Leserartikel

HomosexuelleZu viel Fetisch beim CSD

Der Christopher Street Day ist zu einer Fetisch-Parade verkommen, schreibt Leser Christian Kaiser. Wo bleibt die politische Aussage? von Christian Kaiser

Die Welt der Schwulen, Lesben und Transgender wird gern als bunt bezeichnet, weil sie unterschiedliche Lebensweisen toleriert und das Anderssein feiert, statt es zu verstecken. Ich bin froh, dass unsere Gesellschaft diese Vielfalt toleriert und ich meine Orientierung offen leben kann.

Deshalb müsste ich die sogenannten Schwulenparaden wie den Christopher Street Day (CSD) in Berlin oder die Gay Pride Parade in Köln eigentlich gut finden, schließlich wird die Vielfalt sexueller Orientierung nirgends so offen gelebt wie hier. Aber ich sehe diese Paraden kritisch.

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Beim CSD geht es nicht mehr darum, politische Positionen zu vertreten, sondern den eigenen Fetisch zur Schau zu stellen. Für die meisten Passanten ist der CSD mehr ein Kuriositätenkabinett als eine Demonstration gegen Diskriminierung und Ausgrenzung.

Es ist wichtig, um Toleranz für unterschiedliche Lebensweisen zu werben. Aber welche politische Aussage hat es, wenn Männer in String-Tanga und Schweinemaske auf allen vieren kriechende Jungs am Halsband hinter sich herziehen? Stärkt es die Rechte von Lesben und Schwulen, wenn sie ihre sexuellen Vorlieben öffentlich machen?

Das Gegenteil ist der Fall. Eine öffentliche Parade wird auch von Menschen gesehen, in deren Weltbild kein Platz ist für die öffentliche Zurschaustellung von privaten Vorlieben. So wie wir Respekt für unsere Lebensweise erwarten, können auch diese Menschen Respekt für ihre Weltanschauung erwarten. Wenn wir das nicht respektieren, dürfen wir uns nicht wundern, wenn sie sich provoziert fühlen.

Provokation schürt Vorurteile

Aber Provokation ist der falsche Weg, um für seine Rechte zu kämpfen, denn sie lenkt von der Ernsthaftigkeit unseres Anliegens ab. Heterosexuelle demonstrieren ja auch nicht in Tanga und auf Knien rutschend für ihre Belange.

Bei weniger aufgeklärten Menschen tragen solche Auftritte nur zur Vorstellung bei, alle Schwulen hätten einen extremen Fetisch. Als gäbe es keine Schwulen, die man nicht schon aus 100 Meter Entfernung als solche erkennt!

Kein Wunder also, dass manche Menschen in unserer Gesellschaft der Meinung sind, Schwule seien nicht normal. Diese Menschen mögen intolerant und unaufgeklärt sein, aber ist es ihnen zu verdenken, wenn das einzige, was sie von Schwulen zu Gesicht bekommen, eine alljährliche Ansammlung von Exhibitionisten ist?

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Wenn der CSD wieder zu einer Veranstaltung wird, bei der es um politische Wirkung und gesellschaftliche Akzeptanz geht, bin ich dabei. Aber in Jeans und T-Shirt. Und mit meiner politischen Botschaft: Ich möchte so akzeptiert werden, wie ich bin.  

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Leserkommentare
  1. Generell werden die Leserbriefe hier ja recht schnell und recht hart kritisiert.

    Ich kann Ihr Anliegen und auch Ihre Argumentation jedoch sehr gut verstehen.

    Heutzutage muss eben aus allem ein Event gemacht werden, anders kann man die Menschen ja nicht mehr mobilisieren. Ich kann mir vorstellen, dass der CSD oder ähnliche Paraden von den Wenigsten in einem politischen Kontext gesehen werden. (Eine reine Vermutung, ich kann mich auch irren.)

    So werden diese Veranstaltungen, die ehemals ein Zeichen setzen sollten heute nur als weiterer Grund zum feiern "missbraucht".

