NSU-ProzessBeate Zschäpe scheint auf eine bürgerliche Zukunft zu hoffen

Beate Zschäpe wirkt vor Gericht selbstbewusst, ja beinahe lebensfroh. Aber das passt nicht recht zu ihrer Absicht zu schweigen. Wird sie doch noch aussagen? von Frank Jansen

Beate Zschäpe im NSU-Prozess am 4. Juni

Beate Zschäpe im NSU-Prozess am 4. Juni   |  © Christof Stache/AFP/Getty Images

Sie erscheint oft betont schick. Mal kommt Beate Zschäpe in schwarzem Damensakko und schwarzer Jeans, dann folgt ein silbriger Hosenanzug. Demonstrativ stellt sich die 38-Jährige jeden Morgen mit dem Rücken den Fotografen entgegen. Der Auftritt im Saal A101 des Münchener Oberlandesgerichts wirkt selbstbewusst. Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess signalisiert Lebenswillen, mag das die Öffentlichkeit auch irritieren und die Angehörigen der Opfer des NSU-Terrors verstören. Zschäpe präsentiert sich, als könnte sie bald das Gericht verlassen.

Einfach nur dreist, ja irrational? Immerhin droht ihr eine lange Haftstrafe. Die Frau aus Thüringen ist angeklagt, bei allen Verbrechen des NSU die Mittäterin gewesen zu sein.

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Selbst wenn das nicht nachzuweisen sein sollte – mehrere Jahre Gefängnis sind schon fällig, weil Zschäpe im November 2011 in Zwickau die Wohnung angezündet hat, in der sie sich mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt versteckte. Zschäpes Verhalten im Gericht erscheint makaber, aber vielleicht steckt mehr dahinter. Es gibt einen Hinweis, dass sie endlich ein normaler Mensch sein möchte. Dass sie keine Normalität vortäuschen möchte wie in den fast 14 Jahren im Untergrund, als sie freundlich mit ahnungslosen Nachbarn verkehrte.

Als ihr im Juni 2012 ein Beamter des Bundeskriminalamts erzählte, die ehemalige RAF-Terroristin Susanne Albrecht führe heute ein neues Leben, mit anderem Namen und einem angesehenen Beruf, sagte Zschäpe, das wäre das, was sie auch gerne möchte. So hat es der BKA-Mann am Mittwoch dem sechsten Strafsenat berichtet

Zschäpe wollte nicht beichten

Zschäpe hörte, wie seit Beginn des Prozesses, schweigend zu. Der Beamte hatte ihr die Geschichte Albrecht, die an Mordanschlägen beteiligt war, nicht ohne Kalkül erzählt. Albrecht hatte 1991 in ihrem Prozess ein umfassendes Geständnis abgelegt und kam nach fünf Jahren Haft auf Bewährung frei. Das BKA hoffte, Zschäpe zu einer ähnlichen Lebensbeichte veranlassen zu können.

So verwickelte der Polizist die Frau bei einer Fahrt von der JVA Köln-Ossendorf zur JVA Gera, wo sie Mutter und Großmutter treffen konnte, immer wieder in Gespräche. Das war juristisch heikel, Zschäpe hatte keinen Anwalt an ihrer Seite und die Bundesanwaltschaft hatte den Verzicht auf eine Vernehmung zugesichert. Zschäpe blieb allerdings stur und äußerte sich nicht zum Nationalsozialistischen Untergrund. Und sie tut es erst recht nicht im Beisein ihrer Verteidiger. Aus prozesstaktischen Gründen wollen diese nicht, dass Zschäpe redet.

Dennoch bekommt das Bild dieser Frau nach sieben Prozesswochen etwas mehr Farbe. Sie sieht nicht aus wie eine verbiesterte Fanatikerin, die sich auf ewig dem bewaffneten Kampf verschrieben hat. Aber es bleiben Zweifel. Zschäpe mag auf eine bürgerliche Perspektive hoffen, doch hat sie sich vom Rechtsextremismus gelöst? Oder will sie etwa beides kombinieren? Das wäre für Teile der ostdeutschen Gesellschaft vermutlich nicht untypisch. Rechtsextremisten, die Anfang der 1990er Jahre in Hoyerswerda, Rostock und anderen Orten Flüchtlingsheime attackierten, sind heute oft Durchschnittsbürger. Doch Anzeichen, es könnte sich etwas in den Köpfen geändert haben, sind selten.

