"In diesem Zeitraum sind alle Termine belegt." Wer mit der deutschen Botschaft in Beirut einen Termin vereinbaren will, um ein Einreisevisum zu beantragen, liest diesen Hinweis auf der Website. Im Juli, im August, im September, egal wann. "Unsere Mitarbeiter überprüfen die Internetseite täglich mehrfach, aber wir bekommen einfach keine Termine für unsere Klienten", sagt Katharina Vogt, Referentin für Flüchtlingspolitik vom Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Der Verein unterhält Beratungsstellen für Flüchtlinge und ihre Angehörigen.

Zu den Klienten der Awo gehört eine Ärztin aus Aleppo, die mit ihren drei Töchtern aus dem syrischen Bürgerkrieg in den angrenzenden Libanon geflohen ist. Ihr Mann ist Wissenschaftler und lebt bereits in Berlin. Aber er macht sich Sorgen um seine Familie.

Ein Einzelfall ist das offenbar nicht. "Wir wissen von Beratungsstellen aus ganz Deutschland, dass alle vor diesem Problem stehen", sagt Vogt. Seit die deutsche Botschaft in Damaskus geschlossen wurde, ist die Botschaft in Beirut für alle Visa-Anträge von Angehörigen syrischer Flüchtlinge zuständig.

Die Termine müssen im Internet gebucht werden, die telefonische Terminvergabe wurde schon vor Monaten eingestellt. Die Probleme sind der Botschaft bekannt. In einem Schreiben der Botschaft, das ZEIT ONLINE vorliegt, heißt es allerdings lediglich, man empfehle, regelmäßig zu prüfen, ob neue Termine verfügbar sind. Die Nachfrage sei hoch, die personellen und räumlichen Kapazitäten begrenzt. Durch "Stornierungen und Kapazitätsverschiebungen" könnten sich jedoch neue Termine ergeben.

Bei der Awo sieht man das anders. Die Berater berichten, die Antragstellung werde faktisch verhindert, es sei unmöglich, einen Termin zu buchen.

Anerkannte Flüchtlinge haben das Recht, die Familie nachzuholen

Die Terminvergabe ist nicht die einzige Hürde für die Familien, die nach Deutschland kommen wollen. Wer hier bereits als Flüchtling anerkannt ist, hat zwar grundsätzlich das Recht seine Familie nachzuholen. Dabei gilt jedoch das Verfahren zum Familiennachzug nach dem Aufenthaltsgesetz – und das ist langwierig und kompliziert.

Die Angehörigen müssen zahlreiche Dokumente vorlegen, um zu bestätigen, dass sie Verwandte sind: Die Heiratsurkunde, eine Urkunde über die Eintragung der Eheschließung im syrischen Zivilregister, für minderjährige Kinder außerdem die Geburtsurkunde. "Für Kriegsflüchtlinge ist es natürlich immer schwierig, Dokumente beizubringen. Auf der Flucht hat man das nicht unbedingt alles dabei", sagt Stefan Telöken, Sprecher des UN-Flüchtlingskommissariats UNHCR. Zudem verlangt die Botschaft, dass die Dokumente "vorlegalisiert" werden. Das heißt, das syrische Außenministerium muss bestätigen, dass die Dokumente echt sind. 

Doch dort sitzen nach wie vor die Beamten der Assad-Regierung – und damit jene, vor denen die Betroffenen geflohen sind. "Es gibt Fälle, in denen Betroffene nach Syrien zurückreisen mussten, um bei den Behörden vorzusprechen", sagt Telöken. "Für manche ist das sicher möglich, aber es kann auch sehr problematisch sein."