"Guardian"-Chefredakteur Alan Rusbridger © Peter Macdiarmid/Getty Images

In einem privaten Kino-Vorführraum in Soho habe ich mich vergangene Woche dabei erwischt, wie ich Bill Keller, dem ehemaligen Chefredakteur der New York Times, ein Schimpfwort an den Kopf knallte. Es war ein verwirrender Augenblick. Der Mann, der vorgab, ich zu sein – und Keller dafür dankte, "darauf zu scheißen" – war einmal Malcolm Tucker, ein vulgärer schottischer Spindoktor, und wird bald ein 1.000 Jahre alter Timelord sein. Keller mag mich korrigieren, aber ich erinnere mich nicht, jemals in seiner Gegenwart geflucht zu haben. In meiner Erinnerung habe ich etwas in der Richtung von "wir haben den USB-Stick, Ihr habt den ersten Zusatzartikel" gesagt.

Dieser fiktive Moment ereignet sich zu Beginn von Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt, des DreamWorks-Films über WikiLeaks, der im Herbst in die Kinos kommt. Peter Capaldi – das kann ich berichten – spielt einen sehr überzeugenden Herausgeber des Guardian.

Die wirkliche Unterhaltung mit Keller fand 2010 statt, nachdem der erste Teil der WikiLeaks-Dokumente in unseren Besitz gekommen war. Ich hatte den dringenden Verdacht, dass wir in Großbritannien stark eingeschränkt sein würden in unseren Möglichkeiten zur Recherche und Veröffentlichung von allem, was mit diesem Schatz von geheimem Material zu tun hatte.

Amerika hat – bei all seinen eigenen Problemen mit Mediengesetzen und Whistleblowern – zumindest die Pressefreiheit schriftlich in der Verfassung verankert. Es ist außerdem, so hoffe ich, undenkbar, dass eine US-Regierung im Voraus versuchte, die Veröffentlichung eines Nachrichtenmediums zu verhindern, wenn dieses Material zu einer wichtigen öffentlichen Debatte beiträgt, egal wie lästig oder peinlich es ist.  

Greenwalds Arbeit ist lästig – aber notwendig

Am Sonntagmorgen wurde David Miranda, der Lebenspartner des Guardian-Kolumnisten Glenn Greenwald, auf der Rückreise nach Rio de Janeiro, wo die beiden leben, am Flughafen Heathrow festgehalten. Greenwald ist als Reporter für die meisten Berichte über staatliche Überwachung verantwortlich, die auf den Hinweisen des ehemaligen NSA-Dienstleisters Edward Snowden beruhen. Greenwalds Arbeit ist ohne Zweifel lästig und peinlich für westliche Regierungen. Doch wie die Debatte in Amerika und Europa gezeigt hat, besteht erhebliches öffentliches Interesse daran, was seine Berichte über das richtige Gleichgewicht zwischen Sicherheit, Bürgerrechten, Meinungsfreiheit und Privatheit aussagen.

Er hat äußerst verstörende Fragen zur Kontrolle der Nachrichtendienste aufgeworfen; zum Einsatz von Geheimgerichten; zur geheimen und vertrauten Nähe zwischen Regierung und Großunternehmen; und zu dem Ausmaß, in dem heute routinemäßig die Kommunikation von Millionen von Bürgern abgefangen, gesammelt, ausgewertet und gespeichert wird.

Bei dieser Arbeit unterstützt ihn David Miranda regelmäßig. Miranda ist selbst kein Journalist, doch er spielt eine wertvolle Rolle, indem er seinem Partner hilft, journalistisch zu arbeiten. Greenwald hat mehr als genug damit zu tun, das Snowden-Material zu lesen und zu analysieren, zu schreiben und die Anfragen der Medien und der sozialen Medien aus der ganzen Welt zu beantworten. Die Rückendeckung kann er mit Sicherheit gut gebrauchen.

Die Arbeit wird enorm erschwert durch die Gewissheit, dass Greenwald (oder jeder andere Journalist) elektronischen Kommunikationswegen auf keinen Fall vertrauen darf. Zur Arbeit des Guardian an der Snowden-Story gehörten auch zahllose Flüge einzelner, die sich zu Gesprächen unter vier Augen trafen. Das ist schlecht für die Umwelt, aber zunehmend die einzige Möglichkeit. Bald kehren wir zu Stift und Papier zurück.