    23 Leserempfehlungen
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    • Robo T
    • 05. Juli 2013 13:37 Uhr

    Die meisten Teilnehmer verstehen es sehr wohl als politische Demonstration für die Rechte Homosexueller. Dass das Ganze nicht ihren persönlichen Vorstellungen einer Demonstration entspricht, ändert nichts an dieser Tatsache.

  2. 2. Danke!

    Bin eher einer der Konservativen, aber kann Ihre Gedanken sehr gut nachvollziehen! Es wird so oft Toleranz gefordert, aber leider sind viele dieser Personen (das ist nicht nur auf Homosexuelle bezogen) selber gar nicht tolerant.

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    • dp80
    • 02. Juli 2013 19:13 Uhr

    Ihr Satz müsste heißen: "Ich bin eher einer der Konservativen und kann DAHER Ihre Gedanken gut nachvollziehen"

    Der Schreiber des Artikels scheint mir ebenso konservativ zu sein. Konservativ und homosexuell schließen sich ja nicht aus.

    Der Konservativismus hat unter den Homosexuellen in den letzten Jahrzehten extrem stark zugenommen. Man möchte alles genau so machen wie Heterosexuelle und auf keinen Fall anders sein, eine Ehe mit Brautkleid und weißen Kutschen etc. Konservativ ist man, wenn man traditionelle Werte hochhält.

    Natürlich sollen Homosexuelle in allen Belangen rechtlich gleichgestellt werden, darum geht es nicht.

    Es geht um die gesellschaftliche Stimmung, wenn sogar die früher progressiv denkenden Kreise inzwischen Mainstream geworden sind. Ein progressiv denkender Mensch heutzutage müsste gegen die rechtliche Institution der Ehe überhaupt ankämpfen. Soundsoviel Prozent der Ehen werden geschieden und führen in den finanziellen Ruin. Ich weiß nicht, warum Homosexuelle das unbedingt kopieren wollen. Man kann sich auch ohne rechtlich-finanzielle Abhängigkeiten seine unendliche Liebe erklären.

    Davon abgesehen: Der CSD entspricht auch nicht meinem Geschmack. Ich würde dort gar nicht erst hingehen.

    -----> Aber ich würde auch niemandem seinen schrillen Auftritt verbieten, nur um Rücksicht auf die öffentliche Meinung zu nehmen!

    ----> Wir sind ein freies Land und jeder darf mit Hundemaske herumlaufen, wie es ihm passt! Alles andere wäre eine Art von Selbstzensur!

  3. Ich selbst war nun schon einige male auf dem CSD, unter anderem weil einige aus meinem Freundeskreis schwul sind. Aber keiner von denen würde sich auf offener Straße so zeigen. Weder im Alltag, noch am CSD.

    Ich habe vollstes Verständnis für jede Form von homosexueller Lebensweise, aber meiner erster CSD war für mich einfach nur ein Besuch im Kuriositätenkabinet. Bei meinem zweiten hab ich dann mitgefeiert, ohne sehr viel Alkohol wäre da dann aber auch nicht viel gegangen.
    Mitlerweile bleibe ich dem CSD fern. Von Renate ich-demonstriere-überall-mit Künast und einigen anderen Politikern abgesehen, ist es eine einzige Fetischismusparty.

    Wem's gefällt ...

    16 Leserempfehlungen
    • dp80
    • 02. Juli 2013 19:13 Uhr

    Ihr Satz müsste heißen: "Ich bin eher einer der Konservativen und kann DAHER Ihre Gedanken gut nachvollziehen"

    Der Schreiber des Artikels scheint mir ebenso konservativ zu sein. Konservativ und homosexuell schließen sich ja nicht aus.

    Der Konservativismus hat unter den Homosexuellen in den letzten Jahrzehten extrem stark zugenommen. Man möchte alles genau so machen wie Heterosexuelle und auf keinen Fall anders sein, eine Ehe mit Brautkleid und weißen Kutschen etc. Konservativ ist man, wenn man traditionelle Werte hochhält.

