Bei seinem Besuch eines Armenviertels in Brasiliens Metropole Rio de Janeiro hat Papst Franziskus zum Kampf gegen Korruption und soziale Ausgrenzung aufgerufen. In seiner Rede auf dem Fußballplatz der Favela Varginha ermutigte er insbesondere die Jugendlichen, angesichts der Ungerechtigkeit nicht zu resignieren.

Bei strömendem Regen sagte der Papst vor etwa tausend Menschen: "Die Realität kann sich ändern, der Mensch kann sich ändern." Er rief die jungen Leute dazu auf, sich "nie an das Böse zu gewöhnen, sondern es zu besiegen" und fügte hinzu: "Ihr seid nicht alleine, die Kirche ist bei Euch, der Papst ist bei euch."

Auch die brasilianischen Behörden und Wohlhabenden nahm der Papst im Kampf gegen Armut und Ausgrenzung in die Pflicht. Eine Befriedung der Favelas durch Polizeieinsätze könne nicht von Dauer sein. Es gebe "weder Harmonie noch Glück in einer Gesellschaft, die ignoriert, die ausgrenzt und einen Teil ihrer selbst am Rand im Stich lässt", so Franziskus in seiner bejubelten Rede. Jeder solle dazu beitragen, "den vielen sozialen Ungerechtigkeiten ein Ende zu bereiten".

Vor der WM kommen die Polizisten

Varginha im Norden von Rio de Janeiro gehört zu einer Gruppe Favelas, die wegen der dort herrschenden Gewalt und Hoffnungslosigkeit auch "Gazastreifen" genannt werden. Vor einigen Monaten wurde die Gegend noch von Drogenbanden kontrolliert. Sicherheitskräfte haben sich angesichts der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien im kommenden Jahr und den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 in vielen Armenvierteln die Kontrolle zurück erkämpft.

Den in Lateinamerika verbreiteten Handel mit Rauschgift hatte Franziskus bereits am Mittwoch angeprangert. Die Geißel des Drogenhandels, welcher Gewalt befördere und Leid sowie Tod sähe, erfordere ein mutiges Handeln der ganzen Gesellschaft. Zugleich sprach sich der 76-Jährige gegen eine Legalisierung von Drogen aus.

Der Papst ist seit Montag in Brasilien, wo am Dienstag in Rio de Janeiro der katholische Weltjugendtag begann. An der Großveranstaltung nehmen rund 1,5 Millionen Menschen aus aller Welt teil.

Im aufstrebenden Schwellenland Brasilien ist die Lage angespannt. Im Juni gab es bei wochenlangen Massenprotesten gegen die grassierende Korruption gewaltsame Zusammenstöße. Protestiert wurde auch gegen die hohen Staatsausgaben für die WM.