Im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München hat sich der Angeklagte Carsten S. zu seiner Verantwortung für die Morde der Neonazi-Terroristen bekannt. "Ich fühle auf jeden Fall eine Verantwortung, wie ich mich damals schuldig gemacht habe, die Waffe zu übergeben", sagte S. auf die Frage eines Nebenklage-Anwalts. Er fühle sich auch deshalb verantwortlich, weil er nach seinem Ausstieg aus der Neonazi-Szene keine Informationen an die Ermittlungsbehörden weitergegeben habe. 

Carsten S. hatte zugegeben, den untergetauchten Neonazis Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe eine Waffe besorgt zu haben – höchstwahrscheinlich jene Pistole der Marke Ceska, mit der die Terroristen neun Menschen ermordeten. Carsten S. ist nach seinen Angaben kurz darauf aus der rechten Szene ausgestiegen, weil er gemerkt habe, dass er dort nicht offen homosexuell leben könne.

Der 33-Jährige ist der bislang einzige der fünf Angeklagten im NSU-Prozess, der vor Gericht Fragen beantwortet. Den Terroristen des NSU werden insgesamt zehn Morde zugerechnet, außerdem zwei Sprengstoffanschläge in Köln sowie zahlreiche Banküberfälle. Beate Zschäpe ist als Mittäterin an sämtlichen Taten angeklagt. 

In der vergangenen Woche hatte die Bundesanwaltschaft auch die Ermittlungen wegen eines Rohrbombenanschlags in Nürnberg im Jahr 1999 übernommen. Sie ermittelt deswegen gegen Zschäpe wegen des Verdachts des versuchten Mordes. Ein 18-Jähriger war von dem Sprengsatz, den er für eine Taschenlampe hielt, schwer verletzt worden.