Fall Trayvon MartinProteste in den USA weiten sich nach Zimmerman-Urteil aus

Der Druck auf das US-Justizministerium wird nach dem umstrittenen Freispruch im Trayvon-Martin-Prozess größer. Aktivisten sammeln Unterschriften für eine neue Anklage.

Die Proteste in den USA weiten sich nach dem umstrittenen Freispruch im Trayvon-Martin-Prozess aus. Mehr als 600.000 Menschen unterzeichneten bereits eine Petition der Organisation NAACP, die das Justizministerium zu einer neuen Anklage gegen den Todesschützen George Zimmerman zwingen soll. Die Behörde prüft bereits einen solchen Schritt.

Zuvor hatten in mehreren US-Städten Tausende Menschen gegen das Urteil des staatlichen Geschworenengerichts in Sandford im Bundesstaat Florida demonstriert. In Los Angeles, Oakland, San Francisco, Boston und New York versammelten sich Menschen zu spontanen Protestmärschen. Die meisten Demonstrationen verliefen friedlich. In Los Angeles und New York nahm die Polizei mehrere Personen fest, nachdem Steine und Flaschen auf Polizisten und Gebäude geworfen worden waren. In der kalifornischen Metropole blockierten Jugendliche zudem vorübergehend eine wichtige Autobahn.

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Ein Ende der Proteste ist nicht abzusehen. Der afroamerikanische Bürgerrechtsaktivist Al Sharpton kündigte an, dass am kommenden Samstag Demonstrationen in einhundert US-Städten geplant seien. "Das ist noch lange nicht vorbei", sagte Sharpton dem Sender NBC.

Obama spricht von nationaler Tragödie

US-Präsident Barack Obama hatte zuvor zu Ruhe und Besonnenheit aufgerufen. Er nannte den Tod des 17-jährigen Martin eine nationale Tragödie. Zugleich warb er für schärfere Waffengesetze, die er bisher im Kongress nicht durchsetzen konnte. Wie sein Sprecher Jay Carney sagte, wird sich Obama aber nicht in die Frage einmischen, ob Zimmerman wegen Bürgerrechtsverletzungen vor ein Bundesgericht gestellt werden soll. Das sei allein die Entscheidung der US-Justizbehörde, sagte Carney.

Justizminister Eric Holder ließ derweil offen, ob es zu einer neuen Anklage kommt. Er sagte lediglich, dass seine Behörde bereits nach der Tötung des schwarzen Jugendlichen im Frühjahr vergangenen Jahres Ermittlungen wegen möglicher Verstöße Zimmermans gegen Bürgerrechte Untersuchungen eingeleitet habe. Sie würden "im Einklang mit Fakten und dem Gesetz" fortgesetzt.

Justizminister fordert Rassismus-Dialog

Zugleich äußerte Holder Verständnis für die Proteste nach dem Freispruch Zimmermans. "Ich teile Eure Sorgen", sagte er und rief zugleich dazu auf, den Fall Martin als Gelegenheit zum offenen Dialog über das Problem Rassismus zu nutzen.

Der Nachbarschaftswächter Zimmerman, Sohn einer peruanischen Mutter und eines weißen US-Bürgers, hatte Martin am Abend des 26. Februar 2012 in Sanford nahe Orlando erschossen. Obwohl der schwarze Jugendliche unbewaffnet war, ließ die Polizei den Schützen zunächst laufen. Dabei berief sie sich auf ein Gesetz, welches Bürgern in Florida ein weitgehendes Selbstverteidigungsrecht einräumt. Zimmerman hatte erklärt, dass Martin ihn zuerst attackiert habe.

Erst nach einer Protestwelle klagte die Justiz in Florida den Nachbarschaftswächter an. Zimmerman wurde schwerer Totschlag vorgeworfen, im US-Strafrecht "second-degree murder" genannt. Die sechsköpfige Jury, der kein Afroamerikaner angehörte, sprach Zimmerman in der Nacht zum Sonntag jedoch frei. Das Urteil ist endgültig, da die Anklage im US-Strafrecht gegen einen Freispruch durch eine Jury keine Rechtsmittel einlegen kann.

