BahnverkehrViele Tote und Verletzte bei Zugunglück nahe Paris

Ein Zug von Paris nach Limoges ist in voller Fahrt entgleist. Mehrere Waggons krachten in den Bahnhof von Brétigny-sur-Orge. Es wurde die höchste Notfallstufe ausgerufen.

Bahnunglück in Bretigny-sur-Orge, bei Paris. Der Zug nach Limoges entgleiste und krachte in den Bahnhof.

Bahnunglück in Bretigny-sur-Orge, bei Paris. Der Zug nach Limoges entgleiste und krachte in den Bahnhof.   |  © Kenzo Tribouillard/AFP/Getty Images

Wenige Kilometer südlich von Paris hat sich ein schweres Eisenbahnunglück ereignet. Sechs Menschen wurden getötet, 22 wurden schwer verletzt, weitere leicht. Damit gab das Innenministerium höhere Opferzahlen als die zunächst genannten bekannt. Zahlreiche Reisende waren am Abend noch in den umgestürzten Waggons eingeklemmt. 300 Feuerwehrleute, 20 Notarztwagen und acht Hubschrauber waren im Einsatz. Staatspräsident François Hollande kam zur Unglücksstelle. Er kündigte drei Untersuchungskommissionen an. Der Bahnhof werde für drei Tage geschlossen. Auch Innenminister Manuel Valls wurde dort erwartet.

Der Zug von Paris nach Limoges entgleiste laut Augenzeugen in voller Fahrt und zerriss. Mehrere Wagen legten sich auf die Seite, andere krachten in den Bahnhof von Brétigny-sur-Orge und zerstörten Bahnsteig und Dach. Laut Bahnchef Guillaume Pépy war der Intercity zum Zeitpunkt des Unglücks 137 Stundenkilometer schnell. Die Behörden lösten die höchste Alarmstufe aus. Im Zug waren 370 Menschen.

Anzeige

Das Unglück ereignete sich gegen 17.15 Uhr. Der gesamte Bahnverkehr von und zum Bahnhof Paris-Austerlitz wurde unterbrochen. Auch der Regionalverkehr im Süden von Paris auf der Linie C war mitten im Feierabendverkehr lahmgelegt.

Der Zug fuhr laut Polizei "mit großer Geschwindigkeit" in den Bahnhof ein, als er in "zwei Teile gerissen" wurde. Ein Teil des Zugs sei weitergefahren, der zweite Teil sei mitsamt den Passagieren auf den Bahnsteig gerast und dann dort liegen geblieben. Das ganze Ausmaß des Unglücks war zunächst unklar, doch löste die zuständige Präfektur den "Alarmplan Rot" für Unglücke mit "zahlreichen Opfern" aus. 

Französischen Medienberichten zufolge könnte es an der Einfahrt zum Bahnhof ein Problem mit einer Weiche gegeben haben. 

Der Bürgermeister von Brétigny, Bernard Decaux, sprach von einem "apokalyptischen Anblick". "Alle laufen wie wild in alle Richtungen. Es herrscht Panik", sagte er der Zeitung Le Parisien. Vor dem Bahnhof standen Dutzende Feuerwehr- und Polizeiwagen, das gesamte Bahnhofsviertel wurde abgesperrt, um die Rettungsarbeiten zu erleichtern.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. dass so ein Zug 'mit grosser Geschwindigkeit' durch so einen Bahnhof fährt? Da wäre Schritt angemssen - oder eben ein Halt.

    Diese Hochgeschwindigkeitszüge sind ein Teufelzeug - siehe auch der Eschede-ICE vor paar Jahren. Mich bringt keiner in so ein Ding.

    Die Toten und Verletzten sind weitere Opfer des irrsinnigen - immer-schneller-Technikwahns, der einfach nicht zu stoppen zu sein scheint.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Kommen Sie aus dem 19. Jahrhundert und sprechen über Personenkraftwagen? Oder aus dem 18. und äußern sich zur Dampflokomotive?

    Ein tragisches Unglück, bei dem die Leichen noch nicht einmal kalt sind, wird durch wild spekulierende Beiträge und Pauschalurteile auch nicht besser.

