Wohlleben gründete den Jenaer Kreisverband der NPD und machte S. zu seinem Stellvertreter. Bald führte er ihn in die Kommunikation mit dem NSU ein, auf konspirative Weise mit Telefonzellen und Mailbox-Nachrichten. "Kleener" hätten ihn die Mitglieder des untergetauchten Trios immer genannt, in der Regel habe er mit den beiden Uwes gesprochen. Sie forderten erst ein Motorrad, irgendwann eine Waffe, "möglichst deutsches Fabrikat". Das habe er Wohlleben gesagt. Der habe ihn instruiert: "Geh zum Sch." – Andreas Sch., dem Inhaber des Medley. Also sei er hingegangen und habe nach einer Handfeuerwaffe gefragt.

Richter Götzl fragt nach: "War da schon von einem Schalldämpfer die Rede?" S. überlegt, blättert durch seine Akten. "Nein", sagt er. Die Frage ist wichtig – denn die Verwendung des Schalldämpfers ist ein kaum abzustreitendes Indiz für die Mordabsicht des NSU. Doch S. sagt: Sch. habe die Ceska aus tschechischer Produktion besorgt, und da sei der Schalldämpfer eben dabei gewesen. Mundlos und Böhnhardt, denen er die Waffe in Chemnitz in einem Abbruchhaus übergeben habe, seien überrascht gewesen.

Ob er wusste, wozu die Waffe benutzt werde, will Götzl wissen. "Nein." Habe er denn nachgefragt? "Nö." Und ob er sich Gedanken gemacht habe? "Ich hatte ein positives Gefühl, was die Drei anging", sagt S. Erstmals stockt sein Redefluss merklich. "Ich dachte, dass die in Ordnung wären."

S. hat am Dienstag reichlich geredet. Es muss viel in ihm gewesen sein, das raus musste, seit der NSU aufflog. Und doch wird er sich am kommenden Sitzungstag fragen lassen müssen, ob er wirklich so wenig durchschaute, wie er behauptet. Die Sitzung dauert, es ist die bislang längste. Eine von Götzls letzten Fragen lautet: "Was wussten Sie über die drei?" Carsten S. denkt nach. "Nichts", sagt er.