Liebesbrief an einen Rechtsextremen

Dass Zschäpe zu den Tatvorwürfen nichts sagt, ist das Recht eines jeden Angeklagten. Aber Schweigen bedeutet auch, dass aus Zschäpes Mund keine Umkehr zu hören ist. Und der Verdacht, die Angeklagte könnte weiterhin zumindest Sympathie für die braune Szene hegen, ist nicht verblasst. Am Rande der Hauptverhandlung wurde ein Liebesbrief bekannt, den Zschäpe im März einem in Bielefeld einsitzenden Häftling geschrieben hatte, der aus der rechten Szene in Dortmund stammt und eine Strafe wegen schwerer räuberischer Erpressung verbüßt. Ist Zschäpe deshalb die Liaison eingegangen?

Sie hat darauf verzichtet, Verteidiger in der rechten Szene zu suchen. Und nach der Festnahme zeigte sie sich bei der Polizei erleichtert, den Untergrund verlassen zu haben. Hatte sie zu Beginn wohl noch Selbstmordgedanken, scheint sie jetzt gefestigter. Nach dieser Zäsur verwundert es nicht, dass Zschäpe, trotz der Aussicht auf viele Jahre Haft, wenn nicht sogar Sicherungsverwahrung, doch auf ein normales Leben hofft. Es könnte ein erster Schritt auf dem Weg sein, den schließlich auch Susanne Albrecht gegangen ist. Zschäpe hat im November 2011 der Polizei gesagt, sie habe sich nicht gestellt, um nichts zu sagen. Mehr kam bislang nicht. Wie lange hält Zschäpe den Widerspruch aus? Der NSU-Prozess könnte zwei Jahre dauern.

Erschienen im Tagesspiegel


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Leserkommentare
  1. „Beate Zschäpe wirkt vor Gericht selbstbewusst, ja beinahe lebensfroh. Aber das passt nicht recht zu ihrer Absicht zu schweigen. Wird sie doch noch aussagen? …
    Zschäpe hat im November 2011 der Polizei gesagt, sie habe sich nicht gestellt, um nichts zu sagen. Mehr kam bislang nicht. Wie lange hält Zschäpe den Widerspruch aus?“

    Wo liegt der Widerspruch. Zschäpe bzw. ihre Anwälte verhalten sich lediglich im Sinne der Verteidigung klug. Sie wird voraussichtlich zum Schluss der Verhandlung aussagen, wenn alle Zeugenvernehmungen abgeschlossen sind und wenn die Art und Weise der staatsanwaltlichen Beweisführung klar erkennbar ist und auf dem Tisch liegt. Dies hat für die Verteidigung den Vorteil, dass sie nicht Gefahr läuft, über gesicherte Strafrechtstatbestände hinaus, sich selbst mit ihrer Aussage zu belasten.

    6 Leserempfehlungen
  2. sie bereut nicht, es ist ihr gleichgültig,
    zumindest kommt es einem außenstehenden so vor.
    (Da die Brandstiftung, auch keine Reaktion hervorgerufen hat)

    Dieses kann man so oder so deuten,
    sie sollte sich klar machen,
    das man Beweise in der Hand hat,
    die diesen Prozess rechtfertigen.

    Durch ihr Verhalten wird auch langsam klar,
    das Sie eine wichtige Rolle gespielt hat
    und die Truppe zusammen hielt,
    sie sollte aber nicht vergessen das es Zeugen gibt,
    die Sie nicht kontrollieren kann.

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    Ob Beate Zschäpe bereut (und im Falle, dass: Was genau und warum sie es bereut), das kann mit Sicherheit niemand wissen außer Beate Zschäpe selbst. Wir können eben keine Gedanken lesen, und das ist auch gut so. Das ist allein ihre persönliche Sache, die sie mit ihrem eigenen Gewissen auszumachen hat.