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Leserkommentare
    • simlei
    • 16. Juli 2013 2:08 Uhr

    Mal ganz unabhängig vom konkreten Prozess,

    "Das Urteil ist endgültig, da die Anklage im US-Strafrecht gegen einen Freispruch durch eine Jury keine Rechtsmittel einlegen kann."

    Das ist schon ein wasserdichtes Rechtssystem! Daumen hoch!

    2 Leserempfehlungen
  1. Ich kann hierzu auch nur die Quelle wiedergeben, die bei Wikipedia angeführt wird, aber sie sagt zu einer der Geschworenen:
    "B-29: A nurse on an Alzheimer's ward who is black or Hispanic, has several children, is married and..."

    http://www.orlandosentine...

    Die Aussage im Artikel, dass keiner der Geschworenen Afroamerikaner sei, ist damit möglicherweise(!) falsch (wenn man nicht davon ausgeht, dass sie hispanisch ist), könnte aber auf den ersten Blick irgendwie dennoch den Eindruck vermitteln, dass eine rein weiße Jury über den Fall entschieden habe. Vielleicht gibt es aber auch eine andere Quelle, die das genauer beleuchtet.

    Zum Fall selbst: Der Tathergang konnte letztlich nicht exakt geklärt werden. Das macht es natürlich umso leichter, den Vorfall im jeweiligen Interesse politisch auszuschlachten.

    2 Leserempfehlungen
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    • shtok
    • 16. Juli 2013 5:13 Uhr

    richtig die Dame ist Hispanic, also keine Afroamerikanerin. Siehe hier http://www.chicagotribune...
    Aber da George Zimmerman, obwohl der Name dies impliziert, auch kein Weißer (Caucasian oder "Anglo") im nordamerianischen Sinne ist, sondern Hispanic, kann die Jury die bis auf die eine Dame, die aufgrund ihrer Herkunft als einzige biased sein dürfte, aus Caucasians bestand, gar kein rassistisch motiviertes Urteil gefällt haben.

    Hier werden jetzt wieder ganz persönliche Agenden einzelner Personen gefahren, alle die z.B. den "Bürgerrechtler" Al Sharpton nicht kennen, mal informieren was für ein weltoffener Zeitgenosse dieser ist, obwohl ein Teil seiner Ansichten hier im K-Bereich wohl viel Beifall erhalten dürften.

    Man sollte sich das jedoch genau anschauen, um eventuell schon mal Aktionen vorzubereiten, wenn in zwei Jahren in D auch ein pc GM und Medien nicht genehmes Urteil gefällt werden sollte. Vorverurteilungen besonders mediale können schnell nach Hinten losgehen.

    Man muss bei dem Fall unterscheiden in Fakten, die wirklich belegt sind, Unbelegtes (in erster Linie die Version Zimmermans an entscheidenden Stellen) und für eine Verurteilung nach Rechtslage fehlende Fakten!

    BELEGT, dass Zimmerman in Notwehr gehandelt hat, ist dies nur dann, wenn man Zimmermans Aussage glaubt! Ansonsten gilt, dass man ihm allenfalls nach Rechtslage nicht nachweisen kann, dass er es nicht getan hat. Damit stimmt aber auch eindeutig nicht das Lächerlichmachen des Bildes: weißer Freizeitsheriff tötet armen schwarzen Jungen.

    Zur Klarstellung: Zimmerman ist kein Hispanic. Er ist Mischling weiß / Hispanic, aber als Weißer sozialisiert!