    Natürlich sollen Homosexuelle in allen Belangen rechtlich gleichgestellt werden, darum geht es nicht.

    Es geht um die gesellschaftliche Stimmung, wenn sogar die früher progressiv denkenden Kreise inzwischen Mainstream geworden sind. Ein progressiv denkender Mensch heutzutage müsste gegen die rechtliche Institution der Ehe überhaupt ankämpfen. Soundsoviel Prozent der Ehen werden geschieden und führen in den finanziellen Ruin. Ich weiß nicht, warum Homosexuelle das unbedingt kopieren wollen. Man kann sich auch ohne rechtlich-finanzielle Abhängigkeiten seine unendliche Liebe erklären.

    Davon abgesehen: Der CSD entspricht auch nicht meinem Geschmack. Ich würde dort gar nicht erst hingehen.

    -----> Aber ich würde auch niemandem seinen schrillen Auftritt verbieten, nur um Rücksicht auf die öffentliche Meinung zu nehmen!

    ----> Wir sind ein freies Land und jeder darf mit Hundemaske herumlaufen, wie es ihm passt! Alles andere wäre eine Art von Selbstzensur!

    18 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Danke!"
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    ... dass es bei diesem Beitrag ums Verbieten geht. Davon hat der Verfasser kein Wort gesagt. Er hat die öffentliche Hundedressur kritisiert, und zwar zu Recht, wie ich finde.

    Ich bin selber schwul und kein Mauerblümchen, und Fetisch kann ich nicht nur buchstabieren, aber was diese Art von Zurschaustellung auf einer Demo gegen Diskriminierung soll, kann ich nicht nachvollziehen. Das heißt ganz sicher nicht, dass man sich für seine Sexualität schämen müsste oder sie nur heimlich ausleben sollte. Aber irgendwie ist Sexualität--auch die extremen Varianten--auch noch was Intimes.

    Und so sehr es mich schmerzt, das als schwuler Mann anzumerken, aber ich beobachte, dass schwuler Sex (und Fetisch) zur einer narzisstischen Dauerparty verkommt, wo zuviel noch lange nicht genug ist. Dies geht einher mit einer nahezu beispiellosen Kommerzialisierung schwuler Sexualität--von Datingportalen über Fetischläden zu Clubs, Urlauben, internationalen Fetischparties usw. Der Konsum wird angeheizt mit immer neuen Versprechen von Sensation, Geilheit, Spaß haben, sich präsentieren, und der vagen Sorge, nicht mithalten zu können, so wie Werbung eben funktioniert. Dazu gibt es ja auch die inflationären Misterwahlen; endlich sind wir nicht nur schwul, sondern auch noch Konkurrenten.

    Die Validierung der eigenen Sexualität erfolgt dann über die Bewunderung oder Provokation der Mitmenschen. Hauptsache, einer guckt hin!

    Ich kann damit nichts anfangen, und ich bin sicher nicht "konservativ".

    was das Vermummungsverbot zu den Gasmasken etc. sagt...

    ist ein CSD nicht mehr eine Demonstration wie jede andere?`

    Wäre doch schön zu wissen, welche Person (vielleicht sogar der Öffentlichkeit), sich dahinter versteckt ...

  4. Ich möchte meinen Kindern soetwas nicht zumuten müssen, wenn ich mit ihnen durch die Stadt spaziere. Für unter Achtzehnjährige sehr bedenklich.

    11 Leserempfehlungen
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    Ich hoffe, Sie meinen, dass die Parade so wie sie vom Autor kritisiert wird verboten werden sollte und nicht die Parade grundsätzlich?

    Ansonsten finde ich Ihren Kommentar, eher bedenklich.

    http://www.zeit.de/politi...

