Ein in Marokko kürzlich begnadigter Kinderschänder ist am Montag in Spanien festgenommen worden. Kurz zuvor hatte Marokkos König Mohammed VI. als Reaktion auf heftige Proteste die Begnadigung des Spaniers aufgehoben. Dieser sei nun in der südöstlichen Stadt Murcia verhaftet worden und werde vor den nationalen Gerichtshof in Madrid gestellt, teilte das spanische Innenministerium mit. Nach Angaben des spanischen Botschafters in Marokko ist es denkbar, dass der Verurteilte den Rest seiner Strafe in Spanien absitzt.

Mohammed VI.  begnadigte den Kinderschänder am 30. Juli zusammen mit anderen spanischen Häftlingen. Daraufhin protestierten am vergangenen Freitag Hunderte Marokkaner gegen die Hafterlassung durch den König. Mohammed VI. erklärte am Sonntag, er hätte den Kinderschänder nicht begnadigt, wenn er über dessen Verbrechen informiert gewesen wäre.

Am Abend ließ er eine Erklärung veröffentlichen, in der er seinen Justizminister bat, in Zusammenarbeit mit den spanischen Behörden die Begnadigung in einer "außergewöhnlichen Aufhebung" rückgängig zu machen. Die Entscheidung sei "in Anbetracht von Verfahrensfehlern, der Schwere der begangenen Verbrechen und aus Respekt vor den Rechten der Opfern" getroffen worden. Der Pädophile war 2011 in Marokko wegen Vergewaltigung von elf Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 4 und 15 Jahren zu 30 Jahren Haft verurteilt worden.

Über die genauen Hintergründe der Amnestie gibt es widersprüchliche Angaben. Der ursprünglich aus dem Irak stammende Kinderschänder hatte angeblich auf einer Liste mit 48 Häftlingen gestanden, die "im Namen der exzellenten bilateralen Beziehungen" zwischen Marokko und Spanien begnadigt wurden. Der spanische Königspalast erklärte jedoch am Montag, König Juan Carlos habe bei einem Besuch in Marokko im Juli keine Begnadigungen erbeten, sondern sich nur für die Lage der spanischen Häftlinge interessiert.

Juan Carlos habe lediglich darum gebeten, dass ein wegen Drogenschmuggels verurteilter und an Diabetes und einem Herzleiden erkrankter Spanier den Rest seiner Strafe in seinem Heimatland absitzen kann, hieß es in der Mitteilung. Mit der Zusammenstellung der Liste der 48 Häftlinge "hatten wir nichts zu tun", erklärte ein Palastsprecher. Wie die staatliche spanische Nachrichtenagentur Efe unter Berufung auf die spanische Regierung berichtet, hatte Madrid bei den marokkanischen Behörden vor einiger Zeit die Verlegung des Pädophilen nach Spanien beantragt, nicht aber dessen Begnadigung.

Spanische Medienberichte, laut derer es sich bei dem Kinderschänder um einen irakischen Spion handelt, der für seine Verdienste in Spanien einen neuen Namen und einen Pass erhalten haben soll, wurden von keiner der beiden Regierungen kommentiert.