NSU-ProzessZschäpe-Anwältin verlässt nach Kritik ihre Kanzlei

In ihrer Kanzlei gab es fortwährend Diskussionen, weil sie Beate Zschäpe vertritt. Jetzt verlässt Anja Sturm ihre Kanzlei. Künftig wird sie bei Wolfgang Heer arbeiten.

Anwältin Anja Sturm

Anwältin Anja Sturm  |  © Alexander Hassenstein/Getty Images

Beate Zschäpes Anwältin Anja Sturm verlässt wegen anhaltender Kritik an ihrem Mandat ihre Berliner Kanzlei Weimann & Meyer. Das berichtet der Tagesspiegel. Sturm wechsle nach Köln in die Kanzlei von Wolfgang Heer, der im NSU-Prozess zusammen mit Sturm die Hauptangeklagte Zschäpe vertritt.

Mit dem Abschied aus Berlin reagiere Sturm auf Kritik aus ihrer Kanzlei und von weiteren Berliner Anwälten, heißt es in dem Bericht. Sie hielten es für einen Fehler, die mutmaßliche Rechtsterroristin zu verteidigen.

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Sie sei "sehr enttäuscht gewesen", sagte Sturm der Zeitung. Der Mitgründer ihrer bisherigen Kanzlei, Axel Weimann, sagte, er müsse sich beruflich und privat immer wieder wegen des Zschäpe-Mandats rechtfertigen. Er selbst hätte es "niemals angenommen".

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Leserkommentare
  1. Natürlich kann niemand etwas für den Namen mit dem er geboren wurde. Aber die Namen "Heer" und "Sturm" der Anwälte einer Angeklagten aus dem rechtsradikalen Umfeld ... das passt irgendwie ins Bild.

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    • ZPH
    • 26. Juli 2013 17:17 Uhr

    Heer, Sturm und Stahl, ist wirklich Realsatire.

    Aber natürlich, es sind halt nur die Namen.

    Gab schon mal einen Artikel, der erklärt wie es dazu kam:

    http://blog.zeit.de/nsu-prozess-blog/2013/06/04/funf-fakten-zu-zschapes-...

    ist doch nun wirklich schon seit Wochen durch.
    Aber warum soll man das zur Kenntnis nehmen, wenn man so schon Vorurteile haben kann.

    • Gardio
    • 26. Juli 2013 19:58 Uhr

    Echt der dumme Witz wurde schon mehrfach gemacht - die Aufklärung gibt es auch überall.
    Ich finde es schlimm, wie Sie versuchen normale Strafverteidiger zu diffamieren und in NS Nähe zu rücken, mit nicht mehr Evidenz als ihren Namen.

    Udn es passt auch ins Bild, dass die Moderation diese abstrusen Schmähungen stehen lässt.

    .....Das passt zu Bild!!! Das ist so das Niveau, sich mit irgendwelchen Namen auseinander zu setzen, statt mit Inhalten. Welche politischen Ansichten die Anwältin vertritt ist auch irrelvant, weil nicht die Anwältin, sondern ihre Mandantin und ein -ich glaube schon- unabhängiges Gericht wird irgendwann ein Urteil fällen. Die politischen Ansichten der Anwälte sind ein anderer Fall. Alles mit Namen zu verquicken ist erbärmlich.

    • ZPH
    • 26. Juli 2013 17:17 Uhr

    Heer, Sturm und Stahl, ist wirklich Realsatire.

    Aber natürlich, es sind halt nur die Namen.

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  2. und trotzdessen die Gründe von Frau Sturm für ihre rechtliche Vertretung nicht unbedingt die besten gewesen sein müssen, darf eine Anwältin nicht dafür gefeuert werden, daß sie ihre Arbeit macht.

    Anwälte sollen sich doch gerade nicht von ihren persönlichen Gefühlen hinsichtlich des zu bearbeitenden Falles beeinflussen lassen, sondern neutral ihren Mandanten bestmöglich vertreten; das ist doch der Grundgedanke des Konzeptes "Anwalt".