    (wie gar nicht so wenige) das Verbot fordert, dann hat wohl der CSD gerade durch seine Ästhetik und das Spiel mit sexuellen Versatzstücken eine politische Relevanz. Der Schutz der Kinder ist ja das allbekannte Argument gegen Homosexuelle- unendlich oft variiert.
    Man kann den Jahrmarktcharakter kritisieren- gleichsam ist er ein Dorn im Auge aller Konservativen und religiösen Fanatiker aller Konfessionen. Zumindest dieser Zahn ist den Schwulen noch nicht gezogen!
    Und das ist gut so.

    Und die Person, die diese äußert, mit dazu. Ihre armen Kinder! Außer der Anwendung von Gewalt und psychischer Misshandlung ist wohl nichts schlimmer für ein Kind, als bei gänzlich homophoben Eltern aufzuwachsen.

    Haben Sie sich Mal Gedanken um die Folgen Ihrer fragwürdigen Erziehungsgrundlagen gemacht?

    Ps.: Kinder, die jünger als acht Jahre alt sind, sind z.T. weiter von binären Geschlechtskonstruktionen entfernt, als Sie vermutlich zu glauben scheinen.

    Inwiefern ist das gefährlich für Kinder? Sie müssen ja nicht ihr Kleinkind dahinschleppen. Ältere Kinder verstehen, wenn Sie ihnen erklären, warum es den CSD gibt und können sich ihre eigene Meinung dazu bilden.

    Verbote sind hier wohl das dämlichste was man machen kann. Auch Kinder müssen lernen, dass es Menschen gibt, die anders ticken und das das ok ist. So wurde es mir zumindest beigebracht.

    gehe ich hin.

    Freilich teile ich die Bedenken des Autors voll und ganz. Die Parade selber finde ich meistens schrecklich. Ich weiß aber, dass wir Schwule ganz schnell wieder in die dunklen Ecken weggedrängt werden, wenn wir uns die Freiheit des öffentlichen Raumes begrenzen lassen. Deshalb müssen wir auffällig bleiben und dürfen uns nicht unsichtbar machen. Und die schrillen Jungs, die das beim CSD auf ihre Weise machen, gehören dann eben auch dazu. Mit Toleranz, Humor und Selbstironie lässt sich das alles dann doch ertragen.

    Indessen sollte der CSD tatsächlich wieder politischer werden. Das würde für die organisierten Homosexuellen auch heißen, die eigene Positionierung kritisch zu hinterfragen - gerade auf dem CSD. Wie sieht es etwa aus mit Gewalt unter Schwulen und im Strichermilieu? Sind manche Hassreflexe gegen die Katholische Kirche wirklich noch zeitgemäß? Wie steht es um die konservativen Homosexuellen im Land? Sind sie auch Teil der Szene? Wie grenzen wir uns gegen Päderasten ab? Fragen über Fragen.

    Und ich meine, diese Fragen gehören auch in der Öffentlichkeit reflektiert - gerade zum CSD.

    Natürlich kann man den CSD verbieten...aber dann müssen leider viel heftigere, überwiegend heterosexuelle Parties im Sinne des Kinderschutzes auch eingestampft werden. Gerade was Sex und Freizügigkeit, gemischt mit Alkohol bis zum süßen Koma oder Abkotzen, angeht, schlägt in manchen Gegenden nichts den guten, alten Karneval. Da wird Narrenfreiheit eben noch großgeschrieben.
    Da kann ich vollkommen verstehen, dass sich sowohl manche Männer als auch Frauen sexuell auf eine nicht mehr komische Art angemacht fühlen. Und im dem Umfeld droht dann nicht nur den U-18 Gefahr, sondern auch ganz problemlos allen Ü18ern.

    Ich glaube, unter Achtzehnjährige haben schon mehr gesehen, als Ursel Bums sich vorstellen kann.[...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen über andere User. Danke, die Redaktion/ls

    die Gesetzgeber in Russland.

    Wie sieht es mit "heteroseuxellen" Veranstaltungen bei denen ähnlich viel nackte Haut gezeigt wird. Da würde mir beispielsweise der Karneval einfallen. #

    Minderjährige sind durch Freunde/Schule/Internet schon aufgeklärter als einige glauben möchten.

