Zensus : Einwanderer gesucht

Der Zensus könnte auch Auswirkungen auf die Einwanderungspolitik haben. Denn in Deutschland leben weniger potenzielle Arbeitnehmer als gedacht. Von Manuel Heckel
Ein Musterbogen mit dem Logo des Zensus 2011 © dpa/picture alliance

Mehr als zwei Jahre liegt der Stichtag des Zensus 2011 bereits zurück, dessen erste Ergebnisse am Freitag veröffentlicht wurden. Dennoch werden die eigentlich nicht mehr ganz so aktuellen Daten Deutschland noch einige Zeit beschäftigen. Denn die erste Vollerhebung der deutschen Bevölkerung seit 20 Jahren hat einige Auswirkungen – besonders, wenn es um die Verteilung öffentlicher Gelder geht. Bereits kurz nach der Veröffentlichung der ersten Ergebnisse brachten sich daher Kommunen, Länder, Verbände und wissenschaftliche Institute in Position.

Besonders bei der Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer lagen die Statistiker daneben – und das ist aus vielerlei Gründen bemerkenswert. Nahezu 1,1 Millionen weniger Menschen mit fremdem Pass als geschätzt lebten 2011 in Deutschland. Das sind 15,9 Prozent weniger als angenommen. Die fehlenden Ausländer machen den überwiegenden Teil des nun errechneten Bevölkerungsverlusts aus. 

Schon vor Veröffentlichung der Zahlen haben Forscher ein Umdenken der Bundesrepublik bei der Einwanderung gefordert. Diese Forderungen werden durch die Ergebnisse des Zensus unterstrichen. So hatte etwa eine Studie der Bertelsmann-Stiftung vor einer Woche darauf hingewiesen, dass der Sozialstaat von Einwanderung nicht belastet wird, sondern davon profitiert. Je mehr qualifizierte Einwanderer nach Deutschland kämen, umso stärker würden die Sozialsysteme profitieren.

Ohne ein Mehr an Zuwanderung werde das Potenzial an Erwerbstätigen bis 2050 von heute 45 auf dann 27 Millionen Menschen sinken, hat Herbert Brückner, Forschungsbereichsleiter am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in der Studie vorgerechnet. Aktuell kommen immer mehr qualifizierte Einwanderer ins Land: 2009 etwa hatten bereits 43 Prozent der Neuzuwanderer einen Hochschul-, Meister- oder Technikerabschluss. Damit hatte sich diese Quote seit dem Jahr 2000 annähernd verdoppelt. "Die Struktur der Einwanderung nach Deutschland hat sich verändert", sagt Brücker.

Forscher fordern gezielte Steuerung von Zuwanderung

Noch profitiert Deutschland davon, dass sich die wirtschaftliche Situation in anderen Ländern verschlechtert hat – zuletzt etwa in den südeuropäischen Staaten. Doch nur mit einer gezielten Steuerung der Einwanderung, etwa mit gestuften Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen für Hochqualifizierte, Fachkräfte in Mangelberufen, Bildungszuwanderer und temporäre Fachkräfte, sei dieser positive Trend zu halten, glauben die Arbeitsmarktforscher.

Zudem fordern die Wissenschaftler ein Gesamtpaket aus Lebensqualität, Sicherheit, Infrastruktur und Perspektiven für Angehörige. "Die erste Aufgabe ist, gut qualifizierte Einwanderer zu gewinnen – die zweite Aufgabe lautet, sie zu halten", sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, bei der Vorstellung der Studie.

Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln zog in einer ersten Reaktion auf die Zensus-Zahlen ähnliche Schlüsse: "Um die Zahl der Einwohner hierzulande zu stabilisieren, ist es wichtig, Deutschland für Zuwanderer attraktiv zu machen", teilte IW mit.

Mehr Zuwanderung lohnt sich volkswirtschaftlich, davon sind die Forscher überzeugt: Untersuchungen hätten gezeigt, dass mehr Menschen mehr Wirtschaftswachstum mit sich brächten. Eine Zunahme der jährlichen Nettozuwanderung um 100.000 Menschen erhöhe die jährliche Wachstumsrate des Bundesinlandsproduktes langfristig um 0,2 Prozentpunkte, sagt das IW.

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Kommentare

136 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

Es ist nunmal

nicht jeder vermittelbar. Ein gewisses Maß an Bildung ist Grundvoraussetzung für einen Job. Ein Problem ist aber tatsächlich die Aufstockerpolitik, da es sich hier m.E. vielfach um staatlich subventionierte Reichtumsmehrung des jeweiligen Arbeitgebers handelt.

Auf jeden Fall wäre es besser das Geld in eine vernünftige Einwanderungspolitik zu stecken anstatt erfolglos zu versuchen, die deutschen zum Kinderzeugen zu motivieren. Menschen gibts eh zu viele auf dieser Welt und es werden immer mehr.

Die Reduktion der Kinderzahl

derer, die z.Zt noch 15 Kinder auf die Welt setzen, ergibt sich von alleine, wenn der Wohlstand derer wächst. Und wachsen kann er mittels eines Arbeitsplatzes in Deutschland. Das eine führt also zum anderen. Auch die Auslandsüberweisungen an Verwandte tun ihren Teil um den Bedarf an Nachkommen bei den Daheimgebliebenen nicht ausufern zu lassen (kenne da Beispiele). Klar wäre es besser, wenn es auch in den unterentwickelten Ländern Strukturen wie hierzulande gäbe - oder doch nicht? Stellen Sie sich vor, jeder würde so leben wollen wie wir. Da wäre unsere Umwelt aber schnell am Ende.

Ich glaube kaum, dass der Deutsche (wer ist das? Brauchen wir wieder einen Ariernachweis??? Wie dunkel darf ein Deutscher sein, damit man noch als Deutscher durchgeht, oder können nicht auch Zuwanderer bzw. deren Kinder zu Deutschen werden?) ausstirbt, selbst wenn die Regierung auf Gebärprämien verzichtet. Es gibt zu viele Selbstverliebte, die ihren Genen ein Weiterleben sichern wollen, als dass es künftig keine Deutschen in x-ter Generation mehr geben wird. Und selbst wenn, stört mich das nicht (schon allein weil ich es nicht mehr erleben werde). Völker kommen und gehen. War schon immer so.