Auch Waffen habe er toll gefunden. Er habe eine Schleuder besessen, Ninjasterne, Messer, eine Schreckschusswaffe. Die habe er erst 2011 in den Rhein geworfen, als der NSU mit den Selbstmorden von Böhnhardt und Mundlos und der Verhaftung Zschäpes aufgeflogen war.

Im Zuge des Verhandlungstages wurde bekannt, dass die Ermittler während ihrer Untersuchungen etwa 500 Menschen aus dem mutmaßlichen Umfeld der NSU-Terrorgruppe untersuchten. Die Nebenklage reagierte verärgert.

Berichte über diesen NSU-Prozesstag sammeln wir bis Mittwochmorgen im NSU-Medienlog

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Leserkommentare
  1. 1. fehler

    "Als die Hauptangeklagte Beate Zschäpe damals hinzukam, hätten ihm die beiden Männer bedeutet, zu schweigen."

    bedeutet zu schweigen???

    angedeutet sollte es wohl heißen....

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    Ich kann Ihren Einwand nicht nachvollziehen und halte die Formulierung für richtig. Die Ausdruckweise "jemandem etwas bedeuten" als eine andere Form von "jemandem etwas zu verstehen geben" ist doch eigentlich recht geläufig.

    Redaktion

    Liebe/r grissgross,

    Felixius hat recht: "bedeuten" wird hier synonym verwendet für "zu verstehen geben". Siehe auch: http://www.duden.de/recht...

    Herzliche Grüße aus der Redaktion

  2. "Die Aussagen des 33-jährigen S. könnten Zschäpe entlasten – demnach war sie möglicherweise nicht so stark in die Mordpläne eingeweiht wie von der Anklage angenommen." Zitatende

    Leider fehlt in dem Artikel der Hinweis darauf, dass dieses Treffen - laut Carsten S. - Ende 1999 oder Angang 2000 stattfand. Die Mordserie begann im September 2000. Es handelt sich hier um eine Momentaufnahme, die über die Einweihung Zschäpes in die Mordpläne nicht unbedingt etwas aussagen kann. Schließlich begann das Morden erst neun Monate später. Klarheit wird der Fortgang des Prozesses bringen.

    4 Leserempfehlungen
  3. Ich kann Ihren Einwand nicht nachvollziehen und halte die Formulierung für richtig. Die Ausdruckweise "jemandem etwas bedeuten" als eine andere Form von "jemandem etwas zu verstehen geben" ist doch eigentlich recht geläufig.

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "fehler"
  4. Redaktion

    Liebe/r grissgross,

    Felixius hat recht: "bedeuten" wird hier synonym verwendet für "zu verstehen geben". Siehe auch: http://www.duden.de/recht...

    Herzliche Grüße aus der Redaktion

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "fehler"
  5. "Carsten S. berichtete, er habe Ende 1999 oder Anfang 2000 eine Waffe an Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos übergeben, mit der diese später neun Menschen töteten. Bei dieser Übergabe in einem Cafe in der Galeria Kaufhof in Chemnitz hätten sie angedeutet, dass sie Gewalttaten planen. Sie hätten ihm gesagt, dass sie "eine Taschenlampe in einen Laden in Nürnberg gestellt" hätten."

    http://www.sueddeutsche.d...

    "Rätselhaft zum Beispiel – aber soweit dringt die Verhandlung am Mittwoch noch nicht vor - , dass Christian S. sich daran zu erinnern glaubt, Beate Zschäpe im Umfeld der Waffenlieferung zuletzt im Chemnitzer „Galeria Kaufhof“ gesehen zu haben. Diese eröffnete erst im Oktober 2001, als Carsten S. angeblich schon längst ausgestiegen war. Zudem waren in diesem Herbst bereits vier Mordtaten mit der Waffe verübt worden."

    http://www.stuttgarter-ze...

    Projekte | 16.12.1999
    Chemnitz erhält gläsernes Kaufhaus
    Chemnitz (gg) - Rund 120 Mio. DM gibt die Kaufhof Warenhaus AG, Köln, aus, um mitten in der Chemnitzer City ein gläsernes Kaufhaus zu errichten. Die Pläne für das gläserne Gebäude entwarf der am […]

    http://www.immobilien-zei...

    2 Leserempfehlungen
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    bereits in den 90er Jahren in Chemnitz ein älteres Gebäude genutzt hatte, bevor der Neubau in Angriff genommen wurde.

  6. bereits in den 90er Jahren in Chemnitz ein älteres Gebäude genutzt hatte, bevor der Neubau in Angriff genommen wurde.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    zu erhalten. Was @Realpolitik hier anmerkt, paß nämlich gut dazu, daß in frühen Berichten zunächst die Rede davon war, daß Carsten S. die Waffe im Herbst 2001 übergeben haben soll. Als man merkte, daß dies nicht zur veröffentlichten NSU-Story paßte, nach der zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Morde verübt worden waren, korrigierte man den Übergabezeitraum auf "1999 oder 2000".

  7. wieso die Aussage von Carsten S. "entlastend" für Zschäpe sein soll.

    Immer vorausgesetzt, Carsten S. erinnert sich richtig und sagt die Wahrheit: Mundlos und Böhnhardt wollten also nicht, dass Zschäpe Kenntnis erlangt von ihren Andeutungen gegenüber Carsten S.

    Das wäre die zulässige Folgerung. Nicht folgern kann man daraus, dass die Zschäpe selbst keine Kenntnis von dem Anschlag hatte.

    Viel näher liegt die Annahme, dass Zschäpe mehr auf Geheimhaltung bedacht war als Mundlos und Böhnhardt.

    Es widerspricht doch jeder Lebenswirklichkeit, dass sich die beiden bei erster Gelegenheit ihrer Taten Randfiguren gegenüber brüsten, wärend sie der Organisatorin ihres Lebens im Untergrund dauerhaft ihr Tun verheimlichen.

  8. zu erhalten. Was @Realpolitik hier anmerkt, paß nämlich gut dazu, daß in frühen Berichten zunächst die Rede davon war, daß Carsten S. die Waffe im Herbst 2001 übergeben haben soll. Als man merkte, daß dies nicht zur veröffentlichten NSU-Story paßte, nach der zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Morde verübt worden waren, korrigierte man den Übergabezeitraum auf "1999 oder 2000".

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    über das Kaufhaus Schocken in Chemnitz steht folgende Passage:

    "1938 wurde der Bau von den Nazis zum Kaufhaus "Merkur" arisiert. Seine Funktion und Hülle überstanden das "Dritte Reich" und dienten dann in der DDR als Kaufhaus "Centrum". Mit der Wende wurde der Veteran schließlich zum Vasall im Kaufhof-Imperium."

    ( http://www.faz.net/aktuel... )

    Ich war selbst Mitte der 90er Jahre mehrmals in Chemnitz und erinnere mich, in dem von einer großen Kette übernommenen ehemaligen Centrum-Warenhaus eingekauft zu haben, offenbar war es Kaufhof, was auch von dieser Seite bestätigt wird: http://www.altes-chemnitz...

    vielleicht wäre es zu pingelig, dann noch zu fragen, ob die Übergabe in einem Café von Kaufhof - oder von GALERIA Kaufhof stattfand ...

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