    Und in einer meiner Lieblingsserien sagte es jemand so passend:

    „Mit dem ersten Glied ist die Kette geschmiedet. Wenn die erste Rede zensiert, der erste Gedanke verboten, die erste Freiheit verweigert wird, dann sind wir alle unwiderruflich gefesselt.“

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare zum konkreten Artikelinhalt. Die Redaktion/au

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Danke, die Redaktion/jp

    ...ist der Einwand gegenüber den Kindern,

    jedoch macht ein Benutzername wie URSEL BUMS das Ganze mehr als zweifelhaft und führt das Anliegen somit meiner Ansicht nach "ad absurdum".

    Mir erscheint es an dieser Stelle eher als spalterische Provokation und die Dame lacht sich ins Fäustchen. Mit Verlaub.

  5. Ich hoffe, Sie meinen, dass die Parade so wie sie vom Autor kritisiert wird verboten werden sollte und nicht die Parade grundsätzlich?

    Ansonsten finde ich Ihren Kommentar, eher bedenklich.

    http://www.zeit.de/politi...

    8 Leserempfehlungen
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    man kann homosexualität akzeptieren und trotzdem dagegen sein, dass kinder mit pornograqfisch angehauchten fetisch-straßenumzügen behelligt werden.
    hat mit intoleranz nixzu tun.

  6. (wie gar nicht so wenige) das Verbot fordert, dann hat wohl der CSD gerade durch seine Ästhetik und das Spiel mit sexuellen Versatzstücken eine politische Relevanz. Der Schutz der Kinder ist ja das allbekannte Argument gegen Homosexuelle- unendlich oft variiert.
    Man kann den Jahrmarktcharakter kritisieren- gleichsam ist er ein Dorn im Auge aller Konservativen und religiösen Fanatiker aller Konfessionen. Zumindest dieser Zahn ist den Schwulen noch nicht gezogen!
    Und das ist gut so.

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    Als wäre alles in Ordnung in der schwulen Welt... Dass schwules Leben vor allem eine Dauerparty sein sollte, ist so ein gängiges Schema. Super Körper, (halb) nackt rumlaufen, tanzen, Klamotten shoppen, und "provozieren" (Gott, was sind wir mutig!)

    Mir hängt das zum Hals raus. Ich finde es überhaupt nicht mutig, in Fetischklamotten über den Berliner CSD zu laufen. Das ist in etwas so politisch, wie im dunken Anzug auf einer CDU-Parteiveranstaltung aufzutauchen. Diese "Sind nicht wir provokant?!"-Nummer ist, auf einen schlichten Nenner gebracht, eine billige Angebernummer, und man kann sich dann noch einbilden, was "für die Sache" getan zu haben. Hat man, aber nur für die eigene.

    Dass jedes Jahr Tausende von schwulen Männern sich neu mit HIV und Hep C infizieren, weil die Party keine Grenzen kennt, und sich mit Drogen zu ballern, weil die Fetischclubs erst nach 2 Uhr in Bewegung kommen, und da eigentlich schon das Sandmännchen vor der Tür steht, wird da nicht gefeiert. DAS kann man den Heteros und Spießern nicht um die Ohren hauen; DAS ist unser Mist.

    Den CSD erlebe ich als Teil dieser "Sind wir nicht toll!"-Party. Mag sein, dass da noch eine politische Botschaft drin steckt, aber es ist keine, die in dem Trara noch sichtbar ist. Dass fast die gesamte politische Spießergemeinde nun die Schwulen knuddeln möchte, sollte einem zu denken geben. Wir sind nette, brave, bunte Konsumenten geworden, und freuen uns drauf, endlich auch "richtig" heiraten zu dürfen. Na toll!