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    die Kritik hat sie veranlasst zu kündigen und nun in die Kanzlei von Wolfgang Heer zu ziehen, das ist schon ein Unterschied.

    ja, klar. Sonst verliert er einige seiner Stammkunden und bekommt weniger neue. Hier geht es nur ums Geld-verdienen. Super Kanzlei- Recht? Unrecht? Egal- hauptsache Kohle...

    Opportunistische Karrieristen, aus meiner Sicht. Da würde ich nicht hingehen!

  3. "Der Mitgründer ihrer bisherigen Kanzlei, Axel Weimann, heult rum, er müsse sich beruflich und privat immer wieder wegen des Zschäpe-Mandats rechtfertigen. Er selbst hätte es "niemals angenommen"."

    Warum ist er dann Anwalt geworden? Um sich nie für irgendwas rechtfertigen zu müssen und immer den einfachen Weg zu gehen? Ich denke, ich würde diesen Anwalt um keinen Preis als Verteidiger haben wollen.

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    Anwalt haben wollen, denn der Mann zeigt Rückgrat. Etwas, das heutzutage selten geworden ist. Ein Anwalt, der so unabhängig ist, dass er nicht jedes Mandat annimmt, verdient Respekt.

    Ein Anwalt ist ein Freiberufler. Wie es das Wort schon sagt, ist er frei in seiner Entscheidung, wen er vertritt oder eben nicht. Niemand kann ihn zwingen, eine z. B. politisch radikale oder pädophile Person zu verteidigen.

    Ich bin zwar kein Anwalt, aber auch Freiberufler und nehme mir die Freiheit, manche Aufträge eben nicht anzunehmen. Keiner kann mich zwingen, im neobarocken Jodellandhausstil zu planen, wär ja noch schöner!

    Ebenso kan kein Anwalt gezwungen werden, für ihn unappetitliche Zeitgenossen vor Gericht zu vertreten. Das könnte auch zukünftige seriöse Mandanten kosten und ihm wirtschaftlich schaden.
    Frau Sturm hat sich entschieden und wird sich schon ihre Gedanken gemacht haben, welches Kientel zukünftig auf sie zukommen wird. Verwerflich ist das aber auch nicht.

  4. die Kritik hat sie veranlasst zu kündigen und nun in die Kanzlei von Wolfgang Heer zu ziehen, das ist schon ein Unterschied.

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    das ist in der Tat ein Unterschied. Ihr habe den Artikel eher als "sie ist gegangen worden" gelesen, aber das muß ja nicht wirklich so gewesen sein.

    wenn plötzlich "Zickenkrieg" im Büro oder sonst was ausbricht, sollte man gehen, besonders wenn es um die laufenden Arbeit geht.

  5. Ich denke, es gehört zu den guten Umgangsformen in einer Anwaltssozietät, dass man nach Außen die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen nicht kritisiert. So etwas sollte eigentlich absolut tabu sein.

    Die Angelegenkeit wirft kein gutes Licht auf den Rechtsanalt Herrn Weimann. Er wollte dei Kollegin wohl os werden. Das ist ihm gelungen. Ob er damit sein Ansehen im Freundes- und Bekanntenkreis aber steigern wird? Ich hoffe nicht.

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    Das Leben in einer Anwaltskanzlei - es ist mir unbekannt. Die Aussage allerdings ist amS recht eindeutig:

    "Der Mitgründer ihrer bisherigen Kanzlei, Axel Weimann, sagte, er müsse sich beruflich und privat immer wieder wegen des Zschäpe-Mandats rechtfertigen."