  3. Es ist schon verwunderlich, dass viele Journalisten die uns über diesen Fall berichten sollen, dem äußeren Erscheinungsbild von Zschäpe derart erliegen, dass sie den Teufel nun zum Engel verkehren.

    Sie ist eine schwerkriminelle Person die zahlreiche Banküberfalle, Morde und Bombenanschläge mitzuverantworten hat. Sie hat rassistische und hetzerische DVD's an diverse Einrichtungen verschickt, sie hat vermutlich auch an den Todeslisten der Gruppe mitgewirkt und hat ein Haus in die Luft gesprengt und dabei wissentlich den Tod ihrer Nachbarschaf t und spielender Kinder in Kauf genommen. Sie hat mit den miesesten Rassisten unsere Landes Kontakt und teilt mit ihnen eine menschenverachtende Ideologie des Nationalismus und der Fremdenfeindlichkeit die so weit geht, das man bereit ist dafür zu Morden.

    Wären ihre Companions ihr nicht verfallen, so hätten sie mit Sicherheit nicht den NSU mit einer Frau begangen die rumänischen Ursprungs ist und in deren Sprache ausgedrückt - ein Mischling ist.

    Habe einen Artikel gelesen, indem die beiden Uwes einem nahen Verwandten der ein Kind hatte das zur Hälfte kroatisch war, stets abschätzig Mischlingskind nannten.

    Diese Frau ist eine ganz übele Kriminelle. Da kann sie sich anziehen wie sie will.

    14 Leserempfehlungen
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    Sie ist eine schwerkriminelle Person, woher wissen Sie das?
    Wer Millionen verzockt, im schwarzen Rock Kinder missbraucht, alles nur fun? Was ausser den Brand zu legen und ob sie es allein war, nix wissen wir, werden wir nie erfahren. Das klaert nichts auf, das fuehrt die Ohnmacht vor. BND arbeitet mit NSA zusammen, scannt emaills und Facebook Profile. So haette man die auch NIE gefunden. Das will man auch gar nicht

    über die Berichterstattung mag gerechtfertigt sein. Bei der Bewertung der Angeklagten („Diese Frau ist eine ganz üble Kriminelle“) und mit der von Ihnen als Tatsachen dargestellten Taten, greifen Sie allerdings einem Urteil vor. Zschäpe ist zurzeit Angeklagte, mehr aber nicht. Ihre Darstellung suggeriert, dass wir in Deutschland keine Gerichte mehr benötigen, um Schuld bzw. Unschuld festzustellen.

    Hätte diese Frau ein Kopftuch an und wäre Mitglied einer islamistischen Zelle die in Deutschland Menschen ermordet hätte, diverse Bombenanschläge verübt hätten und Banken ausgeraubt hätte, dann wäre hier eine andere Stimmung.

    Man darf dennoch getrost davon ausgehen das diese Frau das ist was ich zuvor geschrieben habe. Ich kann mir auch mein eigenes Bild machen und bei dem was ich bisher lesen und sehen konnte gehe ich davon aus, dass sie ein besonders schwere Kriminelle ist.

    Sie werden sehen - ich werde recht behalten und das Gericht wird meiner Vorverurteilung folgen.

    • Evolux
    • 07. Juli 2013 10:41 Uhr

    "Sie hat rassistische und hetzerische DVD's an diverse Einrichtungen verschickt, sie hat vermutlich auch an den Todeslisten der Gruppe mitgewirkt und hat ein Haus in die Luft gesprengt und dabei wissentlich den Tod ihrer Nachbarschaf t und spielender Kinder in Kauf genommen."

    Wie soll das vor sich gegangen sein?
    (Den Rest den Artikel mal außer Acht lassend)

    "Aus dem BGH - Beschluss zur Haftbeschwerde des Andre Eminger kann man
    erstaunliche Details herauslesen:

    Für das NSU-Video brauchte der Hersteller unbedingt den Zeichensatz
    "COSMIC2N.ttf", doch der fand sich auf keinem Computer, keiner
    Festplatte, keinem sonstigen Datenträger von Andre Eminger und auch
    nicht im sonstigen Umfeld der NSU in Zwickau oder sonstwo.

