Ideologie : Chinesische Journalisten müssen Marx lesen

Die chinesische Regierung hat die Marxismuskenntnisse von Journalisten bemängelt. Deshalb müssen alle 307.000 chinesischen Pressevertreter einen Marxismuskurs belegen.

Chinas Regierung hat alle einheimischen Journalisten dazu verpflichtet, Marxismuskurse zu besuchen. Die Kenntnisse über Marx' Theorie gerade jüngerer Reporter lasse zu wünschen übrig, begründet das Parteiblatt Volkszeitung den Schritt. "Immer wieder werden Regeln und die Disziplin gebrochen", schreibt die Zeitung. Deswegen müssten sich die Berichterstatter stärker auf die Kernwerte zurückbesinnen. 

Die Teilnahme an den mehrtägigen Kursen sei Pflicht für alle 307.000 chinesischen Journalisten und Producer. Die Schulungen hätten bereits im Juni begonnen und sollen bis Januar dauern. Die Journalisten sollten erst gar nicht versuchen, die Teilnahme mit Zertifikaten von anderen Journalistenkursen zu umgehen, schreibt das Parteiorgan.    

Ideologiekurse sind nicht neu in China. An Universitäten gibt es Pflichtkurse der Theorien der Parteiführer seit Mao Zedong. In den Führungsetagen vieler Medien in China sitzen zudem Parteimitglieder, die ohnehin regelmäßig an Ideologiekursen teilnehmen müssen.

In den vergangenen Wochen hatte Chinas neuer Ministerpräsident Li Keqiang immer wieder die Werte von Mao Zedong beschworen. Das Land müsse von den Ideen des Großen Führers und anderer Ideologen lernen. Den 80 Millionen Parteimitgliedern verordnete er eine "porentiefe Reinigung" vor dem wichtigen Plenum des Zentralkomitees im November.

Gleichzeitig gehen chinesische Sicherheitsbehörden immer wieder gegen kritische Blogger vor. Mindestens zwei Menschen wurden laut Berichten von Staatsmedien am Wochenende für die Verbreitung von "Internetgerüchten" festgenommen.

Korrekturhinweis: Li Keqiang war in einer früheren Fassung des Textes mit einer falschen Position bezeichnet worden. Er ist Ministerpräsident, so wie es jetzt im Text steht. Die Redaktion (md)

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Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Ideologie-Import

Seit wann bitte müssen Journalisten in Deutschland derartige Pflichtkurse belegen? Das sollten Sie vielleicht an konkreten Beispielen belegen. Die meisten können jedenfalls Milton Friedman von Milton Keynes nicht unterscheiden, was eher gegen ihre recht gewagte These spricht.

Aber immer wieder schön zu sehen, wie die Chinesen den europäischen Ideologie-Import so schön nachbeten, oder zumindest so tun als ob sie ihn ernst nehmen. Glücklicherweise haben Sie auch von der Umsetzung der Ideen des Grossen Vorsitzenden in den letzten Jahrzehnten konsequent Abstand genommen, denn der hat mehr seiner Landsleute auf dem Gewissen als die japanische Armee. Geht doch nichts über eine schöne kernige Ersatzreligion mit Prophet, Heilsversprechen, Schismen und allem was sonst noch so dazugehört.