    Es sagt nämlich nichts anderes aus, als dass die Mitvertretung von Zschäpe durchaus Geschäftsschädigend sein könnte. Dann hat das nichts mit "Mobbing" zu tun, sondern wirft die Frage in den Raum, ob man sich zu Gunsten der Kanzlei oder seines Mandates entscheidet. Das ist nicht einmal Kritik im eigentlichen Sinne, sondern eher eine Frage an die persönliche Gewichtung der Gefragten.

    "Er selbst hätte es "niemals angenommen"." ist dann die Gewichtung des Mitgründers dieser Kanzlei, der sein Kanzlei ggf. in ihrem Bestand als gefährdet sieht.

    6. "Klingt wie Mobbing
    Ich denke, es gehört zu den guten Umgangsformen in einer Anwaltssozietät, dass man nach Außen die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen nicht kritisiert. So etwas sollte eigentlich absolut tabu sein."

    ich würde sagen,es klingt nicht nur wie mobbing,es ist mobbing.

  6. Selbstverständlich ist es viel löblicher korrupte Politiker und Wirtschaftsmagnate, Steuerflüchtlinge, Pädophile, Serienmörder oder religiöse Extremisten zu verteidigen.
    Über die Rechtsauffassung und das Rechtsverständnis mancher Juristen darf man sich als juristischer Laie gelegentlich schon wundern.

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    ... sind Anwälte doch noch nie gewesen. Warum beklagt sich der gute Herr Weinmann denn nun? Neidisch, daß er den Fall nicht übernommen hat? Es liegt nun mal in der Natur der Sache, daß Anwälte Mörder, Räuber, korrupte Politiker und andere Verbrecher verteidigen. Sonst wären sie Bäcker geworden.

    • Vibert
    • 26. Juli 2013 19:17 Uhr

    Sie zählen wohl die NSU Verbrechen zur Kategorie "Kleinkriminalität"?

  7. Also, offenkundig war Frau Sturm in dieser Kanzlei nicht angestellt, denn sonst hätte ihr ihr Vorgesetzter Weimann ja einfach verbieten können, den Fall anzunehmen. Dafür spricht auch der Eintrag auf der Homepage der Kanzlei, in der es u.a. heißt: "1999 machte sie sich als Rechtsanwältin in Berlin selbständig. " (Quelle: http://www.weimann-meyer.de/sturm.html)
    Es wäre übrigens interessant zu wissen, ob Frau Sturm in irgendeiner Form weisungsgebunden war, liebe "Zeit"-Redaktion. Ein Anruf bei Herr Weimann sollte das ja schnell ergeben.

    Wenn also Frau Sturm nur in einer Art Bürogemeinschaft tätig war, ist es ja mehr als verständlich, dass einer der Partner und somit Besitzer der Kanzlei wenig Interesse an all dem Ärger hat, den das Verteidigen einer des mehrfachen Mordes Angeklagten aus rechtsterroristischen Kreisen so mit sich bringt.

    Von mangelnder Solidarität muss man da wohl kaum sprechen.

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    Trotz aller Maengel unseres Rechtssystems, gilt hier ja wohl immernoch:

    Unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist.

    Das bedeutet auch, dass Beschuldigte, unabhaengig von dem ihnen zur Last gelegten Vergehen, einen Anspruch auf Rechtsbeistand haben. Kritisiert man also Anwaelte, die "unpopulaere" Mandanten vertreten, dann kann man genau so gut die Lynchjustiz wieder fordern: Dann bestimmt eben der Mob, und nicht ein Gericht von Geschworenen, was mit einem Beschuldigten (und moeglicherweise Schuldigen) gemacht wird.

    Insbesondere sollte sich Herr Weimann, der ja wohl auch Anwalt ist, fuer eine Aussage schaemen, in der er ein Mandat ablehnen wuerde, bei dem er mit Kritik rechnen muesste. Das gehoert zu seinem Job. Und gleiches gilt fuer etwaige Anwaelte, die Frau Sturm zu solch einem Schritt genoetigt haben.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Anja Sturm | Beate Zschäpe | NSU-Prozess | Berlin
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