In Berlin-Reinickendorf wehren sich Anwohner juristisch gegen ein Asylbewerberheim in ihrer Nachbarschaft, das von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) betrieben wird. Die Kinder der Asylbewerber dürfen nicht mehr am Spielplatz herumtoben. Manfred Nowak, Vorsitzender der Awo-Kreisverband Berlin-Mitte, spricht über den Trubel rund um das Heim.

ZEIT ONLINE: Streit um das Asylbewerberheim gibt es schon länger. Jetzt wurde sogar der benachbarte Spielplatz eingezäunt, um den Flüchtlingskindern das Spielen zu verwehren.

Manfred Nowak: Den Zaun um den Spielplatz gab es schon immer. Das wurde von einigen Zeitungen falsch übermittelt. Wir wurden aber jetzt über einen Anwalt aufgefordert, den Flüchtlingskindern das Spielen am Spielplatz zu verbieten. Das Anwaltsschreiben ist vor Kurzem eingetroffen und kommt von einer gegründeten Bürgerinitiative, die sich von Anfang an gegen das Heim wehrte.

ZEIT ONLINE: Die Anwohner behaupten, die Asylbewerber seien zu laut. Stimmt das?

Nowak:
Aus unserer Sicht nicht. Wir haben eine Hausordnung, und die Bewohner hier wissen, dass diese zu berücksichtigen ist. Einige in der Nachbarschaft haben das Ziel, die Einrichtung abzuschaffen. Sie suchen Argumente dafür, dass die Bewohner nicht zur Nachbarschaft passen.Deshalb wurde auch ein Rechtsanwalt beauftragt, um den Kindern das Spielen zu verbieten und um gegen die Umnutzung vorzugehen: Das Gebäude wurde von einem Pflegeheim in ein Flüchtlingsheim umgewidmet.

ZEIT ONLINE: Wann hat er der Widerstand gegen das Heim begonnen?



Nowak: Von Anfang an. Das Altenpflegeheim musste aufgegeben werden, weil es nicht mehr rentabel war. Als klar wurde, es werden Asylbewerber in das Gebäude ziehen, begannen die Probleme. Die Anwohnerschaft gründete eine Bürgerinitiative, auch die Bezirksbehörde war nicht begeistert über die neue Nachbarschaft.

ZEIT ONLINE: Diese Bürgerinitiative hat auch Flugblätter verteilt.

Nowak: Zu Beginn protestierten sie vor dem Gebäude und brachten Flugblätter am Zaun an. Sie haben auch die anderen Nachbarn aufgefordert, ihren Unmut zu artikulieren. Leider haben auch Rechtsradikale die Situation genutzt, um ihre Parolen anzubringen. Ich muss aber fairerweise sagen, dass sich die Bürgerinitiative gegen die Instrumentalisierung durch Rechtsradikale und der NPD gewehrt hat. 

Es gibt aber nicht nur die eine Seite. Es ist auch eine erfreuliche Solidarisierung erfolgt. Das Asylbewerberheim hat auch viel Zuspruch aus der Bevölkerung gekommen. Auch aus der Nachbarschaft. Uns wurde Spielzeug geschenkt. Es hat sich eine Netzwerkinitiative gegründet.

ZEIT ONLINE: Kommunizieren Sie mit den Heimgegnern jetzt eigentlich nur mehr per Anwalt?



Nowak: Wir haben uns von Anfang an um Transparenz bemüht. Ursprünglich wollten wir jeden Dienstag einen Offenen Tisch mit den Nachbarn organisieren. Das ist auch eine Zeit lang gut gegangen und es konnten Vorbehalte abgebaut werden. Aber dann kamen die Windpocken. Acht Kinder erkrankten, deswegen verfügte das zuständige Bezirksamt über das gesamte Haus eine Quarantäne. Wir haben dagegen Einspruch eingelegt und Recht bekommen. Bis diese Entscheidung vom Verwaltungsgericht vorlag, durfte kein Betroffener ins oder aus dem Haus. Dafür sorgte die Polizei. Das war Mitte Juni. Eine Begleiterscheinung war, dass seitdem Gerüchte gestreut wurden. Etwa, dass sich Tuberkulose im Haus ausbreiten würde oder dass es zwei Todesfälle gäbe. Diese Dinge waren Unsinn und wurden offensichtlich gezielt eingebracht, um die Leute zu verunsichern.

ZEIT ONLINE: Warum haben die Anwohner eigentlich ein Problem mit den Asylbewerbern?

Nowak: Sie haben Angst, dass die Grundstückspreise sinken und damit der Wert ihrer Familien-Immobilie. Die Sorge ist, dass ein Asylbewerberheim mit erheblichen Belästigungen verbunden ist und Kriminalität entsteht, was aber nicht stimmt.