    Laut forensischer Analyse wurde der Zeichensatz auch nicht
    nachträglich wieder gelöscht.

    Es konnte auch nicht nachgewiesen werden, dass die Computer des
    NSU-Trios oder von Andre Eminger zur Herstellung der DVDs benutzt
    wurden."

    • Evolux
    • 07. Juli 2013 12:03 Uhr

    ......an dem man sich reiben kann.
    Stelle mal was gegenüber

    "Es ist schon verwunderlich, dass viele Journalisten die uns über diesen Fall berichten sollen, dem äußeren Erscheinungsbild von Zschäpe derart erliegen, dass sie den Teufel nun zum Engel verkehren"

    Sie eine V-Frau aus dem rechtsradikalen Millieu,die aber geschützt werden muss und die weiß was ihr blüht,wenn sie dennoch aussagen sollte.
    wieso sollte der "Schwenk" aktuell also verwundern?

    "Sie ist eine schwerkriminelle Person die zahlreiche Banküberfalle, Morde und Bombenanschläge mitzuverantworten hat."

    Aufgrund ihrer Vorgeschichte nicht abwegig,prädestiniert sie aber als V-Frau
    oder als Teil einer "Sondereinheit"

    "Sie hat rassistische und hetzerische DVD's an diverse Einrichtungen verschickt, sie hat vermutlich auch an den Todeslisten der Gruppe mitgewirkt und hat ein Haus in die Luft gesprengt und dabei wissentlich den Tod ihrer Nachbarschaf t und spielender Kinder in Kauf genommen."

    Sich gleichzeitig be- und entlastet,flüchtend und sich dann der Polizei stellend.Wohl wissend,daß man sie schützen wird(V-Frau)

    "Sie hat mit den miesesten Rassisten unsere Landes Kontakt "

    Wovon mindestens 24 V-Leute der Polizei und des Verfassungsschutz waren (auch ein "Lover" war dabei)

    "und teilt mit ihnen eine menschenverachtende Ideologie des Nationalismus und der Fremdenfeindlichkeit die so weit geht, das man bereit ist dafür zu Morden."

    Ja- sie
    selbst wurde aber an keinem der Tatorte gesehen.Oder doch?

    Morde, Überfälle, Bombenanschläge.

    Es reicht wenn sie davon wusste und an den Taten unterstützend mitwirkte.

    Es ist schon echt bezeichnend wie unterschiedlich man auf Terror reagiert, wenn die Täter aus dem eigenen Kulturkreis stammen.

    "...Wären ihre Companions ihr nicht verfallen, so hätten sie mit Sicherheit nicht den NSU mit einer Frau begangen die rumänischen Ursprungs ist und in deren Sprache ausgedrückt - ein Mischling ist.

    Habe einen Artikel gelesen, indem die beiden Uwes einem nahen Verwandten der ein Kind hatte das zur Hälfte kroatisch war, stets abschätzig Mischlingskind nannten...."

    ... Klatschpresse ist und mit dem Fall an sich nix zu tun hat, würde mich ja schon mal interessieren, ob die beiden überhaupt um ihren rumänischen Vater wussten.

    Btw.: weiß eigentlich jemand, warum Zschäpe gebürtig anders hieß (Apel)?

    "Wären ihre Companions ihr nicht verfallen, so hätten sie mit Sicherheit nicht den NSU mit einer Frau begangen die rumänischen Ursprungs ist und in deren Sprache ausgedrückt - ein Mischling ist.

    Habe einen Artikel gelesen, indem die beiden Uwes einem nahen Verwandten der ein Kind hatte das zur Hälfte kroatisch war, stets abschätzig Mischlingskind nannten."

    Auch da gibt es unterschiedliches Maß, also wenn ich mir historische Bilder ansehe, dann entsprach die so sehr auf Ariertum bedachte nationalsozialistische Regierung auch nicht gerade dem Ideal der "nordischen Germanen".