    "Mir hängt das zum Hals raus. Ich finde es überhaupt nicht mutig, in Fetischklamotten über den Berliner CSD zu laufen. Das ist in etwas so politisch, wie im dunken Anzug auf einer CDU-Parteiveranstaltung aufzutauchen."
    Niemand wird auf Grund von schwarzen Anzügen jemals gefordert haben einen CDU Parteitag zu verbieten, wie es Ursl Bums in bezug auf den CSD in ihrem Kommentar forderte und wie es z.B. auch Teile der katholischen Kirche fordern. Ob man Fetische und Exhibtionismus mag oder nicht ist Geschmacksache. Aber gerade die bösen hedonistischen Schwulen konfrontieren den angepaßten schwulen Mainstream, der sich nur noch besorgt ums Ehesplitting u.ä. kümmern will, dass die Schwulenbewegung einmal mehr im Sinn hatte als nur ein gleichberechtigtes quasi heterosexuelles Leben. Der CSD ist ein schwaches Echo dessen, aber ihm das Grelle und Bunte zu nehmen hieße auch dieses zum Verstummen zu bringen.

    • whale
    • 04. Juli 2013 10:55 Uhr

    In Ihrem Kommentar spiegelt sich eine seltsame Logik: WEIL es Menschen gibt, die ihn verbieten wollen, hat er seine Berechtigung? WEIL er ein Dorn im Auge der Konservativen ist, ist er gleichsam politisch?
    Man kann nur sagen: ja, er provoziert. Die Frage, um die es in dem Artikel geht, ist aber doch: Bringt diese Art der Provokation etwas, oder schießt sie über das Ziel hinaus bzw. konterkariert sie es sogar. Ähnliche Diskussionen gibt es ja auch in Bezug auf FEMEN, wo die Frage gestellt wird, ob nackte Brüste nicht am Ende eher doch vom Thema ablenken...
    Meine Meinung zum CSD ist: Ja, er lenkt vom Thema "schwule Rechte" eher ab. Der Konservative fühlt sich provoziert, ja, aber gleichsam bestätigt in seinen Ansichten. Der Nichtkonservative, solidarische Nichtschwule wird sich vielleicht nicht provoziert fühlen, aber sich ebenfalls - siehe auch die vielen Kommentare hier - irritiert fragen, was der ganze Zirkus soll.
    Und tatsächlich, manches Dargebotene überschreitet wirklich die Grenze des Zumutbaren auch für ansonsten lockere Menschen und gerade für Kinder. Ich meine, Exhibitionisten werden strafrechtlich verfolgt, hier werden aber auf offener Straße nicht nur nackte Ärsche gezeigt, sondern sexuelle Praktiken vorgeführt.
    P.S. Ich habe nichts gegen sexuelle Praktiken, die über das "Normale" hinausgehen (was heißt das schon, normal?). Aber muss man alles öffentlich aufführen? Nimmt man ihm damit nicht sogar seinen Reiz?

    "In Ihrem Kommentar spiegelt sich eine seltsame Logik: WEIL es Menschen gibt, die ihn verbieten wollen, hat er seine Berechtigung? WEIL er ein Dorn im Auge der Konservativen ist, ist er gleichsam politisch?"
    Nehmen wir mal ein grundsätzliche Definition von "Politik":
    „Soziales Handeln, das auf Entscheidungen und Steuerungsmechanismen ausgerichtet ist, die allgemein verbindlich sind und das Zusammenleben von Menschen regeln“ (Thomas Bernauer et al.: Einführung in die Politikwissenschaft)

    Wer das Politische außschließlich die Ebene von Gesetzen und Rechtssprechung reduziert, übersieht, dass die öffentliche Debatte, das öffentliche Auftreten in welcher Form auch immer per se politisch ist.
    Konservative Schwule, dass Bewegungen sexueller Minderheiten ihre Ziele am besten durch angepaßtes, seriöses Verhalten durchsetzen können. Die Ziele der Konservativen egal welcher sexueller Ausrichtung als das allgemeine Ziel der Schwulenbwegung zu definieren ist nicht nur anmaßend, sondern zutiefst ahistorisch. In der Cristopher Street wehrten sich Schwule
    g e w a l t s a m gegen die Repression durch die Polizei. Ein bewußt in Kauf genommer illegaler Akt. In Sachsen würden sie dafür wegen wegen schweren Landesfriedensbruch verurteilt werden.
    Auch damals gab es schon Stimmen, dass diese Provikation von den Zielen ablenke und zu nichts führe.

