Das von Texas' Republikanern forcierte strengere Abtreibungsgesetz ist vorerst vom Tisch. Entgegen erster Meldungen ist die Abstimmung darüber im Senat – und damit auch der vermeintliche Erfolg der Konservativen – ungültig. Die Nachrichtenagentur AP zitiert Vizegouverneur David Dewhurst, wonach die Abstimmung schlicht "zu spät" erfolgte, also erst nach dem Fristende um Mitternacht. Die Agentur beruft sich auf Äußerungen von mehreren  Senatoren nach einem Treffen von Abgeordneten bei Dewhurst.

Damit können die texanischen Demokraten doch noch einen Erfolg feiern. Zu verdanken haben sie das Wendy Davies, die zu Beginn der Sitzung einen Filibuster begonnen hatte. Mit dieser gezielten Verschleppungstaktik, die in US-Parlamenten immer wieder angewendet wird, wollte sie die Abstimmung soweit hinauszögern, bis sie wegen der Frist nicht mehr möglich war. Elf Stunden lang ergriff sie das Wort, durfte sich dabei nicht hinsitzen, an das Rednerpult anlehnen und nicht auf die Toilette gehen. Von der Tribüne erhielt sie lautstarke Unterstützung von Hunderten Zuschauern.

Nach mehr als zehn Stunden wurde ihr plötzlich das Wort entzogen – sie sei vom Thema abgekommen, befand der Vizegouverneur und erklärte den Filibuster für beendet. Der anschließende Protest von Davis' Kollegen blieb wirkungslos. Inzwischen war es kurz vor Mitternacht, die rund 400 Demonstranten auf der Tribüne versuchten nun, die Abstimmung durch ihre Zwischenrufe weiter zu verschieben. Offenbar waren sie erfolgreich, auch wenn Dewhurst zunächst angegeben hatte, dass das Voting noch rechtzeitig gewesen sei. Die Aktivisten bezeichnete er als "unbändigen Mob".

Das Gesetz, das viele Frauenrechtlerinnen erzürnt, verbietet eine Abtreibung nach der 20. Schwangerschaftswoche und verlangt, dass alle Abtreibungen in einem sogenannten Operationszentrum vorgenommen werden sollen. Dies würde vor allem die 42 Abtreibungsklinken in Texas treffen, die sich nun als solche Zentren registrieren lassen müssen und zudem dazu verpflichtet werden sollen, ihre Geräte auf den neuesten Stand zu bringen.

Für die Abtreibungsklinken bedeutet dies enorme Kosten. "Wände müssen eingerissen, neue Belüftungssysteme eingebaut werden", berichtete Klinikleiterin Amy Hagstrom Miller dem Fernsehsender CBS. Sie rechnet damit, dass sie für diese und andere Umbauten bis zu zwei Millionen Dollar wird einplanen müssen – "eine Summe, die viele Klinken nicht haben". Experten rechnen damit, dass vermutlich 37 der 42 Klinken schließen müssen.

Abtreibungsbefürworter hatten die Pläne zuvor bereits scharf kritisiert. "Sollte das Gesetz tatsächlich angenommen werden, ist Abtreibung in Texas so gut wie verboten", sagte etwa Cecile Richards, Vorsitzende der Organisation Planned Parenthood Action Fund. "Viele Frauen werden dann dazu gezwungen, gefährliche und unsichere Maßnahmen zu ergreifen."

Auch auf Twitter erfuhr Wendy David Unterstützung. Eine Sammlung der #standwithwendy-Tweets finden Sie hier.