    Und trotzdem favorisierten sie diese völkischen rassistischen Ziele.
    Ist das damals niemandem aufgefallen?

    Natürlich doch, es gab vermutlich strafbare Witze über Zweifel an arischer Herkunft (Quelle: Gamm, "Der Flüsterwitz in Dritten Reich")

  4. Sie ist eine schwerkriminelle Person, woher wissen Sie das?
    Wer Millionen verzockt, im schwarzen Rock Kinder missbraucht, alles nur fun? Was ausser den Brand zu legen und ob sie es allein war, nix wissen wir, werden wir nie erfahren. Das klaert nichts auf, das fuehrt die Ohnmacht vor. BND arbeitet mit NSA zusammen, scannt emaills und Facebook Profile. So haette man die auch NIE gefunden. Das will man auch gar nicht

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Verwunderung"
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    Entschuldigen Sie, aber das ist wohl ein wirklich dummer Kommentar von Ihnen, denn Ihre Unterstellungen wurden mit keinem Wort in dem Kommentar auf den Sie sich beziehen geäußert oder relativiert. Insofern können Sie sich solche Aufrechnungen sparen, denn das eine macht das andere nicht besser/schlechter.

    Es ist nur unerträglich, wie sich die "Journalisten" lediglich auf irgendwelche Äußerlichkeiten stürzen und sich - scheinbar - davon beeindrucken lassen, nur weil diese Frau versucht, eine bürgerliche Fassade aufzubauen.

    Wenn diese Zschäpe bereuen würde, dann würde sie sich nicht so berechnend taktisch verhalten oder hätte sich zumindest für ihre Taten entschuldigt.

  5. über die Berichterstattung mag gerechtfertigt sein. Bei der Bewertung der Angeklagten („Diese Frau ist eine ganz üble Kriminelle“) und mit der von Ihnen als Tatsachen dargestellten Taten, greifen Sie allerdings einem Urteil vor. Zschäpe ist zurzeit Angeklagte, mehr aber nicht. Ihre Darstellung suggeriert, dass wir in Deutschland keine Gerichte mehr benötigen, um Schuld bzw. Unschuld festzustellen.

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Verwunderung"
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    "...Bei der Bewertung der Angeklagten („Diese Frau ist eine ganz üble Kriminelle“) und mit der von Ihnen als Tatsachen dargestellten Taten, greifen Sie allerdings einem Urteil vor. Zschäpe ist zurzeit Angeklagte, mehr aber nicht. Ihre Darstellung suggeriert, dass wir in Deutschland keine Gerichte mehr benötigen, um Schuld bzw. Unschuld festzustellen...."

    Die Unschuldsvermutung bindet zunächst einmal unmittelbar nur die richtende Instanz. Im Rahmen seiner Meinungsfreiheit hat hier jeder das Recht, auch solche Tatsachenbehauptungen aufzustellen.

    Es erstaunt mich, dass in nahezu allen Postings -wie hier durch "europat"- betont wird, dass die Schuld von Frau Zschäpe noch nicht erwiesen sei. Nun man kann aus den zahlreichen Informationen, die zugänglich sind, sehr wohl ein persönliches Urteil fällen. Und man kann ein gerichtliches Urteil, obwohl es juristisch korrekt ist- für moralisch und faktisch falsch halten und aufs Schärfste verurteilen. Ich will hier nicht die Erfahrungen durch die NS Gerichtsbarkeit erwähnen, viel näher und näherliegend sind die Urteile in Bezug auf die Attente beim Oktoberfest. Ich persönlich verurteile die gerichtlichen Urteile von damals, die die wahren Zusammenhänge verschleierten. Was für ein seltsame Staatsauffassung liegt der Überzeugung zu Grunde, dass meine moralischen Wertungen mit denen der Gerichtsbarkeit zwangsläufig übereinstimmen müssen. Nur in einem totalitären System wird diese Loyalität eingefordert.
    Die "Mutmaßlich-Poster" sollten doch mit offenen Karten spielen und sagen, dass sie persönlich von der Unschuld von Zschäpe überzeugt sind oder ihr Tun für gut heißen und sich nicht hinter juristischen Begriffen verstecken.