    Auch ein Nahverkehrszug kann zu schnell unterwegs sein. Ich denke Hochgeschwindigkeitszüge haben eine deutlich bessere Sicherheitsbilanz als PKW oder Flugzeuge. Leider kann es sich nicht jeder leisten in 8Stunden oder mehr von Frankfurt nach München zu bummeln.

    • nitric
    • 12. Juli 2013 21:49 Uhr

    Bei dem entgleisten Zug handelt es sich um einen Intercity Zug und nicht um einen TGV. Die Unfallursache ist ebenfalls noch nicht geklärt. Vorerst scheint es sich (laut französischen Medienberichten) um ein Weichenproblem zu handeln.

    • 29C3
    • 12. Juli 2013 21:54 Uhr

    voll beladen und mit voller Geschwindigkeit (geschätzte 80-100km/h) durch Bahnhöfe durch, die einzige Vorsichtsmaßnahme dabei beschränkt sich auf eine Vorwarnung der an Bahnsteigen Wartenden über die Lautsprecher...

    • fx66
    • 13. Juli 2013 0:16 Uhr

    Also Hochgeschwindigkeitsbahnen sind schon allein aufgrund der höheren Sicherheitsvorkehrungen sicherer als Regionalbahnen. Wie oft kommt denn so ein Unglück hierzulande vor? Eschede war vor 15 (!) Jahren. Und wie oft rempeln Regionalzüge gegeneinander? Mindestens jedes Jahr einmal..

    • Kelsi
    • 13. Juli 2013 6:58 Uhr

    Züge dürfen hierzulande sogar mit 120Km/h, wenn nicht schneller, durch Bahnhöfe fahren, solange der Schienenfahrweg von Bahnhofseinfahrt nach Bahnhofsausfahr auf Durchfahrt gestellt sind, so dass keine Weiche so eingestellt ist, um den Zug auf andere Gleise umzuleiten.

    Normalerweise ist das ganze technisch so gesichert dass der Zug rechtzeitig automatisch Zwangsgebremst wird, wenn diese Fahrstraße nicht eingestellt wurde.

    Ursachen für die Entgleisung kann es viele geben, wie z.B. Schienenbruch, defekte Technik oder auch die Abschaltung der sichernden Technik.

    Das war kein "Hochgeschwindigkeitszug", sondern ein ganz gewöhnlicher Schnellzug, ein "Corail", der die Strecke Paris-Limoges bedient. Dass ein solcher Zug im Schritt-Tempo durch einen Bahnhof fahren soll, ist ja wohl Unsinn.

  2. Kommen Sie aus dem 19. Jahrhundert und sprechen über Personenkraftwagen? Oder aus dem 18. und äußern sich zur Dampflokomotive?

    Ein tragisches Unglück, bei dem die Leichen noch nicht einmal kalt sind, wird durch wild spekulierende Beiträge und Pauschalurteile auch nicht besser.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "wie kann es sein,"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Um 17.23 Uhr war der Regionalexpress von Paris kommend auf dem Weg nach Limoges mit hoher Geschwindigkeit in Brétigny-sur-Orge eingefahren " SpOn und andere

    also: das ist keine wilde Spekulation sondern offensichtlich Fakt.
    Wenn Sie die Forderung nach Vernunft als '18.Jahrhundert' bezeichnen - und offenbar denken Viele so - dann braucht einen auch nichts mehr wundern.
    Dann weiter so ... Ihr könnt es Euch offenbar leisten, lauter solche Unfälle in Kauf zu nehmen (#3). So ein Schmarren !

    Und es ist völlig wurscht, ob es ein Weichenproblem war oder ein Rudel Wildschweine auf dem Gleis - so ein Zug (auch ein Güterzug nicht) hat nicht mit hohem Tempo durch so einen engen Bahnhof zu rasen.