    Der Grund, warum er als Freizeitsheriff Martin überhaupt als auffällig gelabelt hat, ist rein rassistisch motiviert! Und genau mit diesem Labeln hat das Ganze doch überhaupt angefangen. Wenn Zimmerman Martin nicht über mehrere hundert Meter mit dem Auto und später noch zu Fuß verfolgt hätte, nur weil der ihm "komisch" vorgekommen ist (wegen seiner Hautfarbe und den Klamotten), wäre es zu NICHTS gekommen! Weder Martin hätte irgendetwas getan, im Zweifel nicht mal in den Vorgarten gepinkelt, noch wäre es zu diesem schrecklichen Verlauf gekommen.

    Und dieser Teil des Geschehens ist von der Jury überhaupt nicht berücksichtigt worden! Auch, wenn ein schon pathologisches Ausleben eigenen Sicherheitsbedürfnisses dazu führt, dass man andere bedroht! Nichts anderes ist es, wenn ein bewaffneter Mann im Auto einen unbewaffneten verfolgt!

    • Tephyr
    • 16. Juli 2013 4:32 Uhr
    3. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/sam

    3 Leserempfehlungen
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    "...Herauskam eine eingedampfte Rassismus-Story, in der lediglich jene Fakten berücksichtigt wurden, welche die politisch korrekten Vorurteile des Mitteleuropäers bestätigten. "Der selbstgerechte weiße Freizeit-Sheriff hat grundlos das wehrlose schwarze Kind erschossen." Alle Fakten, die eine andere Version belegen (und letztlich auch die Geschworenen überzeugt haben) fielen unter den Tisch..."
    http://www.zeit.de/politi...

    Ich denke obiger Kommentar ist sehr passend.

    • shtok
    • 16. Juli 2013 5:13 Uhr

    richtig die Dame ist Hispanic, also keine Afroamerikanerin. Siehe hier http://www.chicagotribune...
    Aber da George Zimmerman, obwohl der Name dies impliziert, auch kein Weißer (Caucasian oder "Anglo") im nordamerianischen Sinne ist, sondern Hispanic, kann die Jury die bis auf die eine Dame, die aufgrund ihrer Herkunft als einzige biased sein dürfte, aus Caucasians bestand, gar kein rassistisch motiviertes Urteil gefällt haben.

    Hier werden jetzt wieder ganz persönliche Agenden einzelner Personen gefahren, alle die z.B. den "Bürgerrechtler" Al Sharpton nicht kennen, mal informieren was für ein weltoffener Zeitgenosse dieser ist, obwohl ein Teil seiner Ansichten hier im K-Bereich wohl viel Beifall erhalten dürften.

    Man sollte sich das jedoch genau anschauen, um eventuell schon mal Aktionen vorzubereiten, wenn in zwei Jahren in D auch ein pc GM und Medien nicht genehmes Urteil gefällt werden sollte. Vorverurteilungen besonders mediale können schnell nach Hinten losgehen.

    2 Leserempfehlungen
  2. "...Herauskam eine eingedampfte Rassismus-Story, in der lediglich jene Fakten berücksichtigt wurden, welche die politisch korrekten Vorurteile des Mitteleuropäers bestätigten. "Der selbstgerechte weiße Freizeit-Sheriff hat grundlos das wehrlose schwarze Kind erschossen." Alle Fakten, die eine andere Version belegen (und letztlich auch die Geschworenen überzeugt haben) fielen unter den Tisch..."
    http://www.zeit.de/politi...

    Ich denke obiger Kommentar ist sehr passend.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
  3. Das Problem mit den Laienrichtern und den sehr guten Verteidigungsanwälten ist das sich quasi jede Wahrheit hingebogen werden kann. "Ziehen sie in Betracht das sie nicht auschliessen können das T.M. ein drogendealender Gewalttäter ist." "Sie können nicht mit Sicherheit ausschliessen das alles war R.Z. sagt komplett der Wahrheit entspricht." (der andere Zeuge is ja praktischerweise tot) Dazu Vorführungen mit Stoffpuppen, die zeigen wie leicht man einen Stoffpuppenkopf mit voller Wucht auf den Boden schlagen kann. Warum haben Stoffpuppen eigentlich keine Bauchmuskeln oder das Bedürfnis ihren Kopf zu schützen? Wenn man nur lange genug an jedem Beweis rumwerkelt, dann wird irgendwann jeder "im Zweifel für den Angeklagten" freigesprochen.
    Nebenbei erreicht man noch das das eigentliche Opfer im moralischen Sinne schuldig ist an seinem Schicksal, denn im Prozess konnte das ja nicht "ohne Zweifel" ausgeschlossen werden. Schöne Gerechtigkeit.

