Bayerische Justiz : Mollath wirft Merk Opportunismus vor

Der sieben Jahre gegen seinen Willen in der Psychiatrie untergebrachte Gustl Mollath rechnet mit der bayerischen Justizministerin ab: "Da ist Hopfen und Malz verloren."

Der vor zehn Tagen aus der Psychiatrie entlassene Gustl Mollath hat die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) scharf kritisiert. In der ARD-Talkshow Beckmann warf er der Ministerin Opportunismus vor. "Ich sag es, wie es ist, auch wenn das jetzt unverschämt klingt: Da ist Hopfen und Malz verloren", sagte Mollath. "Die Statements, die sie vor einem Jahr über meine Person abgegeben hat und meinen Fall, sind über 180 Grad konträr zu dem, was sie heute zum Besten gibt."

Die CSU-Politikerin hatte Mollath früher als gefährlich bezeichnet, sich zuletzt aber für dessen Freilassung ausgesprochen. Merk hat das späte Eingreifen der Politik bislang stets verteidigt.

Mollath war 2006 als gemeingefährlich in die Psychiatrie eingewiesen und vor gut einer Woche entlassen worden. Das Oberlandesgericht Nürnberg hatte auf eine Beschwerde seines Anwalts hin zugleich angeordnet, das Verfahren gegen den 56-Jährigen in Regensburg neu aufzurollen. Mit der Aufhebung eines früheren Urteils kam Mollath noch am selben Tag frei.

Mollath will Buch veröffentlichen

Mollath kündigte an, ein Buch veröffentlichen zu wollen, um seine Erfahrungen zu verarbeiten und anderen Psychiatrie-Patienten zu helfen: "Die vielen Schicksale von anderen, die immer noch in solchen Anstalten sind, diese Unsäglichkeiten, die ich miterleben musste, müssen für einen ordentlichen Menschen Verpflichtung sein, einen Beitrag zu leisten, dass diese Willkür öffentlich wird." Zunächst müsse er sich aber um eine Unterkunft und einen Lebensunterhalt bemühen.

Mollath stellte das System der psychiatrischen Begutachtung infrage. Ob er im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens seinen Geisteszustand begutachten lasse, sei noch unklar. "Wenn ich mich begutachten lasse, dann muss sicher sein, dass das auf wissenschaftlicher und objektiver Grundlage passiert." Auf jeden Fall müsse er dem Gutachter vertrauen. "Und das ganze Begutachtungsverfahren muss in Wort und Bild aufgezeichnet werden", sagte er.

Sein Anwalt Gerhard Strate sagte in der Talkshow, er rate seinem Mandanten davon ab, "weil ich das nicht für notwendig halte". Er gehe ohnedies davon aus, dass das Gericht in dem Wiederaufnahmeverfahren auf ein solches psychiatrisches Gutachten verzichten werde. "Ohne der Regensburger Kammer zu nahe treten zu wollen, gehe ich davon aus, dass das Gericht versuchen wird, sich in dem Fall rasch davonzustehlen und nicht erst mit einem Gutachten kommen wird", sagte der Mollath-Verteidiger. Das ganze werde ein relativ kurzer Prozess werden. Mit dem Beginn des Wiederaufnahmeverfahrens rechnet Strate bis Ende des Jahres.

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Kommentare

59 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

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das ist häuft schwierig. Aber mit der Einführung von Youtube ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten.

Wer sich über den Charakter der Staatsministerin Merk selbst ein Bild machen möchte, kann dies bequem von seinem Sessel aus tun. Ich empfehle hierzu:

Interview mit der bayerischen Justizministerin Beate Merk zum Fall Gusl Mollath: http://youtu.be/336jV80NZyk

Beate Merk im Morgenmagazin 28.11.2012: "Mollath ist kein Opfer der Justiz": http://youtu.be/-PiffQ4xJuo

Justizministerin Beate Merk im Willkür-System: http://youtu.be/ObzPzaMWdCA