Der Mann mit dem Schnurrbart und den grauen Strähnen im Haar kennt Beate Zschäpe gut. Jedenfalls sagt er mehr über sie, als viele, die mal viel mit ihr zu tun hatten, aber nicht reden wollen. Etwa die ebenfalls Angeklagten Ralf Wohlleben und André E.

Weil auch die Hauptangeklagte im NSU-Prozess nichts sagt, müssen andere ran – nämlich die, mit denen Zschäpe wenigstens kurz gesprochen hat. Das Gericht hat drei Polizeiangehörige geladen, die irgendwann während der Ermittlungen mit Zschäpe Kontakt hatten. Zwei hatten bereits am Vortag ausgesagt, nun ist der Erste Kriminalhauptkommissar Rainer B. dran. Er bringt es auf acht Stunden gemeinsame Zeit. Wo sonst fast ausnahmslos geschwiegen wird, ist das durchaus viel.

B. brachte Zschäpe Ende Juni 2012 vom Untersuchungsgefängnis in Köln nach Gera, wo sie ihre Mutter und ihre Großmutter traf. Jeweils vier Stunden dauerten die Hinfahrt und der Rückweg nach Köln am darauf folgenden Tag. Auch zwei weitere Kolleginnen vom BKA saßen mit in dem VW-Bus. Zschäpe, an Händen und Füßen gefesselt, sei vor der Fahrt zu ihren Verwandten richtig aufgeregt gewesen. Der Kommissar wies sie nach eigener Angabe darauf hin, dass über ihre Äußerungen während der Fahrt ein Vermerk geschrieben würde. Zschäpe antwortete demnach, sie wisse das.

Sie hätten übers Wetter gesprochen. B. habe gefragt, ob sie das Phänomen kenne, dass man am Strand der Ostseeinsel Fehmarn sehen kann, wie es auf dem Festland regnet. "Wer sagt denn, dass ich jemals auf Fehmarn war?", habe die Beschuldigte entgegnet. "Ich dachte, das sei geklärt", habe er geantwortet. Die Ermittler wissen, dass Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt mehrmals mit einem Wohnmobil Urlaub auf der Insel gemacht haben. Auf das Thema sei er jedoch zufällig gekommen.

Zschäpe sei "ruhig und sachlich" gewesen, über ihre Ideologie sei nicht gesprochen worden, sagt B. Allerdings habe sie sich zu der Andeutung geäußert, die sie bereits einem anderen BKA-Ermittler gemacht hatte: Demnach hätte sie sich gestellt, um irgendwann auszusagen; ihr Anwalt habe ihr später jedoch davon abgeraten. Dabei habe sie eigentlich Angaben machen wollen, als ihre Großmutter sehr krank war, "um sich bei ihr zu entschuldigen". Was sie damit genau meinte, erklärte sie B. zufolge jedoch nicht. Laut dem Vermerk, den seine Kollegin nach der Fahrt schrieb, sagte Zschäpe zudem, sie sei "niemand, der nicht zu seinen Taten steht".

B.s Aussage zufolge hatte Zschäpe während der knapp acht Stunden, die er mit ihr sprach, vor allem ein Lieblingsthema: die angebliche Unfähigkeit ihres Anwalts Wolfgang Heer. Der Kölner war der erste, den die Beschuldigte nach ihrer Verhaftung mit ihrer Verteidigung beauftragt hatte, später kamen noch Wolfgang Stahl und Anja Sturm dazu. "Der macht ja eigentlich sehr wenig", habe sich Zschäpe aufgeregt. Außerdem habe sie ihn verdächtigt, gute Beziehungen zu einer Tageszeitung unterhalten und Akten an Journalisten weitergereicht zu haben. Ihre Aufregung habe in einer Behauptung gegipfelt, wonach Heer Zschäpes Mutter Annerose aufgefordert habe, dem ARD-Magazin Panorama ein Interview zu geben. Dazu kam es letztlich nicht.

Schließlich habe Zschäpe auch noch überlegt, wie sie am besten einen weiteren Verteidiger finden könne. B. gab ihr daraufhin nach eigener Aussage den Tipp, ihre Mutter um die Suche nach einem Anwalt zu bitten.