    Auch schön zu wissen das ein Jurymitglied keine vollen 2 Tage gebraucht hat um einen Vertrag mit einem Verlag abzuschliessen, mit dem Inhalt ein Buch über den Prozess zu schreiben Ekelerregend!

  4. Man muss bei dem Fall unterscheiden in Fakten, die wirklich belegt sind, Unbelegtes (in erster Linie die Version Zimmermans an entscheidenden Stellen) und für eine Verurteilung nach Rechtslage fehlende Fakten!

    BELEGT, dass Zimmerman in Notwehr gehandelt hat, ist dies nur dann, wenn man Zimmermans Aussage glaubt! Ansonsten gilt, dass man ihm allenfalls nach Rechtslage nicht nachweisen kann, dass er es nicht getan hat. Damit stimmt aber auch eindeutig nicht das Lächerlichmachen des Bildes: weißer Freizeitsheriff tötet armen schwarzen Jungen.

    Zur Klarstellung: Zimmerman ist kein Hispanic. Er ist Mischling weiß / Hispanic, aber als Weißer sozialisiert!

    Der Grund, warum er als Freizeitsheriff Martin überhaupt als auffällig gelabelt hat, ist rein rassistisch motiviert! Und genau mit diesem Labeln hat das Ganze doch überhaupt angefangen. Wenn Zimmerman Martin nicht über mehrere hundert Meter mit dem Auto und später noch zu Fuß verfolgt hätte, nur weil der ihm "komisch" vorgekommen ist (wegen seiner Hautfarbe und den Klamotten), wäre es zu NICHTS gekommen! Weder Martin hätte irgendetwas getan, im Zweifel nicht mal in den Vorgarten gepinkelt, noch wäre es zu diesem schrecklichen Verlauf gekommen.

    Und dieser Teil des Geschehens ist von der Jury überhaupt nicht berücksichtigt worden! Auch, wenn ein schon pathologisches Ausleben eigenen Sicherheitsbedürfnisses dazu führt, dass man andere bedroht! Nichts anderes ist es, wenn ein bewaffneter Mann im Auto einen unbewaffneten verfolgt!

  5. Knoxville, Tennessee.
    In einem Stadtteil mit überwiegend schwarzer und Latino-Bevölkerung gibt es eine Gruppe, die in der Nachbarschaft für "Ordnung" sorgt. Die meist schwarzen Gruppenmitglieder sind ständig im Viertel präsent und zeigen sich dabei bewaffnet.

    Im April 2006 kam es zu einem Zwischenfall. Marvin L. 19-jähriger war mit dem Skateboard unterwegs zu einem Freund, der gerade umgezogen war und dessen Adresse er nicht genau kannte, weshalb er suchend einige Häuser ablief. Dadurch erregte er die Aufmerksamkeit von Bob J., Mitglied in der o.g. "Schutzgruppe". Der stellte Marvin ob seines Verhaltens zur Rede, woraufhin dieser Bob anrempelte und es zu einer Rangelei kam, in Zuge derer Bob seine Waffe zog und Marvin angeschossen hat. Dieser überlebte schwerverletzt.

    Bob wurde zu 15 Jahren verurteilt. Keine Notwehr.

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    Haben Sie zu dem genannten Fall auch einen Link, damit man sich das mal selbst durchlesen kann? Ich habe den nach einer Google-Suche bisher nicht finden können.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, sre
  • Schlagworte USA | Barack Obama | Justizministerium | NBC | US-Justizministerium | Behörde
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