  6. Telefon.
    Internet.
    email.
    Post.

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    • gdm50
    • 07. Juli 2013 13:40 Uhr

    Sie wollen also, dass sie wieder eine normale, den übrigen Bundesbürgern rechtlich gleichgestellte Person wird?

    • output
    • 07. Juli 2013 10:12 Uhr

    Die Anwälte raten Zschäpe vor Gericht zu schweigen. Das würde bedeuten, dass die Anwälte die wahre Story kennen, denn nur dann macht eine solche anwaltliche Anweisung Sinn. Sollte die wahre Story darin bestehen, dass Zschäpe ihren Anwälten ihre Unschuld dargestellt hätte, würde Schweigen vor Gericht die falsche Strategie sein. Doch die Anwälte raten zum Schweigen. Das hieße die Anwälte kennen oder ahnen die wahre Tatverläufe. Tragen die Anwälte damit nicht eine enorme Last mit sich herum? Anwälte sind auch nur Menschen.

    @jeb space. Es wäre angebracht, ihren Beitrag im Konjunktiv zu schreiben. Noch ist Beate Zschäpe zu nichts verurteilt.

    2 Leserempfehlungen
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    "Das hieße die Anwälte kennen oder ahnen die wahre Tatverläufe. "

    Sie zeigen ein Schwarz-Weiß-Bild auf (entweder oder) und verkennen offenbar die Arbeit von Anwälten in Indizienprozessen. Die persönliche und moralische Meinung eines Anwalts ist generell nicht prozessrelevant, sollte Sie auch in diesem speziell Fall erst recht nicht sein. Denn die Anwälte, wie auch das Gericht, können zum jetzigen Zeitpunkt selbst noch nicht wissen, ob ein Verhalten der Angeklagten strafwürdig ist oder nicht.

  7. Hätte diese Frau ein Kopftuch an und wäre Mitglied einer islamistischen Zelle die in Deutschland Menschen ermordet hätte, diverse Bombenanschläge verübt hätten und Banken ausgeraubt hätte, dann wäre hier eine andere Stimmung.

    Man darf dennoch getrost davon ausgehen das diese Frau das ist was ich zuvor geschrieben habe. Ich kann mir auch mein eigenes Bild machen und bei dem was ich bisher lesen und sehen konnte gehe ich davon aus, dass sie ein besonders schwere Kriminelle ist.

    Sie werden sehen - ich werde recht behalten und das Gericht wird meiner Vorverurteilung folgen.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Verwunderung"
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    Mein Vorteil ist, dass ich kein Urteil fällen muss, sondern mir nur meine Meinung bilde. Bei einer mordenden Nazi-Bande wird nun die Vorverurteilung angemahnt und man spielt alles schön runter.

    Bei einer islamistischen Bedrohung werden dann stets wieder alle Muslime verurteilt und über Jahre hinweg hält man dies aufrecht.

    Man stelle sich vor der NSU wäre eine linke Terrororganisation, dann hätte Friedrich wohl auch anders reagiert, ebenso die Verfolgungsbehörden. Da die Nazis einigen besser ins Weltbild passen merkt man an den Kommentaren und der Arbeit der Ermittler.

    Genau man stelle sich einmal vor hier wäre ein ähnlicher Prozess über einen mutmaßlichen Täter welcher ausländisch, oder islamistisch geprägt wäre.

    Ich könnte Wetten, dass es hier auch in diesem Forum fast überwiegend Vorverurteilende Kommentare geben würde.

    Wir leben leider in einer paranoiden Gesellschaft.

    "Hätte diese Frau ein Kopftuch an und wäre Mitglied einer islamistischen Zelle die in Deutschland Menschen ermordet hätte, diverse Bombenanschläge verübt hätten und Banken ausgeraubt hätte, dann wäre hier eine andere Stimmung."

    Ja, wahrscheinlich bei Ihnen.

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