Als Unterstützer von Rechtsterroristen ist Holger G. im NSU-Prozess angeklagt. Aber der unauffällig aussehende Mann mit der randlosen Brille ist auch einer der wichtigsten Belastungszeugen der Bundesanwaltschaft gegen Beate Zschäpe sowie die Mitangeklagten Ralf Wohlleben und Carsten S. Das wird deutlich an diesem 23. Verhandlungstag: Während draußen die Sonne scheint, geht es im fensterlosen Saal des Oberlandesgerichts München besonders kleinschrittig voran.

Bis 2011 unterhielt G. Kontakt zu den mutmaßlichen Terroristen. Er ist neben Carsten S. der einzige Angeklagte, der ausführlich zum NSU aussagte. In Untersuchungshaft gestand G. um die Jahreswende 2011/2012, Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt mit Ausweispapieren, Krankenkassenkarten und Reisepässen sowie Geld beim Leben im Untergrund unterstützt zu haben. Einmal habe er im Auftrag des ehemaligen NPD-Funktionärs Ralf Wohlleben eine Waffe für die drei von Jena nach Zwickau transportiert. Für ihn sei das ein Freundschaftsdienst für alte Kameraden in Schwierigkeiten gewesen. Er habe nicht gewusst, was mit der Waffe passiere, behauptet der Angeklagte. Nur weil mit der Pistole offenbar niemand getötet wurde, ist er nicht wegen versuchten Mordes angeklagt.

Anfang Juni bestätigte G. seine Aussagen auch vor Gericht – mit einer schriftlichen Erklärung. Fragen waren nicht zugelassen. Als Zeuge geladen ist am Dienstag daher nun ein BKA-Beamter, der G. nach dessen Festnahme insgesamt fünfmal befragt hat. Der Beamte soll G.s Aussage untermauern und durch sein eigenes Erinnerungsvermögen womöglich Einzelheiten ergänzen. Richter Manfred Götzl lässt den Kriminalbeamten die fünf Vernehmungen nacheinander referieren, stellt sehr genaue Nachfragen: Wann gab Holger G. was zu, wann wurde welches Detail besprochen?

Der BKA-Beamte stellt klar, dass G. nicht von Anfang an zu allen Sachverhalten die volle Wahrheit gesagt habe. So beteuerte G., die Untergetauchten nur einmal in ihrer langjährigen Wohnung in Zwickau besucht zu haben. Damals sei er Zschäpe hinterhergelaufen, die ihn vom Bahnhof abgeholt habe. Die Ermittler glauben ihm nicht. "Zielstrebig" habe G. die BKA-Beamten bei einer Nachbegehung zum Ziel geführt, obwohl der Weg kompliziert gewesen sei. Später habe er ausgesagt, die Wohnung sei immer aufgeräumt gewesen.

Über den Waffentransport von Jena nach Zwickau hört der BKA-Ermittler in den fünf Vernehmungen ebenfalls sehr unterschiedliche Versionen. G. wollte zunächst nicht zugeben, gewusst zu haben, dass Ralf Wohlleben ihm eine Waffe für die drei Untergetauchten zugesteckt hatte. Er habe lediglich einen Beutel nach Zwickau bringen sollen und diesen eingesteckt. Dass G. so sehr darauf bestand, nicht zu wissen, was in dem Beutel war, sei für das BKA der Hinweis, "dass er es sicher wusste", sagt der BKA-Beamte lapidar dazu. Schließlich würde sich G. schwer belasten, wenn er zugäbe, ein potenzielles Mordwerkzeug transportiert zu haben.

Später zeigte sich G. doch zu einer umfassenderen Aussage bereit: Im Zug habe er erfühlt, dass es sich bei dem Gegenstand im Beutel um eine Waffe handele und sich erschrocken. Zudem habe "einer der beiden Uwes" bei seiner Ankunft in der Zwickauer Wohnung vor ihm die Waffe durchgeladen – in Anwesenheit von Zschäpe. Dann habe G. nach eigenen Angaben erzürnt gesagt: "So einen Scheiß mach ich nicht noch mal."