  7. Aus meinem Umkreis sehen die meisten Bekannten -unabhängig von ihrer Orientierung oder Identität- den CSD mittlerweile als Spassveranstaltung. Viele fühlen sich dort schlicht nicht vertreten, so wie man Karneval eben mag oder auch nicht mag. Das kann ich gut verstehen; ein lesbisches Paar, das verzweifelt versucht in Deutschland per Samenspende Nachwuchs zu bekommen -weil man keine Lust hat sich von einem Fremden ONS anbuffen zu lassen-, oder das schwule Paar, dass verzweifelt versucht ein Kind zu adoptieren oder eine transsexuelle Frau, die gegen die eigene Psychopathologisierung demonstriert...ja, dass da eine Partymeile deren Interessen nicht ganz optimal vertritt, das leuchtet selbst mir schon ein.

    Was das Kapern von Begriffen anbelangt...das ist leider Usus; aber da räubert jede Gruppe. Aus der ehemaligen sexuellen Orientierung wurde sexuelle Identität - was mittlerweile je nach Auslegungssache alles umschliessen kann, wodurch dieser Begriff fast schon beliebig wurde; was wiederum zb. manche transsexuelle Männer und Frauen auch gar nicht so lustig fanden, da eine Aussage über das eigene Geschlecht etwas völlig anderes als eine Aussage über die Orientierung ist. Von der Tatsache ganz zu schweigen, dass man sie auch noch unter dem Label Transgender in ihrem männlichen oder weiblichen Geschlecht wiederum unsichtbar gemacht hat.

    Viel wichtiger ist es im kleinen Rahmen bei dummen Sprüchen vielleicht seinem Gegenüber einfach mal ins Gesicht zu sagen, was man davon hält.

    10 Leserempfehlungen
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    er liegt vollkommen falsch wenn er versucht, alle Schwulen unter die heteronormative Käseglocke packen zu wollen: Vor allem am liebsten schön leise, so, dass es keiner mitbekommt, muss ja nicht jeder wissen was der Nachbar treibt... wir sind ja schliesslich jetzt so toal offen und tolerant, hat der Mann im Fernsehen gesagt !

    Und selbstverständlich dürfen "die Kinder" ja auch "sowas" nicht sehen, was sollen die nur denken, vielleicht sind sie dann ja selber mal später auch so ? OH GOTT !

    Sollen sie sich doch lieber ihre Pornos aus dem Internet ziehen statt aufgeklärt mit offenen Augen durchs Leben zu gehen !?

    Mir gehen diese endlosen, entsetzlich blöden Kommentare unsäglich auf den Geist:

    zum mitschreiben:

    SCHWULE UNS LESBEN SIND NUNMAL ANDERS
    Wir sind laut, bunt, schrill, schwarz, grell, tragen ne Maske, ne Leine, ne Lederhose, ein "nichts" von Muskelshirt oder auch die große Bühnengarderobe... und das in allen Farben des Regenbogens.... UND WIR SIND STOLZ DARAUF SO ZU SEIN !!!

    An dem Tag, an dem die Heteros zum CSD genauso erscheinen wir wir Schwulen, Lesben, Transgender usw wird genau der Tag sein an dem ihr uns endlich als das anerkennt was wir sind: Teil der selben Menschheit wie ihr !

    An dem Tag, an dem ihr Heteros erkennt, dass es nicht auf die Schale ankommt sondern auf das was darunter liegt werde Dir, lieber Christian Kaiser auch glauben, dass du tolerant bist:[…]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/jp

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  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Christopher Street Day | Demonstration | Diskriminierung | Jeans | Botschaft | Wunder
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