  3. Auch ein Nahverkehrszug kann zu schnell unterwegs sein. Ich denke Hochgeschwindigkeitszüge haben eine deutlich bessere Sicherheitsbilanz als PKW oder Flugzeuge. Leider kann es sich nicht jeder leisten in 8Stunden oder mehr von Frankfurt nach München zu bummeln.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "wie kann es sein,"
    • nitric
    • 12. Juli 2013 21:49 Uhr

    Bei dem entgleisten Zug handelt es sich um einen Intercity Zug und nicht um einen TGV. Die Unfallursache ist ebenfalls noch nicht geklärt. Vorerst scheint es sich (laut französischen Medienberichten) um ein Weichenproblem zu handeln.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "wie kann es sein,"
    • 29C3
    • 12. Juli 2013 21:54 Uhr

    voll beladen und mit voller Geschwindigkeit (geschätzte 80-100km/h) durch Bahnhöfe durch, die einzige Vorsichtsmaßnahme dabei beschränkt sich auf eine Vorwarnung der an Bahnsteigen Wartenden über die Lautsprecher...

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "wie kann es sein,"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ohje, und auf der Landstraße donnern tonnenschwere Lastwagen mit ein paar Metern Abstand an Radfahrern vorbei. Von Autobahnen ganz zu schweigen. Aber klar, aus dem Haus gehen ist gefährlich.
    Bleib ich lieber auf Zeit.de und wünsch den Angehörigen der Opfer alles Gute...

  4. "Um 17.23 Uhr war der Regionalexpress von Paris kommend auf dem Weg nach Limoges mit hoher Geschwindigkeit in Brétigny-sur-Orge eingefahren " SpOn und andere

    also: das ist keine wilde Spekulation sondern offensichtlich Fakt.
    Wenn Sie die Forderung nach Vernunft als '18.Jahrhundert' bezeichnen - und offenbar denken Viele so - dann braucht einen auch nichts mehr wundern.
    Dann weiter so ... Ihr könnt es Euch offenbar leisten, lauter solche Unfälle in Kauf zu nehmen (#3). So ein Schmarren !

    Und es ist völlig wurscht, ob es ein Weichenproblem war oder ein Rudel Wildschweine auf dem Gleis - so ein Zug (auch ein Güterzug nicht) hat nicht mit hohem Tempo durch so einen engen Bahnhof zu rasen.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Kurze Nachfrage"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "also: das ist keine wilde Spekulation sondern offensichtlich Fakt."

    Was "hohe Geschwindigkeit" genau bedeutet, sollte vielleicht einmal abgewartet werden.

    Mir geht es gegen den Strich, aus einer noch keinen Tag alten Tragödie ein Politikum zu machen und dabei mit Allgemeinplätzen wie "der Fortschritt bringt uns noch alle um" um sich zu werfen. Wie gesagt - wir hätten weder die Eisenbahn, noch das Auto, wenn es immer nur geheißen hätte: "zu schnell für den Menschen".

    Schreiben Sie doch keinen Unfug und beladen Sie ihr Fahrrad nicht zu sehr. Die Reifen können platzen.

    • fx66
    • 13. Juli 2013 0:13 Uhr

    Na und jetzt? Der Erstkommentar macht ein Pauschalurteil an der "schnellen" Technik fest. Aber ob es die Technik war oder - wie so oft - menschliches Versagen, steht bisher nicht fest.

  5. "also: das ist keine wilde Spekulation sondern offensichtlich Fakt."

    Was "hohe Geschwindigkeit" genau bedeutet, sollte vielleicht einmal abgewartet werden.

    Mir geht es gegen den Strich, aus einer noch keinen Tag alten Tragödie ein Politikum zu machen und dabei mit Allgemeinplätzen wie "der Fortschritt bringt uns noch alle um" um sich zu werfen. Wie gesagt - wir hätten weder die Eisenbahn, noch das Auto, wenn es immer nur geheißen hätte: "zu schnell für den Menschen".

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "auch an #3 und 5"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    warten wir die Analysen ab.
    vielleicht hat's den Zug ja in Schrittgeschwindigkeit zerrissen ... ;-)

    Gegen den Fortschritt ist nichts zu einzuwenden (ausserdem entwickelt er sich sowieso) - aber gegen die Unvernunft im Umgang mit ihm - speziell: Technik immer bis zum Äussersten ausreizen zu wollen. Auch ICE oder TGV sind Beispiele dafür.

  6. Schreiben Sie doch keinen Unfug und beladen Sie ihr Fahrrad nicht zu sehr. Die Reifen können platzen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "auch an #3 und 5"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, afp, FranceInfo, hs
  • Schlagworte Paris | Innenministerium | Innenminister
Service